AUSGABE NR. 139 breitung des Islam ging. Sein ganzes de nicht (zum Propheten) berufen, Dasein war so von Barmherzigkeit, um zu verfluchen, sondern um (die Freundlichkeit und Mitgefühl er- Menschen zur Religion) einzuladen füllt, dass er zur Verkörperung gött- und (ihnen gegenüber) barmher- licher Gnade und Zentrum der Liebe zig zu sein.“ Danach erhob er seine und Freundschaft gegenüber allen Hände zum Gebet und bat um Ver- Menschen wurde. Was das Wesen gebung für die Kurzsichtigkeit der des Propheten von anderen unter- Menschen. Er sprach: „Oh Gott, schied, war, dass er seine Liebe und leite mein Volk recht, denn sie sind Zuneigung nicht nur den Muslimen unwissend und haben mich aufgrund zuteil werden ließ, sondern er auch ihrer Ignoranz ungerecht behandelt.“ die Nicht-Muslime miteinschloss. Genauso wie der Prophet am Schick- Aus diesem Grund sagt Gott über sal der Gläubigen Anteil nahm und ihn: „Und wir haben dich nur des- großes Mitgefühl zeigte, hatte er halb gesandt, um den Menschen in auch mit den Ungläubigen Mitleid aller Welt Barmherzigkeit zu erwei- und ihr Verharren im Unglauben und sen.“ (Sure Al-Anbiya, Vers 107) die damit verbundene Strafe, die ih- Die Geduld und Standhaftigkeit die- nen bevorstand, machten ihn traurig. ser heiligen Persönlichkeit gegen- Um die neue Religion im Keim zu über Beleidigungen, Verleumdun- ersticken, setzten die Feinde des gen und falschen Beschuldigungen Islam den Propheten und seine Ge- in Verbindung mit seinem freundli- folgsleute wirtschaftlichen Sanktio- chen Blick, ließ die Religion in ih- nen aus und verbannten sie in eine rem schönsten Lichte erstrahlen und Wüste namens Abi Taleb. Diese Blo- spiegelte ihre verschiedenen Facet- ckade, welche drei Jahre andauerte, ten wieder. Der Qur’an sagt dazu: stürzte den Stamm Bani Haschim „Es ist um der Barmherzigkeit Got- in die schlimmste vorstellbare wirt- tes willen, dass du ihnen gegenüber schaftliche Misere. Hazrate Chadi- umgänglich warst. Wärest du grob ja stellte ihr gesamtes Kapital und und hartherzig gewesen, wären sie Vermögen zur Verfügung, um den rings um dich fortgelaufen.“ (Sure Druck dieser Blockade etwas zu Al-Imran, Vers 159). mindern und die Muslime übten sich Im Krieg von Ohod als die Feinde in äußerster Standhaftigkeit. Abu einen Zahn des Propheten brachen Talib versammelte alle Angehörigen und sein Gesicht verletzten, forder- der Bani Haschim und Bani Motta- ten die Gefährten des Propheten ihn leb in dieser Wüste, um das Leben dazu auf, jene zu verfluchen. Doch des Propheten zu schützen, da die der Prophet widersetzte sich dieser Muslime machtlos waren. Damit Aufforderung und sagte: „Ich wur- wurde sowohl möglichen Gefahren seite 51
vorgebeugt als auch die schwierigen Prophet der Liebe und Freundschaft AL - FADSCHR Bedingungen der Wirtschaftsblocka- die verängstigten Menschen beru- de etwas erleichtert. higt hatte, sprach er: „Heute ist nicht Trotz all dieser Anfeindungen zeig- der Tag des Kampfes und der Rache, te sich der Prophet barmherzig, als sondern der Tag der Barmherzigkeit er im achten Jahr nach der Hidschra und Liebe. Ich habe euch all eure mit voller Kraft und Stärke die Mek- Verbrechen und Sünden verziehen.“ kaner besiegte und nach Mekka zu- Daraufhin sprach er folgenden be- rückkehrte, um dort die Zügel in die rühmt gewordenen Satz: „Gehet Hand zu nehmen, obwohl es gerade (eurem Leben nach), denn ihr seid die ungläubigen Mekkaner waren, frei(gelassen).“ Das Ergebnis dieser die den Propheten und seine Ge- freundschaftlichen Geste war, dass folgsleute in den letzten 20 Jahren die Liebe zum Propheten der Wahr- den schlimmsten Ungerechtigkei- heit in die Herzen aller überging, ab- ten, Übergriffen und Anfeindungen gesehen von einigen wenigen, und ausgesetzt hatten. Als der Prophet sie den Islam annahmen. den Ruf seines Bannerträgers, Sa´d Der erhabene Prophet (s.a.s.) war ibne ´Ebadeh, vernahm, der laut rief: sehr bemüht den Menschen seiner „Heute ist der Tag des Krieges, des Zeit die verschiedenen Facetten der Blutvergießens und der Gefangen- Religion mit all ihrer Schönheit na- schaft“, war er sehr betroffen und hezubringen. Aus diesem Grund be- befahl, ihm die Fahne des Islam gegnete er den Anfeindungen und wegzunehmen und an Imam Ali Verspottungen einiger Unwissenden (a.s.) weiterzugeben. Danach beru- mit Standhaftigkeit und Vergebung. higte er durch seine zuversichtlichen Der heilige Prophet zeigte sich ge- und einfühlsamen Worte seine lang- genüber den Angriffen und Beleidi- jährigen Feinde und sagte zu ihnen: gungen der Feinde und Unwissenden „Was denkt ihr über mich?“ Sie sag- standhaft und sprach immer freund- ten: „Wir erwarten von dir nur Gu- lich und auf einsichtige Weise mit tes und Freundschaft. Du bist unser ihnen. Er wurde niemals aufbrau- nachsichtiger Bruder und der Sohn send und war der Ansicht, dass der unseres nachsichtigen Bruders.“ Der Islam sich nur dann auf der ganzen Prophet sprach: „Ich werde das tun, Welt verbreiten werde, wenn man was Yusuf mit seinen ungerechten Geduld, Ausdauer und Standhaftig- Brüdern getan hat und ich werde keit zu seiner Richtschnur macht. wie er sagen: Heute soll euch keine Die Bemühungen und das Anlie- Schmach und Strafe treffen (Sure gen des Propheten die Menschen „Yusuf“/ Vers 92).“ Nachdem der rechtzuleiten und der Glückseligkeitseite 52
AUSGABE NR. 139 zuzuführen und seine Geduld und fort, indem er sagt: Oh Muhammad, Standhaftigkeit auf diesem Weg, wenn wir wollten und es für richtig zeigten sich so stark, dass Gott im hielten, besäßen wir die Macht dazu Vers sechs der Sure „Al-Kahf“, dem eine ermahnende Strafe vom Him- Propheten wiederholt Trost spendet mel auf sie (Ungläubige, Götzen- und sagt: „Vielleicht magst du, wenn diener) herabkommen zu lassen, so sie an diese Botschaft nicht glauben, dass sie aus Angst und Furcht davor aus Gram noch dich selbst umbrin- den Glauben annehmen und Gott an- gen, nachdem sie sich abgewandt beten würden. haben.“ Doch zweifellos wäre dieser Glaube Daraus wird ersichtlich, dass der ein erzwungener und ungewollter Prophet des Islam in seinem Bemü- Glaube und es steht außer Frage, hen die hartherzigen und unglück- dass eine Zwangsbekehrung wertlos lichen Menschen rechtzuleiten, so ist. Sollten die Ungläubigen hinge- ernsthaft und aktiv war, dass er aus gen den Glauben aus reiner Absicht Kummer und Trauer darüber, dass und Überzeugung und auf Basis ih- sie den Glauben nicht annehmen res Verstands und ihrem freien Wil- wollten, sich selbst am liebsten zu- len annehmen, so wird keine Macht, grunde richten wollte. Der barmher- egal an welchem Ort, in der Lage zige Gott jedoch hielt ihn von dieser sein, ihnen diesen Glauben zu neh- starken Anteilnahme ab und sagte zu men. ihm: Warum willst du dich denn auf- In einer berühmten Predigt Imam grund ihres Widerwillens gläubig zu Alis (a.s.) aus Nahdschu l-Balaqa werden, zugrunde richten? Du hast weist er genau auf diese Tatsache deine Aufgabe, den Islam zu lehren hin, nämlich, dass Gott die Prophe- und zu verbreiten, richtig ausgeführt ten immer in einer Weise zu den und auf Basis des Qur’anverses: Menschen schickt, die es ihnen er- „Dem Gesandten obliegt nur die möglicht sich frei für den Glauben Ausrichtung (der Botschaft )“ (Sure zu entscheiden. Wäre es anders, Al-Ma‘ida, Vers 99), hast du keine wäre ihr Glauben erzwungen und andere Aufgabe und Verantwortung. somit wertlos. Er sagte: „Wenn Gott gewollt hätte, hätte er 4.) „Wenn Wir wollten, könnten Wir bei der Berufung der Propheten die vom Himmel ein Zeichen auf sie hi- Tore zu den (verborgenen) Schätzen, nabsenden, so dass sich ihre Nacken Goldmienen und ertragreichen und davor unterwerfen würden.“ blühenden Gärten öffnen können. Dieser Vers knüpft inhaltlich an den Wenn er gewollt hätte, hätte er die vorhergehenden an und setzt diesen Vögel im Himmel und die wilden seite 53
Tiere auf der Erde mit ihnen mit- verlautbart. Das Wort „mohaddeth“ AL - FADSCHR schicken können, doch hätte er dies bedeutet neu. Allerdings ist dies ein getan, gäbe es keine Möglichkeit relativer Begriff, denn wenn der mehr die Menschen zu prüfen und Qur’an beispielsweise als „neue“ die Bestrafung und Belohnung der Erinnerung bezeichnet wird, dann Menschen wäre sinnlos geworden.“ bezieht sich das auf die zeitliche (Nahdschu l-Balaqa, Predigt von Reihenfolge der heiligen Bücher, da Qase´a) Interessanterweise bezieht der Qur’an nach dem Evangelium der allwissende Gott in diesem Vers (Injil) herabgesandt wurde. Genau- das Wort Demut und Unterwürfig- so verhält es sich bei den Suren im keit auf die Hälse (A´nagh), was als Qur’an, von denen ebenfalls einige Metapher zu verstehen ist und so als „neu“ gelten, da sie später als die viel bedeutet wie: Wenn wir ein Zei- anderen herabgesandt wurden. chen herabsenden wollten, mit dem In diesem Vers wird hervorgehoben, er sie unterwerfen und dazu zwin- dass die Ungläubigen nicht aufhö- gen könnte seine Einladung zu ak- ren werden die Zeichen Gottes zu zeptieren, hätten wir dies getan; sie leugnen und ihm Götter an die Seite hätten sich ihm gezwungenermaßen zu stellen. Daraus lässt sich schlie- unterworfen, in einer Weise, die an ßen, dass diese Menschen nicht ihren gekrümmten Nacken sichtbar mehr rechtgeleitet werden können, geworden wäre. da sie sich in ihren Herzen so sehr vom Gedenken Gottes abgewandt 5.) „Keine neue Ermahnung kommt haben, dass sie jedem Zeichen das vom Erbarmer zu ihnen, ohne dass vom barmherzigen Gott kommt, den sie sich davon abwenden.“ Rücken kehren und nicht bereit sind Unter dem Begriff „dhikr“ versteht sich zu unterwerfen. man alles wie zum Beispiel göttliche Sie können sich in keiner Weise mit Offenbarungen, Wunder und heilige den für sie neuen Wahrheiten abfin- Bücher, was den Menschen wach- den, da sie sich für immer mit dem rüttelt und sein Bewusstsein schärft, Aberglauben ihrer Vorväter ver- indem es die Erinnerung an Gott bunden fühlen und um keinen Preis wach hält. Dazu gehört auch der hei- bereit sind von ihrer Unwissenheit, lige Qur’an. Mit dem Ausdruck „das ihren Irrlehren und Aberglauben Ab- Kommen des Gedenkens (dhikr)“ schied zu nehmen. Es ist grundsätz- ist die Herabsendung des Qur’an zu lich so, dass unwissende, fanatische den Menschen gemeint, in dem Sin- und uneinsichtige Menschen gegen ne, dass er dem Prophet offenbart Neues kämpfen, auch wenn es zu wird und dieser ihn den Menschen ihrer Rechtleitung, Erkenntnis undseite 54
AUSGABE NR. 139 Rettung beitragen würde. In Vers 68 wichtige Nachricht. An dieser Stel- der Sure „Al-Mu´minun“ lesen wir: le sind damit die schweren Strafen „Haben sie denn nicht die Aussage gemeint, die sie in dieser wie auch betrachtet, oder ist zu ihnen gekom- in der nächsten Welt treffen werden. men, was nicht zu ihren Vorvätern Auch wenn einige Qur’aninterpreten kam?“ Doch unter dem Vorwand, die Ansicht vertreten, dass damit le- dass es sich um etwas neues Unbe- diglich die Strafen im Jenseits ge- kanntes handelt, stellen sie sich da- meint sind, so ist jedoch die Mehr- gegen. heit der Exegeten der Auffassung, Es versteht sich von selbst, dass dass dieser Begriff allgemein ist und dieser Vers zum Ausdruck bringen beide Arten der Strafe umfasst. möchte, dass die Ungläubigen jeg- Die genauere Betrachtung dieses liche Erinnerung an Gott ablehnen Verses und des vorhergehenden zeigt, und zwar nicht nur die neueste Form dass der Mensch, sobald er sich fort- davon. Auch die früheren Erinnerun- während auf Irrwegen bewegt, sei- gen an Gott lehnten sie ab. ne Distanz zur Wahrheit vergrößert Die Wahl des Wortes „Arrahman“ und mit der Zeit Schritt für Schritt (Der Barmherzige) in diesem Vers dem Untergang näher kommt. Am weist darauf hin, dass die Herabsen- Anfang zeigt er sich der Wahrheit dung der Verse seitens Allah seiner gegenüber gleichgültig und wendet allumfassenden Barmherzigkeit ent- sich von ihr ab, dann erklärt er sie springt, welche alle Menschen ohne für Lüge und letztendlich macht er Ausnahme zum Glück und zur Ver- sich über sie lustig. Es scheint, dass vollkommnung einlädt und ihr Wohl der schlechteste Zustand und die im Diesseits und Jenseits garantiert. schlechteste Eigenschaft des Men- schen in der Verspottung der Wahr- 6.) „Sie haben (sie) ja für Lüge er- heit liegt, denn im Qur’an heißt es: klärt. So wird zu ihnen die Kunde „In naher Zukunft wird die Nach- kommen von dem, worüber sie im- richt (Strafe) ihrer Verspottung zu mer wieder gespottet haben.“ ihnen kommen“, und es heißt nicht: Gott fügt in diesem Vers hinzu, dass die Strafe ihrer Abwendung oder sich die Ungläubigen nicht damit Lügenbezichtigung wird sie treffen begnügen dem Qur’an den Rücken (ähnliche Formulierungen sind auch zu kehren, sondern sie gehen so weit am Beginn der Sure Al-An‘am, Vers diesen als Lüge zu bezeichnen und 4 und 5 anzutreffen). sich darüber lustig zu machen. Der Begriff „Anba´“ ist die Mehr- zahl von „Naba´“ und bedeutet seite 55
