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Vogue Germany April 2022

Published by admin, 2022-04-11 05:11:54

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„ICH Kaum eine RAPPERIN hat den nationalen BIN Musikmarkt in den letzten Jahren so AUF LINKS GEDREHT wie Badmómzjay. Für Millionen ist sie ein IDOL, andere haben noch nie von ihr gehört. Ein PORTRÄT über eine Frau, die gekommen ist, um zu verändern Text LENA ELSTER Fotos THOMAS LOHR LAUT, ICH HABE VIEL ZU SAGEN“ 167

Diese Seite: Top, um 550 €, sowie Leggings, um 480 €, beides von MUGLER, über Mytheresa.com. Armreife „Clash de Cartier“ aus Weißgold, um 9550 €, von CARTIER. Choker, Preis auf Anfrage, sowie Ring, um 150 €, beides von MUGLER. Tasche, um 250 €, von DIESEL. Schuhe, um 870 €, von OTTOLINGER. Rechte Seite: Schwarzes Kleid, um 950 €, von SITUATIONIST. Cocktailring „Curiosa“, um 700 €, von SWAROVSKI. Ohrringe, um 370 €, von OTTOLINGER.

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Poloshirt aus Mesh, um 340 €, sowie passende Hose aus Mesh, um 305 €, beides von OTTOLINGER. Ledergürtel mit Logoschließe, um 250 €, von CASABLANCA. Ringe, um 195 € und um 350 €, sowie Ear Cuff, um 85 €, alles von SWAROVSKI. 170

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Diese Seite: Gerafftes Kleid mit Schlitz, um 480 €, von ESTER MANAS. Armreif und Ring aus Weißgold mit Diamanten, Preis auf Anfrage, von MESSIKA. Rechte Seite: Kleid, um 480 €, von ESTER MANAS. Gliederohrringe „City HardWear“, um 6600 €, von TIFFANY & CO. 172





Diese Seite: Kleid aus Latex, Preis auf Anfrage, Armreif (linke Hand), um 520 €, sowie Ohrringe, alles von VERSACE. Armreif aus Roségold mit Diamanten und Karneolen (rechte Hand), um 18 100 €, sowie Ring, um 20 900 €, beides von VAN CLEEF & ARPELS. Linke Seite: Trenchcoat „Razkielle“ aus Leder, um 669 €, von 2ND DAY, über Zalando.de. Ohrringe „Shield Y Heart“, um 285 €, von Y/PROJECT. 175

Jacke aus Canvas mit Schnürung, um 4550 €, von PRADA. Ring aus Weißgold mit Diamanten (rechte Hand), Preis auf Anfrage, von MESSIKA. Ring „Clash de Cartier“ aus Weißgold (linke Hand), um 2330 €, von CARTIER. Kette und Hose: privat. Styling: CHRISTIAN STEMMLER Modeassistenz: LEON C. ROMEIKE Haare: GREGOR MAKRIS Make-up: JANA KALGAJEVA. 176