Botschaften: 1. Der Qur’an hat eine äußerst hohe ihre Anhänger verspotten werden AL - FADSCHR Stellung (Das Wort „tilka“ ist ein eines Tages eine Antwort auf ihre hinweisendes Fürwort, das eine Ent- Tat bekommen, ob in dieser Welt, fernung ausdrückt und auf eine hohe während ihrem Tod, im Barzach Stellung hinweist) (Zwischenwelt) oder im Jenseits. 2. Mitgefühl und Mitleid gegenüber dem Verderbnis und der geistigen Quelle: Verirrung anderer Menschen ist von Erläuterung auf Basis der folgenden Quranexegesen: großem Wert und der Prophet zählt Al-Mizan, Majma Al-Bayan, Nemuneh und Noor. zu den mitfühlendsten Menschen. 3. Die Propheten waren in der Aus- führung ihrer Aufgabe über alle Er- wartungen hinaus bemüht (bakhe´on nafsak). 4. Traurigen Menschen Trost zu spenden ist eine heilige Tat, da auch der Qur’an dies tut. 5. Solange die Voraussetzungen für die Entfaltung der Wirkung einer Sache nicht geschaffen sind, kann auch das beste Buch und der beste Lehrer nichts bewirken (alla yakunu mo´menin). 6. Glaube muss freiwillig und selbst gewählt sein, nicht aufgezwungen. 7. Bei hartherzigen Menschen wird keine Ermahnung Wirkung zeigen. 8. Der Mensch soll sich altherge- brachten Traditionen nicht so sehr verbunden fühlen, dass er nicht mehr in der Lage ist ein wahres Wort zu akzeptieren. 9. Eine Gruppe von Menschen zieht es vor eigensinnig zu handeln anstatt die Wahrheit anzunehmen. 10. Diejenigen, die die Wahrheit undseite 56
TEXT von Dr. Martin Bauschke Am 26. Februar 2011 veranstaltete das Islamische Zentrum Hamburg den Kongress: „Die Woche der Einheit - Die Lebensart des heiligen Propheten Muhammad (Friede sei mit Ihm) und die Verantwortung der Gelehrten.“ Der folgende Vortrag von Dr. Martin Bauschke war einer der Beiträge, die die Veranstaltung bereicherten. Das Vorbild Muhammads und die Imame heuteAUSGABE NR. 139 Es ist mir eine große Ehre, dass ich heute hier zu Ih- nen sprechen darf, obwohl ich keinen Turban trage, obwohl ich kein Imam, kein Ayatollah, kein Scheich, kein Mufti und auch kein Muslim bin – es sei denn, ich bin es in dem Sinne, wie unser Nationaldichter Goethe im „West-östlichen Divan“ gedichtet hat: „Wenn Islam Gott ergeben heißt, / Im Islam leben und sterben wir alle.“ In diesem erweiterten, in die- sem existentiellen oder metaphorischen Sinne bin ich auch ein Muslim oder, wie der Qur’an sagt, ein Hanīf, ein aufrichtiger Gottsucher – und als solcher spreche ich zu Ihnen. Das Konzept des Kongresses macht deutlich, dass das Islamische Zentrum einen weiten Horizont hat, der verschiedene islamische Rechtsschulen umfasst, die heute hier vertreten sind, wie auch Glaubende außerhalb „des Islams“ im en- geren Sinne der von Muhammad gestifteten Reli- gion. – Mein Vortrag hat drei Teile: 1. Jesus und Muhammad als Brüder 2. Was können Imame von Muhammad lernen? 3. Eine Anmerkung zur Integrationsdebatte seite 57
1. Jesus und Muhammad als Brü- mit Sicherheit glaubwürdig. was sie in der Bibel hören und ande- AL - FADSCHRder ren Menschen als „Frohe Botschaft“ Also, ich gehe als Religionswissen- verkünden.Sie alle sind bestimmt hervorragen- schaftler und Theologe fest davonde Experten, was das Leben Mu- aus: Muhammad ist keine Fiktion. Damit komme ich zum dritten Punkthammads angeht. Da möchte ich Er hat existiert! Das ist mein erster in meinem ersten Teil. Ich bin derSie nicht langweilen mit meinen Punkt. Doch viel wichtiger als die Überzeugung: Gott liebt die Vielfalt,bescheidenen Kenntnissen aus der Frage nach der tatsächlichen Exis- nicht die Einfalt. Ich glaube, daß esSīra des Ehrwürdigen Propheten. tenz des Propheten ist eine ande- viele Wege, viele Scharias, zu GottIch möchte jedoch auf drei Punkte re Frage, und das ist mein zweiter gibt. In meinen Augen sind Jesushinweisen, die mir besonders wich- Punkt: Wann erwacht die Botschaft und Muhammad wie Brüder. 1 Dertig sind. Erstens: Ich gehöre nicht Gottes, dass Muhammad offenbart Prophet hat selber einmal in einemzu dem Kreis derjenigen Gelehrten, wurde, zum Leben? Sie erwacht Hadith gesagt, alle Propheten sei-die behaupten, Muhammad habe nicht dadurch zum Leben, dass wir en untereinander wie Brüder – sienie existiert. Sie wissen, dass es zur Muhammads Existenz zweifelsfrei haben denselben Vater, aber unter-Zeit in Deutschland gleich meh- beweisen. Sie erwacht nicht da- schiedliche Mütter! Und an andererrere Personen gibt - es sind auch durch zum Leben, dass Muslime Stelle sagte er, dass von diesen Pro-Universi¬tätsprofessoren unter ih- den Qur’an rezitieren oder über ihn phetenbrüdern ihm keiner näher ste-nen - die solche oder ähnliche The- predigen. Nein, die Botschaft Gottes he als Jesus. Diese Aussagen solltensen aufstellen. Ich darf Sie beruhi- erwacht dadurch zum Leben, dass eigentlich eine ewige Freundschaftgen: Derlei Stimmen gibt es auch mit Muslime den Qur’an praktizieren. von Christen und Muslimen begrün-Blick auf cIsā ibn Maryam. Auch da Der Islam genießt in der Welt so den – eine Freundschaft auf gleicherwurde immer wieder mal behauptet, viel Ansehen wie die Menschen, Augenhöhe. Leider ist das oftmals iner habe nie existiert. Er sei eine Fik- die sich zum Islam bekennen, tun, der Geschichte nicht der Fall gewe-tion der christlichen Urgemeinde, so was sie als Gottes Wort hören und sen. Ich gehöre zu denjenigen christ-wie jetzt gesagt wird, Muhammad predigen. Und umgekehrt: Der Is- lichen Theologen, die eine theologi-sei eine Fiktion der umma gewesen. lam erfährt in der Welt so viel Ver- sche Anerkennung Muhammads alsIch versichere Ihnen: Solche her- achtung wie die Menschen, die sich Gottes Prophet fordern. Gott liebtausragenden Persönlichkeiten wie zum Islam bekennen, nicht tun oder nicht nur die Vielfalt, sondern auchJesus und Muhammad können von das Gegenteil von dem tun, was sie die Komplementarität. Die Thora,Menschen gar nicht erfunden wer- als Gottes Wort hören und anderen das Evangelium und der Qur’an sindden. Denn bloße menschliche Fik- Menschen als „Islam“ verkünden. die drei Testamente oder Zeugnissetionen haben wohl kaum eine jahr- Diese Feststellung beinhaltet Selbst- des Einen Wortes Gottes, das dertausendelange Wirkung von solcher kritik. Denn man kann diese Worte Qur’an, wie Sie wissen, umm-al-Nachhaltigkeit, wie es 2000 Jahre auch auf das Christentum anwenden. kitāb nennt. Sie ergänzen sich ge-Christentum und 1400 Jahre Islam Auch das Christentum steht und fällt genseitig. Ebenso verstehe ich daszeigen. Diese Wirkungen müssen nicht damit, daß wir die Existenz Wirken Jesu und Muhammads alsnachhaltige Ursachen gehabt haben des Jesus von Nazareth beweisen. komplementär – wie in der Physik– eben das konkrete Leben Jesu, das Vielmehr genießt das Christentum das Licht sowohl Welle als auchkonkrete Leben Muhammads. Da ist in der Welt so viel Ansehen wie die Teilchen ist. Jesus und Muhammaduns natürlich nicht alles überliefert Kirchen, die sich auf Christus be- sind keine Doppelgänger, doch sieworden, vieles bleibt endgültig im rufen, tun, was sie im indjīl hören sind Brüder mit Ähnlichkeiten undDunkel der Geschichte verborgen. und predigen. Und umgekehrt: Das Unterschieden. Jesu kurze, dreijähri-Doch die wesentlichen Eckdaten Christentum erfährt in der Welt so ge Wirksamkeit wird ergänzt durchim Leben Jesu und im Leben Mu- viel Verachtung wie die Menschen, die lange, 22jährige Wirksamkeithammads, wie sie von einer seriösen die sich zu Christus bekennen, nicht Muhammads. Der WanderpredigerWissenschaft erarbeitet werden, sind tun oder das Gegenteil von dem tun, und Wunderheiler aus Nazareth wirdseite 58
AUSGABE NR. 139 ergänzt durch den Streitschlichter, Politiker und Feld- Barmherzigkeit sind. herrn aus Mekka. Jesus, der leidende, ermordete Ge- rechte, wird ergänzt durch Muhammad, den verfolgten Christen und Muslime haben noch mehr Werte gemein- und am Ende siegreichen Gerechten. Gott erscheint in sam. Wir finden sie in den sog. „Zehn Geboten“ Gottes menschlicher Wahrnehmung manchmal als ohnmächtig, an den Propheten Mūsā. Dazu gehört z.B. das Verbot zu wie das Kreuz von Golgatha zeigt. Manchmal zeigt Er töten. Auch im Qur’an ist es zu finden, z.B. in der Su- sich als machtvoll, wie die Tempelreinigung in Jerusa- rat al-Mā’ida (Sure 5,32): „Wenn einer jemanden tötet lem durch Jesus und die Reinigung der Kaba von allen (...), so ist es, als hätte er die Menschen alle getötet. Und Götzen durch Muhammad zeigen. wenn jemand ihn am Leben erhält, so ist es, als hätte er die Menschen alle am Leben erhalten.“ Das Leben hat im Beide, Jesus und Muhammad, sind bis heute Vorbilder Qur’an einen hohen Stellenwert. Der Respekt vor allem des Glaubens an Gott. Sie sind in diesem Sinne Imame Leben ist darum tief in der islamischen Ethik verwurzelt. der Menschheit. 2 Sie waren jedoch nicht nur Empfänger Gute Imame sollten daher Sprachrohre des Lebens sein, des Wortes Gottes, nicht nur Vermittler der Botschaft des sie sollten Werkzeuge des Lebens sein und überall Ein- Ewigen an uns zeitliche Wesen, sondern sie haben beide halt gebieten, wo sie dem Tod begegnen – dem Tod in auch getan, was sie den Menschen gepredigt haben. In Gestalt von Hass, Fanatismus, Gewalt und Krieg. diesem Sinne sind sie beide herausragende Imame der Menschheit. Was können wir von ihnen lernen? Da- Ebenso haben Christen und Muslime gemeinsam das mit komme ich zu meinem zweiten Teil. Der Untertitel Verbot zu stehlen oder zu betrügen. Im Qur’an wird des Kongresses lautet: „Die Verantwortung der Gelehr- dieses Verbot mit dem Wert der Gerechtigkeit begrün- ten“. Im Folgenden spreche ich nicht allgemein von der det. So heißt es in der Surat al-Qasas (Sure 28,5): „legt Menschheit, auch nicht von den Muslimen, sondern spe- Zeugnis für die Gerechtigkeit ab. Und der Haß gegen ziell von den Imamen, und zwar von den Imamen hier in bestimmte Leute soll euch nicht dazu verleiten, nicht Deutschland. gerecht zu sein. Seid gerecht, das entspricht eher der Gottesfurcht.“ In der Sahīfa, der sog. Gemeindeverfas- 2. Was können Imame von Muhammad lernen? sung von Medina, ist Gerechtigkeit der am häufigsten genannte moralische Wert. Gute Imame sollten daher Man könnte die Frage auch provokativer stellen: Was Sprachrohre der Gerechtigkeit, sie sollten Werkzeuge ist ein guter Imam? Wenn ich gerade gesagt habe, das der Solidarität sein und überall Einhalt gebieten, wo sie Evangelium und der Qur’an ergänzen sich gegenseitig, der Ungerechtigkeit begegnen – der Ungerechtigkeit so finde ich das vor allem in den gemeinsamen ethischen in Form von Gier, Habsucht, Lug und Betrug. „Wehe Grundüberzeugungen bestätigt. Jesus und Muhammad denen, die das Maß verkürzen, die, wenn sie sich von haben ja nicht völlig verschiedene Werte und Normen den Menschen zumessen lassen, volles Maß verlangen, verkündigt, sondern im Prinzip uralte Maßstäbe des wenn sie ihnen aber zumessen oder abwägen, weniger Handelns, ohne die weder Christen und Muslime je un- geben.” So heißt es zu Beginn der Surat al-Mutaffifīn tereinander, noch Christen und Muslime miteinander, (Sure 83,1-3). Imām Ghazāli – ich meine den Perser leben können. Ein solcher gemeinsamer Wert ist etwa Abu-Hamid ibn Muhammad al-Ghazāli, den bekannten die Solidarität mit den Schwachen. Sie alle kennen das Theologen, Philosoph und Mystiker des Mittelalters – berühmte Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter. sagt dazu in seiner Schrift Kimya-i Saadet („Die Chemie Man kann die Intention dieses Gleichnisses in einem – oder: Das Elixier – der Glückseligkeit“): „Jeder, der einzigen Satz zusammenfassen: „Keine Nächstenliebe mehr für sich verlangt, als er selbst gewährt, wird durch ist größer, als dem Schwachen eine helfende Hand zu rei- diesen (Qur’an-) Vers getroffen.“ 4 chen.“ Dieser Ausspruch stammt von Mūsā al-Kādhim, dem 7. Imam der Zwölfer-Shia. Es gibt keine besseren Der Beginn der Surat al-Mutaffifīn ist nicht nur ein Imame als die, die solidarisch sind mit den Schwachen! Beispiel für Fairness, sondern zugleich auch für die Es gibt keine besseren Imame als die, die Werkzeuge der sog. Goldene Regel, die es weltweit in allen Religionen und Kulturen gibt. Im Deutschen haben wir dafür das seite 59