MOVEMENT DIRECTOR: KIANI DEL VALLE; PRODUKTION: JANNIS BIRSNER; REDAKTION: KERSTIN WENG, DOMINIK WIMMER; ART DIREKTION: JUAN Z licht sie fast jeden Monat einen neuen an. Sie lebt den Traum, den sie alle träu- Track, sammelt unzählige Auszeichnungen, men. Sie hat es geschafft. Zeigt es der Welt, um Covershooting in Berlin erscheint Jor- bricht Streamingrekorde, kollaboriert und den Männern. Auch monetär. Die Platten- dan Napieray mit ihrer Mutter und ihrem tourt mit den großen Namen der Branche. deals und Charterfolge hinterlassen ihre Hund. Sie ist freundlich zu allen, wartet Im November 2021 wird sie „Best German Spuren. Aber statt wie in der Branche ty- geduldig, posiert professionell. Als sie sich Act“ bei den MTV Europe Music Awards pisch damit zu protzen, zeigt sich die jun- selbst zum ersten Mal auf dem Monitor – noch bevor ihr erstes Album erscheint. ge Geschäftsfrau, die ihr eigenes Musik- mit dem VOGUE-Logo über sich erblickt, label schon 2019 gründet, auch hier be- wird sie kurz ein bisschen emotional. „Ich Badmómz, ja, du kennst den scheiden und bedacht. Langfristigkeit sei hätte nie gedacht, dass ich es mal in die Namen, Teen-Queen so wie ihr wichtig, sagt sie, das mache ihre Ver- VOGUE schaffe“, sagt sie. „Weil ich zu STEFFI GRAF gangenheit. Im Juli wird sie ihre eigene anders bin.“ Tatsächlich ist die 19-Jährige – aus BADMÓMZ* Beauty-Linie namens Bad Cosmetics laun- mit den leuchtend roten Haaren die erste chen. In den Socials zeigt sie sich kürzlich Rap-Künstlerin, die auf der deutschen Mit dem Erfolg wächst das Selbstbe- in ihrer ersten eigenen Immobilie, wohnen VOGUE zu sehen ist. Nicht ohne Grund wusstsein. Anders als andere Künstler:in- werde sie aber weiterhin hauptsächlich bei in einem Heft zum Thema Haltung. Bad- nen führt sie diesen aber nicht auf ihre Mama. mómzjay – den Namen gab ihr ein Freund, schwierige Kindheit zurück. „Ich bin im- den Akzent ergänzte sie, weil sie es cool mer stolz, wenn ich etwas selbst geschafft So viel Augen auf mei’m fand – ist eine, von der die Welt noch viel und geschaffen habe – mit meinen Hän- BUSINESS seit der hören wird. den, meinem Kopf. Ich bin kein Fan davon Goldenen, weil das Leben, zu sagen, dass ich heute stark bin, weil mir das ich lebe, ihre Träume sind Jordy, wie sie ihre Freund:innen nen- früher so viele schlechte Sachen passiert – aus TU NICHT SO* nen, wächst in Brandenburg an der Havel sind. Die Stärke war schon immer in mir auf. Die Verhältnisse sind mehr als beschei- drin!“ Was die junge Frau umtreibt, wofür Die Badmómzjay Insta-Bio zeigt das den, der Vater ist nicht präsent. Es gibt oft sie einsteht, wie ihre Lebenswelt aussieht, Emoji einer Regenbogenflagge und das keinen Strom oder genug Essen, an Urlaub, erfährt man, wenn man sich die Songtexte Wort „Healer“, Heilerin. Jordy selbst sieht Ballettklassen oder große Geburtstagsfei- ihres Debütalbums „Badmómz“ anhört.Mit sich als jemand, der den Menschen Gutes ern ist nicht zu denken. In der Schule wird ihren Worten rappt sie immer wieder mu- bringt. Ihnen mit ihrer Musik, ihren Bei- sie gehänselt. Wegen der Armut, der roten tig gegen Sexismus, Rassismus und Homo- trägen und Storys aus der Seele spricht – Haare, später wegen ihrer offenen Bisexu- phobie. Kritisiert den Chauvinismus und laut wird, wenn andere leise bleiben. alität. Sie outet sich mit 13. Früh lernt sie die Plattitüden ihrer männlichen Kollegen, von ihrer Mutter, nichts auf die Meinung kämpft für Female Empowerment und To- „Musik ist der einzige Weg, wie ich anderer zu geben. Immer stark zu sein und leranz. Was sie antreibt, ist Wut, wittert sie mich richtig ausdrücken kann. Ich versu- individuell, fleißig und gerecht. Unsere Fra- eine Ungerechtigkeit, spricht sie diese an. che, die Stimme meiner Fans und Follo- ge nach ihren Idolen beantwortet sie lä- „In der Welt läuft so viel schief“, sagt sie. wer:innen zu sein für das, was sie sich nicht chelnd. Vorbilder habe sie nicht, sagt sie „Ich bin laut. Ich habe viel zu sagen.“ trauen zu sagen. Oder nicht in der Lage und blinzelt zu ihrer Mutter rüber. „Ich sind zu sagen. Oft schreiben mir Leute, schaue nicht zu Menschen hoch – aber mei- Ihre starken, mitunter harten Äußerun- dass sie einen Song von mir gehört haben ne Mutter inspiriert mich!“ gen bleiben im Netz und innerhalb der Sze- und ich in Worte fassen konnte, was sie ne nicht kommentarlos – im Gegenteil. Je- schon immer sagen wollten. Ich habe eine Leute sind am Haten, einfach den Tag steckt die junge Frau Anfeindun- Wirkung auf Menschen. Ich höre oft, dass weil ich kein’n PENIS hab gen ein, wird öffentlich gehasst, bedroht, ich sehr beruhigend bin. Dass ich Leuten – aus MAL MEHR MAL WENIGER* fertiggemacht. Ihre Reaktion darauf ist er- durch meine Energie Angst und Trauer staunlich gelassen. Sie wirkt abgeklärt, reif schnell nehmen kann.“ Ihre Musikkarriere beginnt völlig über- und weise. Fast so, als hätte sie sich einen raschend.Mit gerade mal 15 Jahren schreibt unsichtbaren Panzer angelegt. Ich mag meine Bässe sie nachts ihren ersten Songtext und lädt tief, ich mag meine am nächsten Tag ein Video davon ins Netz. Hast du gedacht, mir geht’s SCHWESTERN up Es geht viral und alles andere damit Schlag ums EGO? Was du auch – aus ICH MAG* auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit wird machst, du kannst mir nicht die junge Badmómzjay zur Stimme einer mehr wehtun. Durch ihre Offenheit und Öffentlich- Generation, zum Rap- und Social-Me- – aus STERNE UNTERM DACH* keit ist die 19-Jährige einer permanenten dia-Star. Hat auf den üblichen Social-Ka- Beurteilung ausgesetzt. Jeder Schritt, den nälen zusammen inzwischen fast 1,5 Mil- „Ich lese jeden Tag schlimme Sachen sie tut, jedes Outfit, das sie trägt, jede Po- lionen Follower:innen, ihre Songs hören und Anfeindungen – das hat für mich über- se, die sie einnimmt, wird kommentiert und zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses haupt kein Gewicht mehr. Hinter ihren bewertet. Damit muss man als junger monatlich knapp zwei Millionen Hörer:in- Handys können die Leute alles schreiben. Mensch erst mal klarkommen. Jordy tut nen auf Spotify. Seit dem Release ihrer ers- Es kostet sie gar nichts. Das ist gesichtslos. das, kokettiert damit, setzt nach dem Mot- ten Single „24/7“ im Jahr 2019 veröffent- Haltung bedeutet, für etwas zu stehen – to „Jetzt erst recht“ sogar gern noch einen und zwar nicht nur, wenn es sich gerade drauf. Ein Faible für Fortsetzung auf Seite 121 gut anfühlt.“ *Alles Lyrics aus dem Album „badmómz.“ Mit ihrer Haltung kommt Jordy be- sonders bei jungen Frauen und Mädchen 177