Sprichwort: „Was du nicht willst, das man dir tu, das für andere, und was immer du nicht möchtest, daß es AL - FADSCHRfüg auch keinem andern zu!“ Die Goldene Regel ist un- dir widerfahre, mit derlei Widerfahrnissen verschoneser moralisches Weltkulturerbe – das Minimum dessen, andere. Unterdrücke und tyrannisiere niemanden, dennwie wir uns als Menschen im globalen Dorf verhalten du möchtest sicherlich auch nicht unterdrückt und tyran-sollten. Der Präsident unserer Stiftung Weltethos, Pro- nisiert werden. Sei freundlich und mitfühlend zu ande-fessor Hans Küng, hat gesagt: „Es gibt ein gemeinsa- ren, so wie du dich gewiß danach sehnst, daß andere dirmes Ethos für alle Menschen, gleichgültig zu welcher freundlich und mitfühlend begegnen. Wenn du anstößigeKultur oder Religion sie gehören – ein Weltethos! Es und abscheuliche Gewohnheiten bei Anderen beobach-ist das moralische Fundament der Menschheit.“ 1993 test, so gib Acht, daß du nicht diese Charakterzüge in dirwurde eine „Declaration toward a Global Ethic“ – eine selbst entwickelst.“ 7Weltethos-Erklärung, vom Weltparlament der Religi-onen verabschiedet, die das bestätigt. Dies hat im Jah- Gute Imame sollten daher Werkzeuge der Goldenenre 2000 auch der damalige Iranische Präsident Sayyid Regel sein. Sie sollten sich einsetzen für gegenseitigeMuhammad Khātamī bei seinem Besuch in der Goethe- Rücksichtnahme, für Toleranz und Mitgefühl – sowohlStadt Weimar bestätigt. Ich zitiere aus seiner Rede: „In zwischen den verschiedenen muslimischen Schulen undeiner Welt ohne Grenzen können Menschen und Völker Traditionen untereinander, als auch im Verhältnis zwi-nicht mit völlig unterschiedlichen moralischen Werten schen Moscheegemeinde und Kirchengemeinde in derleben. Wir müssen zu einer Reihe von Normen kommen, Nachbarschaft. Ein guter Imam duldet nicht, dass an-innerhalb derer alle Menschen mit Verständnis füreinan- deren Menschen – unabhängig davon, ob sie Muslimeder und in Gemeinschaft leben.“ Im selben Sinne sagt sind oder nicht – Gewalt angetan wird, denn der Imamauch Scheich Ahmad Hassoun, dass es zwar viele Kul- möchte selber ja auch nicht geschlagen oder gefoltertturen gebe, aber nur eine Zivilisation! Sie sei auf Moral werden. Ein guter Imam duldet nicht, dass andere Men-und Vernunft gegründet. Der Eckpfeiler dieser einen Zi- schen betrogen oder bestohlen werden, denn der Imamvilisation, die Essenz dieses globalen Ethos aber ist die möchte selber ja auch nicht betrogen oder bestohlenGoldene Regel. Sie ist unser moralisches Weltkulturer- werden. Ein Imam ist nach dem Vorbild des barmher-be, das ich gerade erst in einem Buch beschrieben habe. 5 zigen Gottes ein barmherziger Mensch, der sein Herz nicht gegenüber den Anliegen und Nöten der MenschenViele anerkannte Hadith-Sammlungen bestätigen, dass verschließt. Denn der Imam möchte ja auch nicht, dassauch Muhammad diese Regel liebte. Der syrische Ge- andere Menschen erbarmungslos gegen ihn selber sind.lehrte Yahya al-Nawāwi hat in seinem Kitāb al-Arbaīn Ein guter Imam ist vor allem ein Werkzeug der Versöh-(„Buch der vierzig Hadithe”, 1270) als dreizehnten nung. Er praktiziert Vergebung – denn er hofft, dassHadith diese Regel aufgeführt: „Keiner von euch ist auch Gott ihm vergibt. So heißt es in der Surat an-Nūrgläubig”, sagt der Prophet, „ solange er nicht für seinen (Sure 24,22): „Sie (sc. die Menschen) sollen verzeihenBruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ 6 Die und (sc. den anderen die Schuld) nachlassen. Liebt ihrGoldene Regel, die auch bei al-Bukhari und bei Mus- es selbst nicht, dass Gott euch vergibt? Gott ist vollerlim aufgeführt wird, ist auch in der Schia bekannt. Zum Vergebung und barmherzig.“Beispiel in der sog. „Methode der Beredsamkeit“ (arab.al-nahj al-balaghah). Das ist eine um das Jahr 1000 ent- Was will ich mit diesen Beispielen über universelle Wer-standene Sammlung mit Predigten, Briefen und Aus- te sagen? Ich habe es oben bereits formuliert und will essprüchen von Imām Alī. Im 31. Brief Alīs, gerichtet an hier nochmals wiederholen und auf die „Verantwortungeinen seiner beiden Söhne Hassan und Hussein, heißt es: der Gelehrten“ beziehen: Der Islam genießt in der Welt so viel Ansehen, wie die Imame auch tun, was sie als„Mein lieber Sohn, was dein Verhalten gegenüber ande- Gottes Botschaft hören. Gute Imame predigen nicht nurren Menschen betrifft, so lasse dein ‚Selbst’ der Maßstab ihren Gemeinden moralische Werte, sondern sie prak-dafür sein, um es als gut oder schlecht zu bewerten. Be- tizieren diese Werte auch selbst. Gute Imame gehenhandle andere so, wie du möchtest, daß sie dich behan- ihren Gemeinden mit eigenem Beispiel voran. Darindeln. Was immer du für dich selbst wünschst, wünsche ist Muhammad das Vorbild aller Imame, dass er nichtseite 60
AUSGABE NR. 139 nur den Qur’an hörte und empfing, sondern dass er ihn ger der Shia – an dem Vorbild Muhammads orientieren, auch praktiziert hat. Die Imame sollten ein Spiegel Mu- sollten ebenfalls in klarer, verständlicher Sprache spre- hammads sein. Kann der Prophet sich und die Botschaft chen. Sie müssen kommunikationsfähig sein. Sie müs- des Qur’ans wiedererkennen, wenn er sieht, was die sen gute Deutschkenntnisse mitbringen oder sie sich Imame tun? – Ich komme zu meinem dritten und letzten sofort nach ihrer Ankunft in Deutschland aneignen. Wir Punkt: sollten dringend dahin kommen, dass z.B. die khutba in Deutschland möglichst flächendeckend auf Deutsch 3. Eine Anmerkung zur Integrationsdebatte gehalten wird. Dies fordert mit Recht Imam Idriz von der Penzberger Moschee in Bayern, der vor kurzem Was Imame abgesehen von diesen moralischen Wer- ein Buch veröffentlicht hat mit dem Titel: „Grüß Gott, ten von Muhammad lernen können, ist eigentlich eine Herr Imam!“ 9 Immer wieder höre ich von betroffenen Selbstverständlichkeit: Gute Imame reden so zu ihren Vätern, dass ihre in Deutschland geborenen und aufge- Mitmenschen, dass diese sie auch verstehen können. In wachsenen Söhne die Moscheen verlassen, weil sie die der Sura Yūsuf heißt es gleich zu Beginn (Sure 12,2; vgl. auf Türkisch oder Arabisch Freitagspredigt nicht oder auch 41,3; 42,7; 43,3): „Wir haben das Buch als einen nur unzureichend verstehen. Wenn die Freitagspredigt arabischen Qur’an hinabgesandt, auf daß ihr verständig in Deutschland auf Deutsch gehalten wird, tun Muslime werdet.“ Muhammad hat zu den Menschen seiner Zeit nicht nur der Mehrheitsgesellschaft einen Gefallen im in ihrer eigenen Sprache gesprochen, damit sie ihn auch Sinne von mehr Transparenz hinsichtlich dessen, was verstehen konnten. Das bedeutet für alle Imame, die heu- gepredigt wird, sondern Muslime tun sich selbst und te in Deutschland tätig sind und sich an Muhammad als ihren Gemeinden einen Gefallen, indem sie die Jugend- Vorbild orientieren: Diese Imame müssen Deutsch lernen arbeit verbessern und verhindern, dass die jungen Leute und auf Deutsch predigen, so wie Muhammad den Ara- den Bezug zu ihren religiösen Wurzeln verlieren. bern auf Arabisch gepredigt hat. Ich möchte ausdrück- Die Integration der Muslime in Deutschland steht und lich betonen, dass dies nicht einfach nur eine Forderung fällt also mit der Integration der Imame in Deutschland. der sog. „deutschen nichtmuslimischen Mehrheitsgesell- Das machen die vielen Interviews mit Imamen, die Rauf schaft“ darstellt, sondern dass diese Forderung neuer- Ceylan in seinem Buch präsentiert, deutlich. Entweder dings immer mehr Imame in Deutschland selber erhe- sind Imame Schlüsselfiguren und Vorbilder der Integra- ben. Es ist also eine Forderung, die nicht nur von außen tion – oder sie sind die Vorbilder der Isolation und der an die Muslime herangetragen wird, sondern inzwischen „Ghettoisierung“ der Muslime. Wenn schon der Imam mitten aus der muslimischen Gemeinschaft kommt. Es nicht deutsch lernt, wie kann er dann den jungen Men- kann und darf nicht länger sein, dass insbesondere Ima- schen ein Vorbild sein? Wir müssen Imame in Deutsch- me aus der Türkei – und das ist ja die große Mehrzahl land weiterbilden und ausbilden. Seit kurzem gibt es hierzulande – mit sehr schlechten Deutsch¬kenntnissen Imamfortbildungen in großen deutschen Städten (z.B. in hier in Deutschland jahrelang tätig sind. Das hat katas- Frankfurt/M). Schon seit längerem bietet das Abrahami- trophale Folgen, wie Rauf Ceylan in seinem aktuellen sche Forum, das ich vor zehn Jahren (2001) mitbegrün- Buch „Die Prediger des Islam“ gezeigt hat. det habe, auch gemeinsame Fortbildungen an für Imame, Pfarrer und Rabbiner. Noch wichtiger aber ist es, dass Die aus dem Ausland nach Deutschland „importierten“ jetzt an den ersten Universitäten begonnen wird mit dem Imame haben nämlich, wie Ceylan sagt, „erhebliche Aufbau eigener islamisch-theologischer Studiengänge, Kommunikationsprobleme“ mit den hier geborenen und so dass wir damit den Anfang einer islamischen Imam- aufgewachsenen muslimischen Kindern und Jugend- Ausbildung auf deutschem Boden haben. Wir brauchen lichen. 8 Diese Imame können sich nicht verständlich nicht nur Imame aus dem Ausland, die gut Deutsch spre- machen. Und sie verstehen ihrerseits die hier geborenen chen, sondern immer dringender in Deutschland gebore- und sozialisierten muslimischen Kinder und Jugendliche ne und ausgebildetete Imame! Dafür werden derzeit die nicht. Genau das aber ist von guten Imamen zu fordern! Weichen gestellt. Der Prophet Muhammad würde sich Alle Imame, die sich – ob als Sunniten oder als Anhän- darüber freuen. Gott hat ihn gesandt, damit er den Ara- bern auf Arabisch seine Botschaft verkünde. Ich schlie- seite 61
ße mich der Forderung Ceylans und 1 Muslime glauben, daß Gott in der Gestalt des AL - FADSCHRIdriz’ an: Gute Imame, die sich als Qur‘ans Wort geworden ist (Inlibration), so wieNachahmer Muhammads verstehen Christenund hier in Deutschland dauerhaft glauben, daß Gott in der Gestalt Jesu Mensch gewor-leben, müssen den jungen Leuten den ist (Inkarnation). Derselbe Stellenwert, den JesusGottes Botschaft auf Deutsch ver- im Christentum einnimmt, nimmt der Qur‘an im Islamkünden. Nur so kommt der Islam in ein. Wie ein Christ mit Christus zu leben versucht,Deutschland wirklich an. Nur so ent- oder in seiner „Nachfolge“, so versucht der Muslim,steht gar nicht erst ein Widerspruch in und mit dem Qur‘an zu leben. Die Rezitation deszwischen einer muslimischen und Qur‘ans im rituellen Gebet hat dieselbe Funktion wieeiner deutschen Identität. die Eucharistie- bzw. Abendmahlsfeier im christlichen Gottesdienst: sich als Mensch mit Gott bzw. Seinemseite 62 Wort zu vereinen. (Anm. d. Red.: Es ist zu erwähnen, dass, nach Auf- fassung der Islamischen Experten, der Qur’an nur das Wort Gottes übermittelt. Die in der Fußnote erwähnte Erklärung/Analogie der Bedeutung des Qur’ans für die Muslime am Beispiel des Christentums, ist die Auffassung des Autors und wird von den islamischen Experten nicht bestätigt.) 2 Ob Jesus und Muhammad vollkommene Vorbilder waren, ob sie sogar sündlos waren (arab. cisma), wie traditionelle christliche und muslimische Theologen übereinstimmend behaupten, will ich hier offen lassen. Mir reicht der Hinweis, daß sie verläßliche Vorbilder waren, von denen wir Menschen zu jeder Zeit lernen können. 3 Das Elixier der Glückseligkeit, Kreuzlingen/Mün- chen 2008, S. 113. 4 Seyed Muhammad Khatami: Religiosität und Mo- dernität, Heidelberg 2001, S. 49f. 5 M. Bauschke, Die Goldene Regel: Staunen – Verstehen – Handeln, Berlin 2010. 6 Zit. nach: Yahy‹a ibn Sharaf al-Nawawī, Das Buch der vierzig Hadithe Kitāb al-Arbacīn mit dem Kom- mentar von Ibn Daqıq al-cId. Aus dem Arabischen übersetzt und hg. von M. Schöller, Frankfurt/Leipzig 2007, S. 108. 7 In eigener Übersetzung zit. nach: http://www.nahjul- balagha.org/LetterDetail.php?Letter=31 (Herbst 2009). 8 Rauf Ceylan, Die Prediger des Islam. Imame – wer sie sind und was sie wollen, Freiburg 2010, S. 176. 9 Benjamin Idriz, Grüß Gott, Herr Imam! Eine Religion ist hier angekommen, München 2010, S. 35.
AUSGABE NR. 139 TEXT VON SEyED MOHSEN ALEBATOOL VORSTELLUNG ISLAMISCHER PERSÖNLICHKEITEN salMaN farsi - eiN KiNd des islaMs Salman war ein enger Freund und Wegbegleiter des Propheten Muhammads (s.a.s.) und treuer Gefährte seiner Ahl-ul-Bayt 1 in allen Lebensumständen und Situationen. Ein nicht arabischer Gefährte des Propheten, der sich auf die Suche nach der Wahrheit begab und auf diesem Wege mehrere Jahre der Anstrengung, des Drang- sals und Leids über sich ergehen ließ, bis er letztendlich das fand wonach er suchte und zu seinem Herzens- wunsch gelang. Er war ein vorbildlicher Muslim, der mit seinen lauteren Vorkenntnissen über die Anpreisung und Einheit Gottes, die Prophetie des Gesandten Gottes aus Überzeugung und mit Erkenntnis annahm , und von dem Licht, dem Glanz und der Schönheit einer Sonne namens Muhammad (s.a.s.) erstrahlt und erleuchtet wurde, und so durch die gesegneten Hände seiner Heiligkeit bis zum Ende seines ehrbaren Lebens von allen Fängen des Irrglaubens befreit wurde. seite 63
Name und Abstammung Priester nahm ihn freundlich auf und erzählte ihm eini- AL - FADSCHR ges über die Gotteserkenntnis. So vergingen einige Tage,„Ruzbeh“, so lautete sein Vorname, bevor er den Islam bis sich Salman nach reichlichen Überlegungen und Ge-annahm und bevor er durch die vorbildliche Weitsichtig- sprächen mit dem Priester zur Einheit Gottes und derkeit des heiligen Propheten (s.a.s.) den bedeutungsvollen Prophetie von Jesus, Sohn von Maria (s.a.s.), bekannteund richtungsweisenden Namen „Salman“bekam. Der und den christlichen Glauben annahm.Begriff „Salman“ entstammt dem arabischen Begriff für Die Zeit verging und Salman begab sich mit einer Kara-„Gesundheit“bzw. „gesund“sowie „Ergebung“und ist wane nach Damaskus (Syrien), um dort Antworten aufin der Tat eine Anspielung auf Salmans „Reinheit“und seine zahlreichen Fragen zu bekommen. Damaskus wardie Gesundheit seiner Seele sowie die Ergebenheit und zu diesem Zeitpunkt einer der bedeutendsten christli-Demut Salmans gegenüber der Wahrheit. Und auch der chen Zentren. Nach seiner Ankunft begab er sich sofortZusatz „Farsi“, d.h. von Persien (Fars) abstammend, in zum Bischof, der ihn herzlich empfing. Er verbrachteSalmans Namen wurde sehr bald vom gesandten Gottes dort einige Zeit in der Kirche mit Beten und lernte vieles(Friede Sei mit ihm) in „Muhammadi“, d.h. „von Mu- vom Bischof. Als dieser verstarb, begab sich Salman aufhammad abstammend“, umbenannt, damit er von den die Reise nach Mosul, ca. 350 km nördlich von BagdadMuslimen als einer von ihnen anerkannt und akzeptiert im Irak, und verbrachte auch dort einige Zeit mit demwird und er so ihnen allen als Vorbild dient. 2 Priester der Stadt. Danach reiste er in die Stadt Basra wo er sich weiter mit religiösen Fragen und dem Gebet be-Wie Salman zum Islam konvertierte schäftigte, bis sein Lehrer, der Priester von Basra, auch verstarb. Auf dem Sterbebett sagte er zu Salman: „MeinSalman wurde in einer großen, traditionsreichen Familie Sohn, bemühe Dich nicht zu sehr nach meinem Ablebengeboren. Sein Vater „Badakhshan“ war oberster Hüter und eile nicht geschwind von Ort zu Ort! Sehr bald wirddes zarathustrischen Feuer-Altars in Persien, sehr ver- von Mekka, dort wo viele Dattelbäume wachsen, einmögend und wohlhabend und verfügte über große Län- ehrwürdiger Prophet vom höchsten Rang, aufrichtig unddereien. Salman wurde mit sehr viel Liebe und Fürsorge wohltätig, gottergeben, tugendhaft und im Besitz dererzogen. Diese Zurückgezogenheit betrübte Salmans besten Moral, aus dem Stamm der Araber, zur FührungPsyche einerseits sehr, andererseits war dies jedoch auch und Rechtleitung der Menschheit auserwählt werdender Anlass und Auslöser für Salmans Nachdenklichkeit und für alle Welten und alle Geschöpfe der würdigsteund Besonnenheit. Führer sein. Finde ihn so schnell wie möglich und seiSein Vater nutzte jede Gelegenheit, um ihm die Riten keine Sekunde darin nachlässig, ihm zu dienen. Um ihnund Gebräuche der Sonnenanbetung beizubringen. Sal- zu erkennen, gibt es Zeichen auf die Du achten solltest.man jedoch war ein aufgeweckter und vernünftiger jun- Eines dieser Zeichen ist es, dass er zwar Geschenke an-ger Mann, der die Sonnenanbetung als falsch und ver- nimmt, Sadaqa 3 aber abweist.“werflich ansah. Als er eines Tages auf Anweisung seines Einerseits war Salman über den Verlust seines LehrersVaters das Haus verlassen hatte, lenkte das Läuten der bestürzt und traurig, andererseits aber war er auch ir-Kirchenglocken seine Aufmerksamkeit auf sich. Er gendwie sehr glücklich, denn er fühlte, wie er sich dennäherte sich der Kirche und hörte wie dort einigen rie- Antworten auf seine unzähligen Fragen langsam näher-fen: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Jesus ist sein te. So brach er auf und nahm die erste Karawane nachProphet“. Dies war die Stimme der Wahrheit, und die, Mekka.die es aussprachen christliche Priester, die sich in ihrer Auf dem Weg dorthin nahmen ihn jedoch die Karawa-Kirche versammelt hatten, um Ihre religiöse Zeremonie nenführer gefangen und verkauften ihn als Sklaven anabzuhalten. Nachdem Salman diese Worte gehört hatte, einen reichen Mann aus dem Stamm der Bani-Ghoraize.spürte er, wie er sich Tag für Tag immer mehr veränderte Als Salman dort bei den Bani-Ghoraize ankam, sah erund wie in ihm ein Licht der Hoffnung aufging. Er begab als erstes die großen Dattelpalmen und erinnerte sich ansich in die Kirche hinein und bat einen der Priester, ihn die Worte seines Lehrers. Seine Augen blitzten auf undmit den Riten dieser Religion vertraut zu machen. Der er spürte, wie es ihm warm ums Herz wurde. So arbeitete Salman auf den Dattelfeldern seines Meis-seite 64
AUSGABE NR. 139 ters, bis eines Tages ein Mann zu che Geschichte.“Und so erzählte es Salman, der vorschlägt, an den ihnen auf die Felder kam, von ei- Salman, so wie es der Prophet von bedrohten Fronten, an denen das ner Person berichtete und erzählte: ihm verlangt hatte, seine Geschichte Eindringen der Feinde am wahr- „Möge Gott die Bevölkerung von in allen Einzelheiten. Anschließend scheinlichsten ist, einen Graben Medina verfluchen, die sich um eine sagte der Prophet (s.a.s.) zu Salman: auszuheben. Der Prophet (s.a.s.) Person versammelt hat, die sich als „Salman, befreie Dich selbst, damit nahm seinen Vorschlag an. So wollte Prophet Gottes bezeichnet.“Als Sal- Dir die Vorteile des Islams stets zu- jeder der Gruppen der Ansar 7 und man diese Worte hörte, war er vor teile werden können.“ Mohajer 8 Salman als einer von ih- Glück außer sich und kletterte von So begab sich Salman zurück zu nen ausgeben. Da sagte der Prophet der Dattelpalme herunter, um das seinem Meister und erzählte ihm (s.a.s.): „Salman ist von uns Ahl-ul- Gespräch besser hören zu können. von den Geschehnissen. Sein Meis- Bait.“ 9 Diese Überlieferung ist ein Jedoch hinderte ihn der zornige ter sagte: „Ich werde Dich nur frei- deutliches Zeichen für den hohen Blick seines Meisters daran und er lassen, wenn Du mir ein Dattelfeld Stellenwert, den Salman beim Pro- machte sich wieder an die Arbeit. mit 300 Dattelpalmen einpflanzt pheten (s.a.s.) hatte. Einen so großen Von diesem Augenblick an ver- und mir dazu noch 40 Silberstücke Stellenwert, dass der Prophet an ei- brachte Salman sehr viel Zeit damit, gibst.“Salman ging zum Propheten ner anderen Stelle sagt: „Allah liebt über die Botschaften dieses neuen und teilte ihm die Bedingung seines Salman in den Himmeln und sein Propheten nachzudenken und seine Meisters mit. So ließ der Prophet Gesandter liebt ihn auf Erden. Jedes Wunder zu überprüfen. (s.a.s.) als erstes nach einem ge- Mal wenn der Engel Gabriel zu mir Eines Tages nahm er einen Teller eigneten Feld suchen und machte kam, übermittelte er mir die spezi- voller Datteln und begab sich auf sich dann zusammen mit Imam Ali ellen Grüße von Allah an Salman. den Weg in die Ghoba-Moschee, 4 (a.s.) und seinen Gefährten auf Salman ist von mir, jeder der ihn um diesen neuen Propheten zu se- den Weg, um die 300 Dattelpalmen unterdrückt, hat mich unterdrückt hen. Er schaute den Propheten von anzupflanzen. Auch die Silberstü- und jeder der ihn belästigt, hat mich Weitem an, während sich eine Schar cke wurden besorgt und Salmans belästigt. Er ist ein frommer Mono- von Menschen um ihn versammelt Meister übergeben. So wurde Sal- theist und ein wahrer Gläubiger der hatte. Er ging durch die Menge zum man von seiner Dienerschaft befreit Einheit Gottes.“ 10 Propheten und sagte: „Diese Datteln und sein Wunsch, sich der Quelle Jaber überliefert vom Propheten sind eine Spende und ich möchte, der Erkenntnis und Wahrheit anzu- (s.a.s.): „Das Verlangen des Paradie- dass ihr und eure Begleiter davon schließen und seinen ewig währen- ses nach Salman ist größer als Sal- kostet“. Der Prophet wandte sich den Durst an dieser Quelle zu stillen, mans Verlangen nach dem Paradies, zu seinen Begleitern und sagte zu ging in Erfüllung. 5 und die Liebe des Paradieses zu Sal- ihnen: „Ich möchte nicht, aber ihr man ist größer als die Liebe Salmans könnt davon essen“. Salman ging Salmans Tugenden zum Paradies“. 11 davon, kam später erneut zum Pro- Einer der weiteren Tugenden Sal- pheten und erklärte: „Diese Datteln Salmans Tugenden waren so lobens- mans ist sein wissenschaftlicher sind ein Geschenk für Euch und wert, dass der heilige Prophet (s.a.s.) Stellenwert, so wie in einigen Über- Eure Begleiter“. Diesmal jedoch und die unfehlbaren Imame diese lieferungen von ihm auch als „Luq- nahm der Prophet die Datteln und stets ansprachen. man der Weise“ gesprochen wird. aß sie. Als Salam dieses Zeichen Als im fünfte Jahr nach der Hidsch- Imam Ali (a.s.) sagt: „Salman ist von sah, erkannte er voller Überzeugung ra 6 (627 n. Chr.), in der Schlacht uns Alh-ul-Bait. Er kennt das, was die Prophetie des Gesandten Gottes von „Ahzab“, Medina von den Sol- war, das was kommen wird, und ist und nahm noch vor Ort den Islam daten der Götzenanbeter umzingelt wie ein unendliches Meer der Weis- an. In diesem Augenblick sagte der ist, berät sich der Prophet mit jedem heit.“ 12 Prophet Gottes (s.a.s.) zu Salman: seiner Gefährten und fragt sie nach Weiterhin sagt der Prophet Gottes „Salman, setze Dich und erzähle ihrer Meinung. An diesem Tag war (s.a.s.) über die Tugenden von Sal- meinen Gefährte Deine erstaunli- man: „Salman ist eine erfrischende seite 65
und kühle Fontäne, aus der Wissen und Weisheit spru- Salmans Tod AL - FADSCHRdelt.“ 13 Einer der Gefährten von Imam Ali (a.s.) fragte Einer der Eigenschaften von vollkommenen und gottna-ihn über Salmans Persönlichkeit aus und er antworte- hen Menschen ist es, dass sie Nachrichten aus der Weltte: „Was soll ich über jemanden sagen, der aus unserer des Verborgenen erreicht. Salman gehörte zu diesenNatur erschaffen wurde und dessen Seele unserer nah Menschen und wusste von dem Zeitpunkt seines Todes.ist. Der Allmächtige Gott machte ihn wissend über den In Mada’in wurde er krank und seine Krankheit nahmAnfang und das Ende, das Sichtbare und das Verborge- von Tag zu Tag zu, bis er sich sicher war, dass es diene. Soll ich euch dazu eine Geschichte erzählen?“Der letzten Tage seines Lebens waren.Gefährte bejahte und Imam Ali (a.s.) fuhr fort: „Sal- Von seinem Herren und Vorbild, dem Gesandten Got-man und ich waren im Beisein des Gesandten Gottes tes (s.a.s.) hatte er gehört, dass, wenn seine Zeit ge-(s.a.s.). Jemand kam herein, verdrängte Salman von kommen ist, die Toten mit ihm sprechen würden. So batseinem Platz und setzte sich auf diesen. Der Prophet Salman darum, dass man ihn zum Friedhof bringt umwar über dieses Verhalten aufgebracht und sagte zu dem dort Gewissheit über das Herannahen des Endes seinerNeuankömmling: „Oh Du, verdrängst Du denjenigen Lebenszeit zu erlangen. Auf dem Friedhof setzte er sichvon seinem Platz, den Allah in den Himmeln und sein in Richtung Mekkas, redete mit den Toten und begrüß-Gesandter auf Erden liebt. Du hast einen Mann zur Sei- te sie: „Gegrüßt seid ihr, die nun in der Brust der Erdete geschoben, der, wann immer der Engel Gabriel mir ruhen und eure Augen vor der Welt verschlossen habt.erscheint, mir mitteilt, dass ich ihm die Grüße Gottes […] Gegrüßt seid ihr, deren Nahrung der Tod und de-ausrichten soll. Salman ist von mir, jeder der ihn unter- ren Kleidung die Erde geworden ist. Ich bitte euch imdrückt, hat mich unterdrückt und jeder der ihn belästigt, Namen Gottes und im Namen seines Gesandten mit mirhat mich belästigt und jeder der ihn beleidigt, hat mich zu reden. Ich bin es, Salman, der vom Prophet Gottesbeleidigt. […] Täusche Dich nicht über Salman, denn (s.a.s.) befreit wurde und […]. In diesem AugenblickGott hat mir befohlen, ihm das Wissen der Schlafdeu- hörte er die Stimmen der Toten. Er fragte und sie ant-tung und Ereignisdeutung sowie die Rechtsprechung worteten ihm. 16und Ahnenforschung beizubringen.