TITELTHEMA FOTO: PATRICE BRYLLA RICCARDO Simonetti „Wir haben die Chance, Brücken zu bauen, in- dem wir uns von gängigen Labels verabschieden. Die haben Menschen unter Druck gesetzt, die den Idealen der Gesellschaft nicht gerecht wer- den konnten. An vorderster Front das Label ‚guter Mensch‘ und ‚schlechter Mensch‘. Nie- mand ist nur gut oder nur schlecht, und je eher wir versuchen, radikale Empathie zu praktizieren, desto früher können wir wirk- lich kommunizieren und hoffentlich die Welt zu einer besseren machen.  Aktuell habe ich leider manchmal das Gefühl, wir steuern auf eine Zwei-Bla- sen-Gesellschaft zu. Die eine ist sehr tole- rant, rücksichtsvoll und politisch fast schon überkorrekt, möchte niemanden verletzen und ständig über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Und die andere Blase will von alldem nichts wissen. Die Gefahr be- steht, dass man in seiner Blase bleibt und sich am Ende nur gegenseitig auf die Schulter klopft und sagt: ,Wir sind die Guten.‘ Das verändert gesellschaftlich allerdings gar nichts und macht auch nichts einfacher. Man braucht eine Verbin- dung zwischen diesen Blasen, das ist essenziell, um als Gesellschaft weiterzuwachsen. Ich kam als schwuler Junge vom Land in die Entertainment-Welt. Ich kannte niemanden, und alles, was mir immer gesagt wurde, war: ‚Du brauchst Kontakte, um weiterzukommen.‘ Und wie bekommt man die? Indem man nett ist. Des- halb ist eine der wichtigsten Lektionen, die ich gelernt habe: Du kommst weiter, wenn Menschen sich in deiner Gegenwart wohlfühlen. Ich habe heute so ein tolles Netzwerk, das mich nicht nur beruflich unterstützt, sondern auch als Mensch weiterbringt. Einen diversen Freundeskreis zu ha- ben, mit vielen unterschiedlichen Perspektiven, empfinde ich als großes Privileg. Gerade in einer Zeit, in der der Begriff Diversity oft out of con- text benutzt wird, bin ich dankbar, Teil der quee- ren Community zu sein.“ RICCARDO SIMONETTI ist Entertainer und Autor. Seit Jahren engagiert er sich für Toleranz – besonders für die LGBTQIA+-Community. 178