“Der Araber sprach: Jemand, der in den letzten Augenblicken von Salmans„Oh Gesandeter Gottes, ich dachte nicht, dass Salman Leben bei ihm war, berichtete: „Als Salman nach Hau-einen solchen Stellenwert hat. Ich dachte, er wäre nur se zurückkehrte und auf den Tod wartete, sagte ich zuein Zarathustrier, der nun zum Islam konvertiert ist.“Der ihm: „Wer wird sie waschen (Ghusl 17 ) ? “Er antworte-Prophet sagte: „Ich erzähle Dir von seinem Stellenwert te: „Der, der den Propheten (s.a.s.) gewaschen hat.“Ichbei Gott und du nennst Ihn einen Zarathustrier? Nein, antwortete: „Imam Ali (a.) ist doch in Medina und SieSalman war nie ein Zauberer! Er war ein Gläubiger, der sind in Mada‘in Wie kann es sein, dass er sie waschenseinen Glauben verborgen hielt.“Dann sagte der Prophet wird?“Salman sagte: „Dies hat mir der Prophet Gotteszu dem Mann: „Tut das, was ich gebiete und haltet euch (s.a.s.) gesagt“.fern von dem was ich euch verbiete. Nehmt an was ich Der Erzähler dieser Begebenheit sagte: „Als Salmanseuch sage und seit dessen dankbar.“ 14 Geist sich vom Körper löste und er verstarb, bin ich vorIbn-Shahr-Ashub schreibt: „Salman wurde vom zweiten die Tür getreten. So wie Salman es vorausgesagt hatte,Kalifen zum Stadthalter von Mada’in ernannt. Salman sah ich den „Befehlshaber der Gläubigen“[amir-ul-mu-jedoch willigt nicht ein, bis er den Befehlshaber der minien] Imam Ali (a.s.) vor der Tür von seinem PferdGläubigen‘ [amir-ul-muminien] konsultierte und erst absteigen. Imam Ali (a.s.) wandte sich mir zu und sag-mit seiner Zustimmung annahm.“ 15 te: „Ist Salman von uns gegangen?“Ich sagte: “Ja, meinIn den Jahren seiner Regentschaft in Mada’in zeigte Sal- Herr“. Er ging hinein und nahm das Tuch von Salmansman durch sein Verhalten und seine Taten, wie die einfa- Gesicht und sagte zu ihm: „Salman, oh Du Glücklicher.che Lebensart der moslemischen Stadthalter zu sein hat. Wenn Du beim Propheten (s.a.s.) bist, richte ihm meine Grüße aus. “So wusch er Salman, wickelte ihn in ein Leichentuch und verrichtete das Gebet für Verstorbene. Ja, Salman war ein edelmütiger und gottergebener Mensch, der sein Leben lang nach der Wahrheit such-seite 66
AUSGABE NR. 139 te und sie anschließend im Islam und den Botschaften 1 Mit „Ahl-ul-Bait“ (Leute des Hauses) sind der des Gesandten Gottes, dem Propheten Muhammad, Propheten Muhammad (s.), Fatima (s.a.), Ali (a.s.), (s.a.s.) fand. Er war das Ebenbild der Gottergebenheit, Hassan (a.s.), Husayn (a.s.) und die von Imam Husayn ein frommer Kommandant und ein wahrer Freund Imam abstammenden unfehlbaren Imame gemeint. Alis (a.). Er war immer bemüht, die Gerechtigkeit aus- 2 Muhammad Eshtehardi, Das ruhmvolle Leben von zuführen und begab sich hierfür selbst ins Geschehen, Salman dem Perser, S. 38. nahm die Schwierigkeiten und Gefahren auf sich und 3 Der Begriff Sadaqa (Sadaka) wird als finanzielle schreckte keine Sekunde vor diesem Vorhaben zurück. Hilfe andere bezeichnet, für das Wohlgefallen Gottes. An der Seite des Propheten Muhammad (s.a.s.) war er an 4 Imam Ali (a.s.) ist der Cousin des Propheten Mu- allen Fronten im Dienste des Islams mutig und unbeirrt hammad (s.), sein Schwiegersohn, zur Stelle. Und so war es auch, dass man ihn als „Salma- Testamentsvollstrecker, erster Imam der Zwölf Imame ne Muhammadi“, als „Salman, der der von Muhammad und vierter Kalif. abstammt“, bezeichnete. 5 Ahmad Ardestani, Salmen der Perser – der Gouverneur von Madain, S. 70; seite 67 Bahar Al-Anwar, B. 22, S. 355. 6 Die Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina und Beginn des Mondkalenders der islami- schen Zeitrechnung. 7 Als „Helfer“ [ansar] werden die Bewohner Medinas genannt, die Prophet Muhammad (s.) in ihre Stadt eingeladen haben und ihn und diejenigen, die mit ihm ausgewandert sind herzlich aufgenommen und versorgt und unterstützt, sowie selbst dabei den Islam angenommen haben. 8 Als Auswanderer gelten die Gefährten des Propheten Muhammad (s.) die ihn bei der Auswanderung nach Medina begleitet haben bzw. vorangegangen sind oder unmittelbar nachkamen. Die Auswanderer haben mit den Helfern in Medina eine besondere Verbrüderung gefeiert. 9 Tabarsi, Ehtejaj, S. 110; Ibn-Asir, Asad Al-Ghabe, B. 2, S. 269; Aghdi, Maghazi, B. 1, S. 446-447. 10 Al-Ekhtesas, Sheikh Mofid, S. 11 & 22; Bahar Al- Anwar, B. 22, S. 346; Ghamus Al-Rejal, B. 4, S. 429. 11 Muhammad Eshtehardi, Das ruhmvolle Leben von Salman dem Perser, S. 49. 12 Muhammad Eshtehardi, Das ruhmvolle Leben von Salman dem Perser, S. 330. 13 Behjat Al-Amal, B. 4, S. 410. 14 Bahar Al-Anwar, B. 22, S. 346. 15 Tabarsi, Ehtejaj, S. 81. 16 Allame Majlesi, Bahar Al-Anwar, B. 22, S. 372. 17 Die rituelle Vollkörperreinigung des Leichnams eines Verstorbenen.
text vondip. - ing. Muhammad KrügerNachruf auf SchwesterZaynab KhamehiAllzu oft begreifen wir Menschen erst nach dem Ab- darauf verlassen, dass das Gedankengut hohem islami- AL - FADSCHRleben einer wahrhaft großen Persönlichkeit, wen wir schem Reinheitsgehalt entsprach, und dass man nichtwirklich verloren haben, wie groß der tatsächliche Ver- wie bei allen anderen Printmedien zuerst die Spreu vomlust ist. Und während die menschliche Trauer langsam Weizen, die Unwahrheit von Wahrheit trennen musste.nachlässt, wächst noch über einen langen Zeitraum das „Ihre Al-Fadschr“ war frei von Manipulation, sie dienteBewusstsein über den Verlust mit jedem weiteren Tag. freier Geistesentfaltung. Der Lektüre ihrer „Al-Fadschr“Und die größten Persönlichkeiten bleiben unvergessen. konnte man sich entspannt hingeben.Schwester Zaynab Khamehi zählt für mich eindeutig zudiesen Menschen, und es gebührt ihr, nie vergessen zu „Al-Fadschr“ und „Salam Kinder“ waren Schwesterwerden. Zaynabs zentrales Werk. Islamische Zeitschriften, dieSie gehört sogar zu den Personen, bei denen man in genau so viele christliche und sunnitische AbonnentenGefahr gerät, sie zu verklären, je mehr Erinnerungen hatten wie schiitische, vielleicht sogar mehr.man an sie zusammenträgt, je länger man sich über sie Für viele deutsche Konvertierte war „Al-Fadschr“ des-austauscht. Ich habe mich daher bemüht, im Folgenden wegen ein prägender Bestandteil bei der Ausformungsachlich und realistisch zu bleiben. der eigenen muslimischen Persönlichkeit. Und für viele geborene Muslime bot diese „Al-Fadschr“ eine Hilfe zurZusammengefasst gesagt: Der große Verdienst Schwes- Orientierung und zur Standortbestimmung in einer do-ter Zaynabs besteht darin, islamische Kultur und Theo- minierenden nicht-islamischen Umwelt.logie in weiten Bereichen dem deutschen Kulturkreis In das Bücherregal eines jeden deutschen Muslim ge-nahe gebracht zu haben - in schöner, einfühlsamer und hört m.E. ein Satz an „Al-Fadschr“- und „Salam Kin-verständlicher Form. Sie war eine großartige Pionierin der“- Ausgaben. Und wer erst eine gute Anzahl davonund Wegbereiterin des Islam in Deutschland. hinter sich im Regal weiß, der besitzt einen Schatz anNicht weniger als ihre große Schwester, Frau Annema- Wissen, der ihm als Quelle der Bildung, der Informati-rie Schimmel. Nur hatte Schwester Zaynab den Vorteil, on, als Ruhe stiftender Pol zur Verfügung steht.ganz offen als Muslima schreiben und wirken zu dürfen. Schwester Zaynabs eigene Beiträge in „Al-Fadschr“Und als solche hat sie eine erzieherische Aufgabe wahr- bewiesen, dass sie nicht nur einzelne Bereiche, sondernnehmen können. Ganz zart und sacht. gleich die gesamte Bandbreite der islamischen Kultur zuMuslime sollen, nach Anweisung des Propheten, nur be- vermitteln wusste. 1 Was sie verfasste zeugte von hoherstimmte Muslime zu engen Freunden (wali) nehmen, um Kompetenz. Sie schrieb über religiöse Prinzipien, überjeden Einfluss auszuschließen, der sie vom Ziel des Le- islamische Kunst und islamische Kultur genau so sicherbens ablenkt oder abbringt. Damit gewährleistet ist, dass wie über islamische Geschichte.sie sich auf dem Siraat al-Mustaqim, dem geraden Weg Auch ein gänzlich anderes Feld: die Berichterstattungbewegen. Die Werke von Schwester Zaynab gewährleis- der aktuellen politischen Ereignisse wurden von ihrten genau das: Freundschaft, Leitung und Führung. kompetent analysiert und dargestellt. Niemals plakativBei der Lektüre von „Al-Fadschr“ konnte man sich oder agitatorisch sondern ausgewogen und sachlich.seite 68
AUSGABE NR. 139 Besonders hervorzuheben sind ihre Worte zum Thema Die Hervorbringung all dieser Werke war ihr möglich muslimische Identität im deutschen bzw. europäischen durch ihren einzigartigen Bildungshorizont, der sowohl Umfeld. Zaynab Khamehi hatte die gesellschaftlichen klassischen islamischen als auch den klassischen euro- Strömungen wie auch die medialen Auswirkungen der päischen Bildungsidealen entsprach. Schwester Zaynab Islam-Diskussion punktgenau erfasst, und bot auf an- hatte die Fächer Philosophie, Psychologie und Pädago- genehm niveauvolle Weise Antwort, Orientierung und gik studiert. Darüber hinaus natürlich die islamischen Vorbild „Die Toleranzdiskussion täuscht über die Into- Wissenschaften, die sie in einem über zweijährigen Auf- leranz hinweg, die aufgrund irrationaler Einstellungen enthalt im Iran intensiviert hat. Neben ihrer deutschen und für eine Evaluierung unzureichendem Wissen Ak- Muttersprache beherrschte sie fließend die Fremdspra- zeptanz letztendlich versagt. Von Toleranz im Sinne ei- chen Englisch, Französisch, Persisch und Arabisch, wo- ner Anerkennung des Anderen, wie Goethe sie gefordert mit ihr zahllose Quellen zugänglich waren, hat, sind wir heute noch sehr weit entfernt...“ stellt sie in von denen ein Deutscher wie ich hier in Deutschland ab- ihrem Beitrag ‚Wollten Sie selbst Ausländerin werden?‘ geschnitten ist. fest (AF130, S.27). Und fragt gleich darauf: „Müssen Bei der Arbeit im Islamischen Zentrum war sie jeden wir uns also in unserer komplexen aufgeklärten, säkula- Tag unter der Qur’an-Ayah vorbeigegangen, die in risierten von humanistischen Idealen sprechenden Welt arabischen Lettern im Hauptraum des IZH über dem mit Duldung zufrieden geben, und die Entkräftigung Rednerpult steht „Rufe auf den Weg deines Herrn, mit des Ideals der Anerkennung hinnehmen, weil sie aktuell Weisheit und schönem Beispiel“, und genau diese Ayah nicht realisierbar erscheint?“ verwirklichte sie in ihrem Schaffen und in ihrem persön- lichen Verhalten auf das Vorbildlichste. Würde ein Kind einen Nachruf über Schwester Zaynab verfassen, so hätte es über „Salam Kinder“ geschrieben. Es gehört weiter zu den vorbildlichen Merkmalen großer Mir fehlt leider die Perspektive, um dies authentisch zu Persönlichkeiten unter den Anhängern der Ahl-ul-Beit, tun. Was ich weiß, stammt aus Kindermund, bzw. aus dass sie zielstrebig daran arbeiten, ihren Mitmenschen dem Mund derer, die heute erwachsen sind und mit „Sa- nützlich zu sein. Uneigennützig und ohne jede Erwar- lam“ im Kindesalter aufgewachsen sind. Ausnahmslos tung einer Gegenleistung. Zaynab Khamehi hat dieses alle haben „Salam“ als positiv prägend beschrieben, als Ideal wahrhaft gelebt. Stütze und als wichtigen Baustein ihrer heutigen musli- mischen Identität. Nachdem ihre Mutter schwer erkrankt war, kümmerte Wer Schwester Zaynabs Beiträge kennt, der spürt, dass sich die gute Tochter aufopferungsvoll um sie, und zog man sich ihnen immer anvertrauen und ihrer Leitung zeitweilig vom Arbeitsplatz in Hamburg in ihre Nähe. hingeben kann. Muslim oder Nichtmuslim. Diese geisti- Auf einer dieser Fahrten prallte Zaynabs Auto gegen ei- ge islamische Bildung, die feine erzieherische Leistung, nen Baum, wobei sie tödlich verunglückte. Mir ist es un- das ist das Einzigartige an „Al-Fadschr“ und „Salam“. begreiflich, wie der Wagen einer so disziplinierten, be- Das ist der unwiederbringliche Charakter ihres Schaf- herrschten und dabei lebensfreudigen und weisen Frau fens, den ich bisher in keinem anderen deutschsprachi- von der Straße abkommen konnte, ohne Anzeichen einer gen islamischen Medium wiedergefunden habe. Bremsung. Umso trauriger ist die Tatsache, dass Zaynabs Grab an Zu ihren zahlreichen anderen Werken gehört das Buch einem weit entfernten, unbekannten Ort liegt, weit weg „Die 99 Namen Gottes“, in dem sie die 99 schönsten von Hamburg, so dass all die vielen Menschen, die sie Namen Allahs aus islamischen, aber auch christlichen schätzten und liebten, sie nicht an Ihrem Grab besuchen und jüdischen Quellen reflektiert. Oder die Herausga- und dort Gebete verlesen können. Sie ist dort allein. Wie be der 21 verständlichen, kompakten Werke der Islami- es viele wahre Anhänger der Ahl-ul-Beit im Leben oder schen Bibliothek. im Tod waren. seite 69
Ich trauere mit Schwester Zaynab, dass es ihr selber AL - FADSCHRversagt war, eigene Kinder zur Welt zu bringen und zuerziehen. Doch ich danke ihr umso mehr dafür, dass sie Buchtippall ihre Liebe in die Erziehung einer ganzen Generati- „Die 99 Namen Gottes Zeugnisseon junger muslimischer Kinder gab: hauptsächlich in- aus Judentum, Christentum und Islam“.dem sie „Salam Kinder“ schuf. Diese Ausgaben sind bis Zweifarbige, mit arabischen Kalligrafien.heute Klassiker. Evergreens des deutschen Islam. Alleexistierenden Ausgaben von „Salam“ sollen demnächst Lesebändchen.zusammengestellt und als mehrbändige Buchausgabe Januar 2008 - gebunden - 168 Seitenherausgegeben werden. Als Handbuch und Grundlageder Erziehung weiterer Generationen. Herausgegeben von Zaynab KhamehiZaynab war auch eine vorbildliche Hausfrau oder „Fa- Patmos-Verlagmilienmanagerin“ wie man heute sagt. Die Herrin einesgeschmackvoll eingerichteten und reinlichen Heimes: ISBN: 3491713188Einmal waren wir im Fastenmonat bei ihr und ihrem EAN: 9783491713185Mann zum Iftar eingeladen, und sie hat ein persischesEssen auf den Tisch gezaubert, das viele iranische Frau- Libri: 7011890en so perfekt nicht zubereitet hätten.Was mich aber noch weitaus mehr fasziniert hat und wasmir bis heute genau in Erinnerung geblieben ist, das wardie völlige Aufmerksamkeit und Zugewandtheit, mitder sie mit unseren Söhnen sprach. Beide waren damalsnoch im Grundschulalter, und Zaynab hatte die beidenzuvor niemals zusammen gesehen.Während des Tischgesprächs noch sprach sie mit leiserStimme und gesenktem Blick, so wie sie alle Männerkennen, die sich je mit ihr unterhalten haben. Als sie abermit unseren Kindern sprach, da erfuhr ihr Ausdruck einevöllige Wandlung: sie war absolut auf die beiden fokus-siert, die Welt um sie herum schien praktisch vergessen,ihre Augen strahlten und ihr Gesicht leuchtete. Ich binmir dessen erst sehr viel später bewusst geworden, undauch dessen, dass ich selber meinen Kinder nicht oft ge-nug mit einer solchen Liebe ins Gesicht geschaut habe.Danach hat sie uns -den Blick wieder gesenkt- mit sanf-tem Lächeln einige Hinweise für die weitere Erziehungauf den Weg gegeben.Diese Frau war die Mutter von „Al-Fadschr“ und „Sa-lam Kinder“.seite 70
TEXT von S. SADEGHIAUSGABE NR. 139 AuSSergewöhnliche Frauen im Islam Außergewöhnliche Frauen im Islam tur, Gesellschaft, Politik und vor allem in der Erziehung der nächsten Generationen eine bedeutende Stellung Als die erleuchtende islamische Religion allen musli- ein und strahlten im Laufe der Geschichte zu Recht wie mischen Männern und Frauen das Streben nach Wissen Sterne am Himmel des Wissens und der Erkenntnis und als religiöse Pflicht vorschrieb und die rationalen Leh- verewigten sich darin. Wie die Männer auch, erbten sie ren der Offenbarung und die Worte des hl. Propheten das Gewand der Wissenschaft vom hl. Propheten (s.a.s.) (s.a.s.) über den Erwerb göttlicher Kenntnisse und deren und verdienten sich den Titel „Erben des hl. Propheten Vermittlung an andere dem islamischen Volk dargelegt (s.a.s.)“.1 Sie sollten in der Initiierung späterer, wissen- wurden, unternahmen Frauen wie Männer große Schrit- schaftlicher Ströme in der islamischen Geschichte eine te um sich göttliches Wissen anzueignen und diese einzigartige Rolle spielen. Kenntnisse auch zu verstehen. Sie hinterließen Werke, Die weisen und gebildeten Frauen verschwendeten kei- die ewig leben sollten und erschlossen bis dahin un- nen Moment ihres Lebens und verbrachten all ihre Zeit entdeckte Gebiete des Wissens und der Erkenntnis. All mit dem Erwerb von Wissen und mit der Rechtleitung dieses Wissen war im Qur’an und in der Tradition ver- anderer. Manche dieser Frauen hatten dabei eine direkte borgen, durch ihre Bemühungen extrahierten sie dieses Verbindung zu den Quellen der Unfehlbaren und andere Wissen jedoch und gaben es an die Gesellschaft weiter. wandten sich dafür an den Qur’an und an die Tradition Frauen nahmen auf den Gebieten der Wissenschaft, Kul- und erklommen damit die höchsten Ränge. Jede einzel- seite 71
ne dieser gebildeten Frauen zu nen- Haus, in dem Du nie Leid und Kum- (s.a.) der Grund deren Offenbarung, AL - FADSCHRnen würde den Rahmen dieses Arti- mer erleben wirst.“ wie z.B. Al-Ahzab, Verse 33 undkels sprengen, wir werden uns aber Al-Hashr, Verse 9, während anderemit einigen dieser Persönlichkeiten Die schönen und bedeutungsvol- Verse offenbart wurden, um sie zubefassen, die großteils Zeitgenossin- len Gedichte, die sie für den hl. beschreiben, wie z.B.: Al-Isra, Ver-nen des hl. Propheten (s.a.s.) waren Propheten (s.a.s.) dichtete, zeugten se 26 und Ash-Shura, Verse 23. Dieund eine wichtige Rolle im Ausbau von ihrem Wissen, ihrer Belesen- Verse der Sure Al-Kauthar wurdender islamischen Religion spielten. heit, Bildung und ihrer Liebe für den offenbart, um die Schadenfreude der Edelmutigen. Dahbi sagt: „Die Vor- Feinde des hl. Propheten (s.a.s.) zuKhadija (s.a.), die Tochter von Khu- züge und Tugenden Khadijas sind beantworten, als seine Söhne star-wailid und sehr viele, sie war eine weise und ben. Asim Ibn Wael sagte, dass diedie Ehefrau des hl. Propheten edle Frau und sie verpflichtete sich Nachkommenschaft des hl. Pro-(s.a.s.) zur Religion. Sie war rein und groß- pheten (s.a.s.) nun ausgestorben sei zügig und gehört zu den Bewohnern und dass er nichts mehr hinterlas-Khadija, die Tochter von Khuwailid des Paradieses.“ sen werde. Darauf wurde folgenderwar eine tugendhafte und edelmuti- Vers offenbar: „Wahrlich, der dichge Frau. Sie war die erste Muslima, Zahra (s.a.), die Tochter des hl. hasst, ist es, der (vom Segen derunterstützte ihren Gatten, den hl. Propheten (s.a.s.) Nachkommenschaft) abgeschnittenPropheten (s.a.s.) unermüdlich und ist.“ (Quraysh, 3), was bedeutenstand stets hinter ihm. Sie verbrach- Fatima (s.a.) wurde 5 Jahre nach soll, dass nämlich Ibn Wael selbstte ihr Leben und gab ihren Besitz für der Berufung des hl. Propheten derjenige ist, der keine Nachkom-die Religion und den Qur’an aus und (s.a.s.) in Mekka geboren. Zahlrei- menschaft haben wird. 3 Kautharbegleitete den hl. Propheten (s.a.s.) chen Überlieferungen nach, die laut ist der reiche Segen, von dem der hl.in allen Phasen seiner schwierigen den Gelehrten als authentisch gel- Prophet (s.a.s.) sprach, als Imam AliBerufung. Muhammad Ibn Ishaq ten, galt sie als Teil des hl. Prophe- (a.s.) und Fatima (s.a.) heirateten.schreibt über sie: „Khadija war unter ten (s.a.s.) und als die höchste aller Fakhr Radhi sagt: „Diese Sure be-den Frauen die erste, die an Gott und Frauen beider Welten. Sie ist darin deutet, dass Gott dem hl. Prophe-an den Propheten glaubte und dem ausschlaggebend, ob man sich den ten (s.a.s.) eine Nachkommenschaftzustimmte, was dem hl. Propheten Zorn Gottes oder seine Zufrieden- gegeben hat, die durch die Epochen(s.a.s.) von Gott offenbart wurde. heit einhandelt. Der hl. Prophet (s.a.) leben wird. Über den besagten VersSie unterstützte den hl. Propheten selbst sagt: „O Fatima, Dein Zorn er- schreibt er: „Kauthar hat 80 Bedeu-(s.a.s.) in der Erfüllung seines Auf- zürnt Gott zweifelsohne, und Deine tungen, und jede einzelne von Ihnentrag, sie war es, die Gott erwählt hat- Zufriedenheit stellt ihn zufrieden.“ hat mit Fatima (s.a.) zu tun.“ 4te, um den schwierigen Pfad des hl. Soheili sagt, nachdem er die Über-Propheten (s.a.s.) für ihn zu erleich- lieferung „Fatima ist ein Teil von Fatima, die Tochter von Assadtern.“ Der hl. Prophet (s.a.s.) selbst mir“ zitiert: „Ich kann niemandensagt: „Bei Gott, mir wurde nichts einem Teil des hl. Propheten (s.a.s.) Fatima, die Tochter von Assad Ibnbesseres gegeben als Khadija. Sie gleichsetzen.“ 2 Haschim Ibn Abd Manaf Hashe-nahm meinen Glauben an, während Den Quellen der Exegese und Über- mi Ghuraishi, ist die Mutter Imamdie anderen Menschen mich ablehn- lieferung nach handelt es sich in 135 Alis (a.s.), eine Frau wie Khadija,ten. Sie bestätigte, was ich sagte, Versen in 49 Suren des hl. Qur’ans die Tochter von Khuwailid und einewährend andere es abstritten. Und auf eine Art um Fatima Zahra (s.) Frau wie Amina, die Tochter vonals mich die Menschen beraubten, und die beiden Suren 76 (Al-Insan) Wahab. Sie war, bevor der Islam er-gab sie mir von ihrem Besitz.“ und 108 (Al-Kauthar) sind gänzlich schien und sie den Treueeid beimDer hl. Prophet (s.a.s) sagte ihr öf- für Fatima (s.a.) offenbart worden. Propheten ablegte, eine Anhängerinters: „Im Paradies besitzt Du ein In manchen dieser Verse ist Fatima der Hanifen Abrahams (a.s.) und be-seite 72
AUSGABE NR. 139 schmutzte sich auch vor dem Islam niemals mit Götzen- (s.a.) sie für die Formulierung ihrer Fragen lobte. Als dienerei. Fatima, die Tochter von Assad gilt aus der Sicht sie beim hl. Propheten (s.a.s.) als Vertreterin der Frauen mancher Wissenschaftler und Historiker als Tradent von Medinas eine Frage über die Rechte der Frauen stellte, Überlieferungen des hl. Propheten (s.a.s.). Sie schrei- wandte sich der hl. Prophet (s.a.s.) an seine anwesenden ben, dass diese edelmutige Frau 46 Überlieferungen des Gefährten und sprach: „Habt ihr jemals schönere Worte hl. Propheten (s.a.s.) weitergegeben hat. Ihr Wissen, ihre als diese gehört, habt ihr je gesehen, dass eine Frau auf Kompetenz und ihr Verhalten waren so außergewöhn- diese Art ihre religiösen Fragen aufwirft?“ Sie antworte- lich, dass der hl. Prophet (s.a.s.) sie öfter besuchte, sich ten: „So ist es, sie hat wahrlich sehr schön gesprochen.“ dort ausruhte und ihr stets viel Respekt zeigte. Der En- gel Gabriel berichtet, dass Fatima eine Bewohnerin des Asma, die Tochter von Amis Ibn Saad Paradieses ist. Sie ist die einzige Frau, die ihren Sohn in Ibn Teym Ibn Harith der Ka’ba auf die Welt gebracht hat und Allameh Abdul- hossein Amini nennt im Buch Alghadier über 16 Bücher, Asma, die Tochter von Amis gehört zu den Frauen, die die als anerkannte sunnitische Quellen gelten und vieles ganz am Anfang dem hl. Propheten (s.a.s.) Glauben über die Geburt Imam Alis (a.s.) in der Ka’ba berichten. schenkten und ihm folgten. Sie hatte die Religion und Sie war die erste Frau, die dem hl. Propheten (s.a.s.) zu ihre Lehren so gut verstanden und erlernt, dass man Fuß von Mekka nach Medina folgte. Als der hl. Prophet über sie schreibt: „Asma hat vom hl. Propheten (s.a.s.) (s.a.s.) von ihrem Tod hörte, sagte er: „Auch ich habe 60 Überlieferungen übertragen, unter anderem die be- heute meine Mutter verloren.“ Er ordnete an, dass man kannte Überlieferung über die Stellung der Sonne, wel- ihren Leichnam wäscht und gab ein Hemd von sich, da- che mehrfach überliefert worden ist.“ Asma, die in ihrer mit man es als Totentuch benützt. Er legte sich ins Grab, ersten Ehe mit Jafar Ibn Abitaleb verheiratet war, über- das man für sie gegraben hatte und als er sah, wie sich siedelte auf die Anweisung des hl. Propheten (s.a.s.) zu- die Menschen über seine Betroffenheit wunderten, sagte sammen mit ihrem Ehemann nach Äthiopien und brach- er: „Wahrlich Fatima war meine Mutter, denn sie ließ te drei Söhne auf die Welt, die sie jeweils Muhammad, ihre Kinder hungern, um mich zu ernähren, sie ließ sie Abdullah und Aun nannte. Sie kehrte später nach Me- schmutzig um mich zu waschen, ja sie war wahrlich dina zurück und heiratete, nachdem ihr Mann Jafar in meine Mutter!“ der Schlacht von Mauta gefallen war, Abu Bakr. Auch aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, den sie Muhammad Asma, die Tochter von Yasid Ibn Saken Ansari nannte und der später zum Stolz der Muslime und von Imam Ali (a.s.) als Sachwalter von Ägypten erwählt Asma5 war eine Einwohnerin Medinas, sie kam zu- wurde. Seit ihrer Rückkehr von Äthiopien nach Medi- sammen mit einer Gruppe von Frauen zum hl. Prophe- na war sie für Fatima (s.a.), der Tochter des hl. Prophe- ten (s.a.s.) und legte bei ihm den Treueeid ab. Sie wird ten (s.a.s.), wie eine liebevolle Mutter, so dass Fatima als „Sprecherin der Frauen“ und als eine sehr gläubige (s.a.) ihren letzten Willen an sie übertrug. Asma ließ auf und weise Frau beschrieben und gelobt. Immer wenn Anweisung Fatimas (s.a.) einen Sarg bauen, damit der die Frauen Medinas eine wichtige Angelegenheit klä- Körper Fatimas (s.a.) bei der Beerdigung nicht gesehen ren wollten, ließen sie Asma für sich sprechen und sich werden konnte. Das ganze Leben Asmas bestand aus von ihr beim hl. Propheten (s.a.s.) vertreten und ließen Anstrengungen, Mühen und Opfern für die islamische über sie die Meinung des hl. Propheten (s.a.s.) für sich Gemeinschaft und bis zuletzt engagierte sie sich in kul- einholen. Die Tradenten und Historiker erkennen Asma tureller, sozialer und auch religiöser Hinsicht. als glaubwürdige Tradentin der Sunna des hl. Prophe- ten (s.a.s.) und als eine seiner vertrauenswürdigen Ge- Umm Aiman Baraka fährten an. Sie war eine gebildete Frau, die die gesell- schaftlichen Probleme ihrer Zeit und die Probleme auf Baraka (Umm Aiman war ihr Beiname) ist die Tochter geistiger Ebene kannte und ihre religiösen Fragen so von Su’bala Ibn Amr Ibn Hassan Ibn Malik. Sie war vernünftig und schön präsentierte, dass der hl. Prophet seite 73