Radikale EMPATHIE Konstruktiver Austausch ist wichtiger denn je, denn Krisenzeiten brauchen Kommunikation auf Augenhöhe. Aber wie schaffen wir das? Wie zeigen wir HALTUNG und bleiben gleichzeitig offen für andere? Wir haben acht Aktivist:innen unserer Zeit gefragt, wie es gelingt, bei kontrovers diskutierten Themen BRÜCKEN zu bauen und zum Dialog einzuladen. Mit uns sprachen sie über die Kraft des Mitgefühls, die Kunst der SELBSTREFLEXION und die Unverzichtbarkeit menschlicher Verbindungen Protokolle LENA ELSTER KÜBRA Gümü ay „Wir leben in der Illusion, wir könnten uns vor, in dem ein gro- vollständig von allem emanzipieren, was uns ßer Elefant steht. umgibt. Individuell. Unabhängig. Losgelöst.Weder Nun werden einige ist dies möglich noch erstrebenswert. Denn wir Menschen hereinge- brauchen Verbindungen, Verbundenheit, um zu beten, die alle den sein. Die Entfremdung von der Natur, dem Tier Elefanten ertasten und unseren Mitmenschen nah und fern ist Teil und erklären sollen, der zentralen Herausforderungen unserer Zeit.Wir was ein Elefant ist. glauben, wir können konsequenzlos konsumieren, Die einen sagen: handeln und agieren, weil wir die Augen vor den ‚Elefanten sind wei- Verbindungen, die uns umgeben, verschließen. Weil wir uns lieber che, lange Wesen.‘ Jemand anderes sagt: ‚Elefanten sind dünne, der Illusion hingeben, als die Realität anzuerkennen – in all ihrer haarige Wesen.‘ Und eine dritte Person sagt: ‚Elefanten sind schwe- Komplexität, ihrem Chaos, ihrer Schönheit und Hässlichkeit, re, ledrige Wesen.‘ Sie alle haben recht. Sie alle beschreiben zwar Vielschichtigkeit, Weite und Beengung, mit allen ihren komplett widersprüchliche, aber dennoch Teile der Wahrheit. In Widersprüchen und der Harmonie, die doch irgendwie in ihr dem Moment jedoch, in dem eine dieser Positionen verabsolutiert stecken kann. wird, also zur einzig legitimen, universellen, objektiven, neutralen Perspektive erklärt wird, werden nicht nur alle Perspektiven unter- Ein konstruktiver Dialog lebt im Bewusstsein für die Notwen- drückt, sondern: Wir verpassen auch die Gelegenheit zu erkennen, digkeit selbst jener Perspektiven, die der eigenen – vermeintlich – was ist. Was in diesem Raum vor uns steht.“ widersprechen. Ein Gleichnis aus der indischen Philosophie führt diese Notwendigkeit besonders gut vor Augen, hier in abgewan- KÜBRA GÜMÜŞAY ist ausgezeichnete Journalistin und Autorin. delter Form zusammengefasst: Stellen Sie sich einen dunklen Raum 179