ursprünglich ein Dienstmädchen Zaynab (s.), die Tochter von Imam Nafisa Khatoun AL - FADSCHRAminas, der Mutter des hl. Prophe- Ali (a.s.)ten (s.a.s.) bzw. seines Vaters Abdul- Nafisa Khatoun war die Tochter vonmutallib, und arbeitete dann auch für Zaynab Kubra, die Weise der Ha- Hassan Ibn Zeid Ibn Hassan Ibn Ab-den hl. Propheten (s.a.s.). Sie wurde schemiten, eine Wissenschaftlerin italeb und war eine großartige undzu seiner Amme und pflegte ihn als ohne Lehrer und eine Denkerin ohne sehr angesehene Frau. Sie kam imKind. Der hl. Prophet (s.a.s) sagte Meister, war die Tochter von Imam Jahre 145 nach der Hedschra in Me-oft: „Nach Amina, ist Umm Aiman Ali (a.s.) und Fatima Zahra (s.) und dina auf die Welt. Ihr Vater, Hassanmeine Mutter.“ Sie war eine bei- die Ehefrau von Abdullah Jafar. Sie Ibn Zaid, auch bekannt als Hassanspielhafte und besondere Frau in der gilt als tugendhafte Frau und als Tra- Anwar ist ein anerkannter TradentGeschichte des Islams und gehörte dentin von Überlieferungen ihrer und Persönlichkeiten wie Malikzu den opferbereiten Gefährten des Mutter, Fatima Zahra (s.a.), und von Ibn Anas, Muhammad Ibn Ishagh,hl. Propheten (s.a.s.). Diese kämpfe- Asma Bint Amiss. Muhammad Ibn Ibn Yasar und Muhammad Ibn Abirische und tugendhafte Frau beteilig- Amr, Ata Ibn Saeb, Djaber Ibn Ab- Dhaib haben von ihm Überlieferun-te sich an den Schlachten von Uhud, dullah Ansari, Ibad Amedi und Fati- gen übernommen. Nafisa wuchs inHunein und Khaibar. In der Schlacht ma, die Tochter Imam Husayn (a.s.) Medina als fromme Gottesdienerinvon Uhud brachte sie den Soldaten haben Überlieferungen von Zaynab auf. Sie fastete tagsüber und dieWasser und versorgte die Verletzten. (s.a.) überliefert. Da sie ihr ganzes, Nächte verbrachte sie mit GebetenDer Rang dieser reinen Frau ist aus 57Jahre langes Leben mit ihrem und Gottesdienst. Sie unternahm dieder Sicht des hl. Propheten (s.a.s.) Bruder Imam Husayn (a.s.) in Me- Pilgerfahrt 35 Mal und in den meis-so hoch, dass er ihr all das, was ihm dina, in Kufa und in den Reisen der ten Fällen unternahm sie die Reisendie Menschen anvertraut hatten, gab Jahre 60 und 61 nach der Hedschra zu Fuß. Zaynab, ihre Nichte, sagt:als er nach Medina übersiedelte. Er nach Mekka und Irak verbrachte, „Ich diente 40 Jahre lang meinergab Imam Ali (a.s.) die Anweisung, hat sie viele Ansprachen und Über- Tante, Nafisa Khatoun und habe niedas anvertraute Gut bei Umm Aiman lieferungen direkt von ihrem Bruder gesehen, dass sie nachts schläft oderabzuholen und es seinen Besitzern übernommen und weitergegeben. den Tag nicht fastet. Jede Nacht ver-zurückzugeben. Umm Aiman lebte Sie besaß nicht nur den wissen- brachte sie mit Gottesdiensten. Einstetwa achtzig Jahre und brach wäh- schaftlichen und spirituellen Rang sagte ich: Tante, wieso schonst Durenddessen niemals den Kontakt eines Tradenten, sie war auch selbst Dich nicht? Sie sagte: Wie soll ichzum hl. Propheten (s.a.s.) und seiner sehr eloquent und eine außeror- mich schonen, wenn vor mir StellenFamilie ab. Im Laufe dieser Jah- dentlich versierte Poetin.6 Ihr Wis- liegen, die nur von Tugendhaftenre hatte sie viel gelernt, als der hl. sen und ihre Kenntnisse über den überquert werden können? Es wirdProphet (s.a.) sie besuchte und mit Qur’an waren so fundiert, dass sie auch erzählt, dass Nafisa Khatounihr sprach. Sie hatte lehrreiche Si- während des Kalifats von Imam Ali ihr eigenes Grab gegraben hatte, sichtuationen und Ereignisse erlebt, und (a.s.) auf Wunsch der Frauen Kufas oft darin aufhielt und den Qur’an re-eine wichtige Rolle in der Verbrei- und mit Einverständnis ihres Vaters zitierte. Insgesamt hat sie in diesemtung der Religion und der Worte des den Frauen Exegese unterrichtete Grab 2000 Mal den Qur’an gelesen.hl. Propheten (s.a.s.) gespielt, und und als Lehrerin der Frauen und Ex- Dies wirkte sich tiefgreifend auf ihrhat auch vieles vom hl. Propheten egetin islamischer Lehren galt. Aus Wissen und ihre Weisheit aus und(s.a.s.) überliefert. Diese Frau des der Sicht von Wissenschaftlern und verlieh ihr die Fähigkeit, zwischenParadieses starb etwa 5 oder 6 Mo- anerkannten Überlieferern galt die- der Wahrheit und Falschem zu un-nate nach dem Tod des hl. Propheten se reine und tugendhafte Frau als terscheiden. Die Wissenschaftler,(s.a.s.) in Medina. gerecht und als vertrauenswürdige Gnostiker und Gelehrten gingen zu Überlieferin. Ihre Aufrichtigkeit und ihr, um von ihrer Quelle des Wissens ihr scharfer Verstand werden von zu lernen. Sie war eine versierte Tra- Wissenschaftlern islamischer Tradi- dentin und es gibt prominente Tra- tion anerkannt.7 denten, die von ihr überliefert haben.seite 74
AUSGABE NR. 139 Im Buch Al-A’lam werden ihr Eigenschaften und Titel wie die Fromme, die Gottesfürchtige, die Weise inter- pretierende und überliefernde zugeschrieben. Abu Nasr Bukhari sagt, dass der Rang dieser Frau so hoch ist, dass die Ägypter, um ihre Schwüre zu bestärken, bei ihrem Namen schworen. Es wird erwähnt dass sie am 25. Ra- madan 193 nach Ägypten reiste und dort äußerst respekt- voll von den Menschen empfangen wurde. Zunächst ließ sie sich in einem Haus nieder, in dessen Nachbarschaft ein jüdisches Mädchen lebte, das eine Lähmung erlitten hatte. Sie suchte den Segen in dem Wasser, mit dem Na- fisa Khatoun sich rituell wusch und wurde sofort geheilt. Dies hat viele Juden dazu gebracht, sich zum Islam zu bekennen. Die Einwohner Ägyptens besuchten sie oft und ihnen wurde davon viel Segen zuteil. Muhammad Ibn Idris Schafe’i, der Anführer der Schafe’i Denkschule bereiste Ägypten einst im Rahmen eines wissenschaft- lichen Auftrags. Er machte einen Aufenthalt im Hause dieser Frau und lernte bei ihr Überlieferungen. Immer wenn Schafe’i krank wurde, schickte er einen Diener zu dieser respektablen Frau und ließ um ihr Gebet bitten. Er wurde gesund, noch bevor der Diener bei ihm ange- kommen war. Man sagt, dass sich nach dem Tode von Nafisa eine gro- ße Menschenmenge aus verschiedenen Städten und Dör- fern versammelte und dass man es aus jedem Haus wei- nen hören konnte, während die Menschenmenge betete. Auf das Drängen der Einwohner von Ägypten wurde sie in dem Grab, das sie selbst angefertigt hatte, begraben.8 1 “Wissenschaftler sind die Erben des Propheten“. 2 Abdurrahman Ibn abulhassan assuhaili, alraudh ul anf, Bd. 1, S. 279 3 Djalal ed din Soyouti, Al-Soghur Al-Basima, S. 34 4 Tafsire Fakhre Razi, Bd. 32, S. 124 5 Sie hatte den Beinamen Umme Salame 6 Ardestani, Ahmade Sadeghi; Die weisen islamischen Frauen, Bd. 2, S. 92 u. A’lam Al-Nisa Al-Mu’minat, S. 392 7 Riahain Al-Sharia, Bd. 3, S. 359 u. A’lam Al-Nisa Al-Mu’minat, S. 499 8 Siehe auch “Al durra al-nafisa fi tarjumah seyyeda nafisa“ seite 75
MUSLIMISCHE NACHRICHTEN AUS EUROPA eInheIt BeDeutet nIcht VereInheItlIchungVeranstaltung Der tagung Der Denkschulen„leBensweIse Des ProPheten unD DIeauFgaBe Der relIgIÖsen gelehrten“In DeutschlanDDie Tagung „Die Lebensart des heiligen Propheten und die Ver- In Fortsetzung der Tagung hat Ayatollah AL - FADSCHRantwortung der Gelehrten“ fand am 26. Februar 2011 in Anwesen- Taskhiri, Generalsekretär des Weltforumsheit von mehr als hundert Gelehrten und religiösen Denkern mit für die Annäherung der Islamischen Denk-iranischer, deutscher, türkischer, afghanischer und arabischer Na- schulen, indem er die Notwendigkeit dertionalität statt. Zu Beginn dieser Tagung hat der geehrte Ayatol- Einheit und Solidarität unter den Musli-lah Ramezani, Gebetsimam und Leiter des Islamischen Zentrums men hervorhob, erklärt: „Mit Einheit derHamburg die Gäste willkommen geheißen und die verstärkte Ei- Muslime ist nicht die Vereinheitlichungnigkeit der islamischen Gelehrten und mehr Austausch und Ver- der verschiedenen Islamischen Denk-ständigung zwischen den Islamischen Schulen als das wichtigste schulen gemeint, sondern die IslamischeZiel dieser Tagung bezeichnet. Er fügte hinzu: „Eines der Ergeb- Einheit bedeutet, dass die Muslime an-nisse solcher Sitzungen ist die Feststellung der Notwendigkeiten gesichts der ausgesprochen zahlreichenund Arbeitsprioritäten für die richtige Vorstellung des Islams im Gemeinsamkeiten, die es zwischen den is-Westen. Wir müssen einander über neue Methoden der Öffent- lamischen Schulen gibt, die freundschaft-lichkeitsarbeit informieren und mit mehr Einstimmigkeit und Ein- liche und brüderliche Beziehung unter sichmütigkeit, der heutigen Welt den Islam als bestes Leitbild für das stärken und unter Wahrung ihrer religiösenLeben empfehlen.“ Meinungen in einer einheitlichen Front ge- genüber den Feinden des Islams stehen.“Ayatollah Ramezani unterbreitete den Vorschlag, ein Forum fürdie Annäherung der Denkschulen in Deutschland und Europa zu Ayatollah Taskhiri wies ebenso darauf-gründen. Er zählte außerdem die angemessene Berücksichtigung hin, dass heute auch der Vatikan um dievon Zeit und Ort zu den wichtigsten Aufgaben eines religiösen Annäherung der christlichen Glaubens-Verkünders und hat dazu gesagt: „Die geistige und spirituelle gruppen bemüht ist, und sagte weiter, dieLenkung der Gesellschaft, die deutliche Darlegung der religiösen praktische Methode zur Annäherung derKenntnisse und Lehren, die Klärung neu aufgetretener Zweifels- Glaubensrichtungen sei das Erkennen derfälle und die standhafte Verteidigung gegenüber dem, was der Gemeinsamkeiten unter den verschiede-Islamischen Welt vorgeworfen wird, ist Aufgabe der Religions- nen Islamischen Schulen, Erweiterunggelehrten. Heute ist es die Pflicht der islamischen Gelehrten und dieser Gemeinsamkeiten und letztendlichDenker, die Rationalität, Umfassendheit, Ausgewogenheit und Entscheidungen aufgrund dieser gemein-Spiritualität des Islams vorzustellen.“ samen Punkte der Denkschulen.seite 76
3000 moscheen unD wIr genIessen wIr tragen gegenÜBer IslamIsche Zentren keIne BÜrgerrechte allen menschen In DeutschlanD tätIg VerantwortungAUSGABE NR. 139 Ibrahim Il Zayat, (bis 2010) Präsident der Yakub Tufan, der Vizechef des Deutschen Scheich Adnan Ibrahim, Islamischer Den- Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Muslimrates, wies auf die politisch-gesell- ker und Gemeinschaftsimam der Schura- sagte in einer Rede auf dieser Tagung, seit schaftliche Situation der Muslime in die- Moschee in Österreich, verwies auf die 50 Jahren habe sich die Gegenwart des Is- sem Land hin und sagte: „Wir zahlen hier- Aufgaben der islamischen Gelehrten, lams in Europa und besonders in Deutsch- zulande Steuern und beachten alle Gesetze insbesondere in den europäischen Län- land von Tag zu Tag verstärkt und sei im- in Deutschland, aber wir können nicht in dern und sagte, zweifelsohne seien die mer mehr hervorgetreten. Er sagte: „Im den vollständigen Genuss der Bürgerrech- islamischen Gelehrten gegenüber allen Jahre 1960 betrug die Anzahl der Muslime te kommen.“ Yakub Tufan fügte hinzu: Menschen auf der Erde verantwortlich und in Deutschland 5000, während heute mehr „Obwohl mehr als 5 Millionen Muslime sie sollten nicht denken, dass ihre Verant- als 5 Millionen Muslime in Deutschland in Deutschland leben, ist der Islam immer wortung auf ihre Stadt und ihre Region leben, das bedeutet 6 Prozent der deut- noch nicht als offizielle Religion anerkannt begrenzt wäre. Er zählte die Gottesfürch- schen Bevölkerung. Ebenso betrug die worden und wir sind als religiöse Minder- tigkeit, Gerechtigkeit, Liebe und Hilfe- Zahl der Moscheen in Deutschland damals heit nicht im deutschen Parlament vertre- leistung an die Geschwächten und Unter- nur 10, aber heute sind ungefähr 3000 Mo- ten! Wir fordern unser legales Recht im drückten als Zeichen der Barmherzigkeit scheen und Islamische Zentren in Deutsch- Rahmen des Grundgesetzes. Der Vizeprä- auf und fügte hinzu: „Wenn wir der Essenz land tätig.“ sident des Deutschen Muslimrates bekräf- der Religion Aufmerksamkeit schenken, tigte in Fortsetzung seiner Ansprache eine sehen wir, dass die Ethik und Spiritualität Zunahme der Solidarität der Muslime in die wichtigsten Stützen der Religion bil- Deutschland. Er schlug gemeinsame Sit- den, weil die Religion nicht allein durch zungen zwischen den Islamischen Denk- Philosophie und Argumentation Verbrei- schulen zu verschiedenen Anlässen vor tung findet.“ und forderte eine verstärkte Beachtung des Gemeinschaftsgebets insbesondere der Freitagsgebete durch die Muslime. seite 77
wIr sInD stolZ erstes treFFen Der muslImIschen FrauenauF unser muslImseIn In DeutschlanD unter Dem motto „DIe rolle muslImIscher Frauen Im ausBau relIgIÖsen Denkens“Als nächster sprach Dr. Mostafa Yoldas, Die erste Zusammenkunft der muslimischen Frauen in Deutschland unter dem Motto AL - FADSCHRder Leiter des Muslimrates Hamburg. Er „Die Rolle muslimischer Frauen im Ausbau religiösen Denkens“ fand am Sonntag, demverwies in seiner Rede darauf, dass der 29. Mai 2011 in Anwesenheit einer großen Zahl von aktiven muslimischen SchwesternProphet des Islams (s.a.s.) die Wissen- und Vertretern islamischer Zentren verschiedener deutscher Städte im Islamischen Zen-schaft und das Wissen als noch wertvoller trum Hamburg statt.als das Blut des Märtyrers eingestuft und Zu dieser eintägigen Zusammenkunft gehörte ein vielfältiges Programm, unter anderemdie Gelehrten als seine Nachlassempfän- Vorträge, eine Frage-und-Antwort-Runde und Analysen und Untersuchungen von Anlie-ger vorgestellt hat. Er sagte weiter: „Der gen, welche die muslimischen Frauen in Deutschland betreffen, religiöser ChorgesangProphet hat nicht die Reichen oder die durch Glaubensschwestern und Besuch der Frauen-Kultur- und Kunstausstellung. AufMachtbesitzer sondern die Träger von dieser Tagung habenWissenschaft und Wissen seine Erben ge- die Verantwortlichen der Frauenabteilung der Moscheen und Islamischen Zentren innannt. Deswegen sind wir nun nach 1400 Deutschland über die Aktivitäten muslimischer Frauen in verschiedenen Teilen Deutsch-Jahren, dank der prophetenhaften Bemü- lands Bericht erstattet.hungen der Gelehrten, Muslime und sind Hierzu hat Frau Sadeqi, die Tagungssekretärin und Verantwortliche der Frauenabteilungstolz auf unser Muslimsein.“ des Islamischen Zentrums Hamburg, die Gäste willkommen geheißen und auf die Haupt-An einer anderen Stelle seiner Rede bekräf- rollen der Frau (Mutter und Ehefrau) im Haus und der Familie und deren Wichtigkeit beitigte er die Notwendigkeit, dass die Wis- der Lebensführung und dem kulturellen Aufbau der Gesellschaftsenschaft und Gelehrten getrennt und frei hingewiesen. Sie sagte weiter: „Einer der wichtigsten Schäden, welche die Kultur dervon politischem Druck und Meinungsbe- Islamischen Nationen und Gesellschaften bedrohen, ist die Darstellung der Rolle dereinflussung durch die Machthaber bleiben Mutter und Ehefrau als unbedeutend. Deswegen darf die gesellschaftliche Teilnahme dermüssen, und sagte dazu: „Leider machen Frauen nicht zur Schwächung dieser Hauptrollen oder deren Vernichtung führen.“manchmal die Politiker und Machtinhaber Als Ziel der Tagung des Treffens muslimischer Frauen in Deutschland nannte sie dievon den Gelehrten und Denkern für ihre Bekanntschaft der aktiven Muslimgruppen untereinander, die Herstellung effektiver Zu-politischen Ziele Gebrauch und richten die sammenarbeit auf allen Ebenen und in großem Umfange, Untersuchung und ErkennenWissenschaft nach ihren politischen Zielen aller Möglichkeiten und vorhandenen Probleme hinsichtlich der Aktivitäten der muslimi-aus. Heute ist es Aufgabe der islamischen schen Frauen und die Stärkung ihrer islamischen Identität.Gelehrten, sich von der Politik und den po-litischen Gruppen zu trennen und sich nur Anschließend hat Ayatollah Dr. Ramezani, der Gebetsimam und Leiter des Islamischenum Gottes Zufriedenheit zu bemühen.“ Zentrums Hamburg, seine Freude über das Zustandekommen dieser Tagung zum Aus- druck gebracht und mit Hinweis auf die Aufgabe der Frauen in Bezug auf das religiöseseite 78
AUSGABE NR. 139 Denken, die Rolle der Frauen aus der Sicht des Qur`an s beschrie- Das geIstIg-sPIrItuelle rItual ben. Er sagte: „Es ist allen klar, dass die Ära des Propheten die Des ItIkaF (klausur) Im IslamIschen Zeit der Entfaltung der Teilnahme der Frauen an den verschie- Zentrum hamBurg denen Bereichen gewesen ist und die Entrechtung, unter der die Frauen bis dahin gelitten hatten, ein Ende fand. Der Erhabene Mit dem Beginn der „Weißen Tage“ (Yaum-ul Al Baiz) dem 13, Prophet (s.a.s.) hat durch die Interpretation der Qur`an verse über 14. und 15. des gesegneten Monats Radschab (16.-18.6.2011) die Frau, der Menschheit den wahren Rang der Frau laut Qur`an empfing die Imam-Ali-Moschee die Gäste, die sich zur Gottes- vorgestellt. Im Heiligen Qur`an gibt es außer der Sure Kauthar zuwendung zurückziehen wollten und zur Teilnahme an der spi- über die Würde der geehrten Fatima (a.s.) und der Frau ungefähr rituellen Zeremonie des Itikāf - der inneren Zurückgezogenheit noch 200 weitere Verse über Frauen. Wenn im Heiligen Qur`an – ihre Häuser verließen, um für eine dreitätige spirituellen Reise, von verschiedenen Dingen wie Schöpfungsziel, Erkenntnis über von Gottes Liebe erfüllt, den heißen Boden der Sünden zu verlas- die göttliche Macht, Wissenschaft und Wissen, Gottesfürchtigkeit sen und in der vertrauten und schönen Heimat der Reinheit und und Tugendhaftigkeit, das Erlangen eines Gott nahen Geistes, die Gottesfürchtigkeit ihre Seele mit den spirituellen Genüssen zu Mittel zu Erkenntnis und Verständnis, die Gott gegebene Natur sättigen. (Fitra) und dem göttlichen Führungsauftrag (Wilaya) die Rede ist, wird all dies als gemeinsame Angelegenheit der Frauen und Bei diesem Ritual, an dem Muslime unterschiedlicher Nationali- Männer betrachtet. tät aus verschiedenen Teilen Deutschlands sowie Europas teilnah- Gott der Erhabene hat in manchen Qur`an versen geboten, die men, war das Interesse von Jugendlichen, Jungen und Mädchen, Frauen gut zu behandeln und dies wurde von Ihm nicht als eine besonders bemerkenswert - Jugendliche, die sich trotz aller äu- moralische Empfehlung, sondern als ein Gesetz und eine Regel ßerlichen Faszinationen ihrer Gesellschaft drei Tage lang in das angeführt , während das Verhalten in der Ära der Dschahiliah Haus Gottes zurückgezogen hatten, um durch Teilnahme an der (Zeit der Unwissenheit) gegenüber den Frau getadelt wurde. spirituellen Zeremonie der Klausur die Melodie des Schweigens, die Musik der Anflehungen, das leise Weinen und den Genuss des Im Laufe der Zeit hat es leider sehr viel Unter- und Übertreibung liebevollen vertraulichen Gesprächs mit dem Schöpfer zu erleben. in Bezug auf die Frauen gegeben. Aber diese Art von Tagungen bietet eine gute Möglichkeit, dass die Frauen in der Gesellschaft mehr über ihre Stellung gemäß Qur`an erfahren. Wir müssen der qur`anischen Kultur in Bezug auf die Frauen Aufmerksamkeit schenken und sehen, was der Heilige Qur`an auf den einzelnen Gebieten von den Frauen erwartet.“ Das Islamische Zentrum Hamburg hatte für diese Tage besondere Programme für die fastenden Itikāf-Teilnehmer vorgesehen, unter anderem Ansprachen, Beantwortung religionsrechtlicher Fragen, Bildung von Gesprächszirkeln in verschiedenen Sprachen für Wissensaustausch sowie Diskussionsgespräche, die Rezitation von zwei Kapiteln (Dschuz) des Qur`an s , jeweils morgens und nachmittags, panegyrische Vorträge und die Durchführung der Umme-Davud Gebete. seite 79
Am ersten Tag dieses spirituellen Rituals hat Ayatollah Dr. Ra- Bau eInes neuen IslamIschen Zentrumsmezani, der Gebetsimam und Leiter des Islamischen Zentrums In Der hauPtstaDt Von norwegenHamburg, eine Ansprache gehalten. Er hat in seiner Rede dieBittgebete als eine menschliche, göttliche und qur`ānische Kulturbezeichnet und sagte weiter: „Die Bittgebete sind wichtige Dinge,so dass sie im Heiligen Qur`an und auch in den Überlieferungender Sündenfreien Imame empfohlen wurden. Allah spricht imQur`an:„Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich naheund erhöre, wenn einer zu Mir betet, sein Gebet. Sie sollen nunauf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie denrechten Weg einschlagen.“ (Al-Baqara, 186).Die Monate Radschab und Sch`abān und der gesegnete Monat Die Arbeiten zum Bau des neuen islamischen Zentrums der nor- AL - FADSCHRRamadan ist ein Tisch, der von Gott, dem Höchsterhabenen, für wegischen Hauptstadt Oslo haben in Zusammenarbeit mit demSeine Diener gedeckt wurde, und jeder kann sich soviel von dieser albanischen islamischen Zentrum „Qikshn“ begonnen. In Anwe-spirituellen Tafel nehmen, wie seine Kapazität es erlaubt. Die senheit von einigen Verantwortungsträgern für religiöse Ange-geistige Zeremonie der Itikāf erweitert im Menschen die Fähig- legenheiten verschiedener Länder und ebenso der albanischenkeit zu empfangen und fördert seine Bereitschaft. Sie bereitet die Minderheiten in europäischen Staaten und einer Gruppe von Mit-Menschen auf die Verbindung zu Gott, dem Höchsterhabenen, gliedern und Vertretern von islamischen Zentren erfolgte der erstevor. Spatenstich. Das islamische Zentrum der Stadt Oslo wird auf einer Fläche vonAm Nachmittag des letzten Tages der Klausur fand zudem die se- 1800 Quadratmetern errichtet. Dieses Bauprojekt soll nach 12gensreiche und eindrucksvolle Zeremonie des Umme-Davud-Ge- Monaten abgeschlossen sein.betsbrauches statt. Diese Zeremonie begann um 16 Uhr und alleAnwesenden haben - eingetaucht in eine besondere Stimmung -den heiligen Qur`an und die entsprechenden Bittgebete verlesen.Es ist zu erwähnen, dass während dieser Tage, Hudschat-ul Islamwa`l Muslimin Masumi, Haschemiyan, Schahabadi und Heydarian den Wissenszirkeln teilnahmen, Fragen beantworteten und An-sprachen hielten.seite 80
70 tage haFtstraFe FÜr englIsche kostenlose VerteIlung Von Qur`an mIlItärPerson, welche Den eXemPlaren Durch eIne kIrche Qur`an schmähte Ein englisches Gericht hat am 18. April 2011 durch Herausgabe eines Urteils, Andrew Ryan, ehemaliges Mitglied der englischen Armee, wegen Schmähung des Heiligen Qur`an s zu 70 Tagen Gefängnis verurteilt. Laut Nachrichtenagentur Iqna und MailOnline (dailymail.co.uk) ist Ryan wegen Entwendung eines Qur`an -Exemplars aus der Stadtbibliothek von Carlisle, Nordwestengland, und Belästigung anderer wegen ihrer Religion verurteilt worden. Ryan hat am 19. Januar dieses Jahres nach der Entwendung eines Qur`an -exemp- lars dieses provokant vor den Augen von Käufern und Schülern verbrannt.AUSGABE NR. 139 Der Richter des Lokal-Gerichtes von Carlisle gab bei der Urteils- Der Vorstand einer protestantischen Kirche in Salt Lake City, verkündung für diesen englischen Soldaten bekannt, die Verbren- Zentrum des US-Bundesstaates Utah, hat als Reaktion auf die nung des Qur`an -Exemplars`durch Andrew Ryan sei vorgeplant Qur`an schmähung durch einen amerikanischen Pastor, am 25. gewesen und er habe nach dem Diebstahl absichtlich und mit April dieses Jahres eine größere Anzahl von Exemplaren dieses großer Propaganda diesen Qur`an verbrannt. Laut diesem Bericht Heiligen Buches kostenlos verteilt. erfolgte die Urteilsverkündung für Andrew Ryan eine Woche nach Laut Bericht der Iqna und UtahNews (The Salt Lake Tribune) der Verhaftung des Mitglieds der Britischen Nationalpartei wegen wurden bei dieser Aktion seitens der Wasatch Presbyterian Chur- Verbrennung des Qur`an s in seinem Haushof. ch Dutzende Exemplare der im Oxford-Verlag erschienenen Qur`anausgabe in der „King“-Buchhandlung kostenlos den Men- schen angeboten. seite 81
Search