TITELTHEMA FOTOS: MARKUS C. HUREK (1), LINA TESCH (1) DÜZEN Tekkal „Das Erste, was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit. Deswegen kann es in Kriegszeiten keine Neutralität geben. Im Krieg müssen Journalist:innen zu Wahrheitskämpfer:innen werden. Das habe ich sehr schnell begriffen, als ich als Reporterin in den Irak flog, um vom Genozid an den Jesiden zu berichten. Es ist leicht, die journalistische Neutralität in Friedenszeiten zu wahren.Im Krieg jedoch geht es um Leben oder Tod. Das sehen wir an der Aggression von Putins Kriegsmaschinerie. Wie soll man neutral bleiben, wenn die Wahrheit zur Unkenntlichkeit verzerrt wird von einem Despoten, der unter dem Vorwand in ein Land einmarschiert, dass dort ein Völkermord vorbereitet werde und er die eigenen Leu- te schützen müsse? Dabei ist er es doch, der das Völkerrecht gebrochen hat und gerade den Vernichtungskrieg gegen die ukrainische Bevölkerung führt. Schon jetzt hat sich das russische Militär schwerer Kriegsverbrechen schuldig ge- macht. Die Raketen auf Wohnkomplexe und den Platz der Freiheit in Charkiw zeigen dies. Es ist sonnenklar, wer hier der Aggressor ist und wer sich verteidigt. Das wissen auch die Menschen in Russland, die gegen die Regierung Putins auf die Straße gehen und die zu Tausenden dafür verhaftet werden. Ihnen und den Menschen in der Ukraine müssen wir in diesen schweren Stunden beistehen. Wir leben in einer vernetzten Welt, die von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geprägt ist. Wir können uns jeder- zeit mit wenigen Klicks mit Menschen am anderen Ende des Globus austauschen. Dennoch – oder gerade deshalb – findet eine soziale Atomisierung statt. Depressionen und Angstzustände nehmen zu. Falschinformationen und gefährliche identitä- re Narrative verbreiten sich in Windeseile. Sie sind zynische und vereinfachende Antworten auf die Krisen im Weltmaßstab. Wir brauchen Verbindungen, die zu Mitmenschlichkeit, Empathie und kritischem Denken anregen.“ DÜZEN TEKKAL ist eine mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnete Journalistin. 2019 gründete sie die Bildungsinitiative German- Dream, mit der Wertedialoge an Schulen veranstaltet werden. PHENIX Kühnert „Was uns zusammenbringen kann, sind Empathie, Auf- klärung und die Bereitschaft dazu. Deshalb erzähle ich als Transfrau meine Geschichte. Ich bin der Überzeu- gung, dass ich so für Empathie sorgen kann, die in mehr Akzeptanz, Toleranz und Gemeinschaft resultiert. Bei der Geburt wurde mir das ‚männliche‘ Geschlecht zu- gewiesen, heute lebe ich offen und souverän als Frau. Nichtbetroffene können am einfachsten Verständnis für verschiedene Lebensrealitäten aufbringen und Berüh- rungsängste ablegen, wenn sie diese kennenlernen. Außerdem sollten wir uns unserer Privilegien bewusst sein, Betroffenen von Diskriminierung und Ausgrenzung zuhören und den Egoismus ablegen.“ PHENIX KÜHNERT ist Autorin und Content Creator. In Kürze erscheint ihr Buch „Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau“ über das Transsein. 180

FOTO: ERHAN DOGAN ENISSA kann. ‚Ich könnte Pilotin werden.‘ Auch Amani bei viel größeren Themen können emotio- nale Beispiele helfen, Brücken zu bauen. „Ich wähle im Dialog oft den Zugang, von eigenen Fehlern zu erzählen. Zum Beispiel Humor, Herzlichkeit, aber auch Wut wenn ich mich mit einem Thema noch gar sind ein gutes Verständnistor zu einem The- nicht befasst hatte. Auch gern humorvoll. ma, weil diese Eigenschaften emotional Ich mache das,weil ich oft spüre,dass Men- aufwecken. Als ich die Sendung ‚Die bes- schen verunsichert sind,wenn sie von einem te Instanz‘ gemacht habe, übrigens ganz Thema noch nicht so viel wissen und dann ohne davon auszugehen, dass sie so viral Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Und gehen würde, wollte ich einfach nur ein genau diese Angst versuche ich ihnen zu Thema einmal von Expert:innen erklären nehmen, indem ich erkläre, dass es über- lassen, selbst den emotionalen Zugang haupt nicht schlimm ist, Dinge nicht zu bringen und das Verstehen erleichtern. Ein wissen. Nicht jede:r hat den gleichen Zu- älterer Herr schrieb als Kommentar unter gang zu Themen. Auch jeden Tag Nach- den Beitrag: ‚Enissa, ich bin ein alter wei- richten aus einer seriösen Quelle zu lesen ßer Heteromann und habe mich bisher für muss erst mal gelernt sein. Deswegen be- sehr liberal gehalten. Diese Sendung hat tone ich immer wieder, Dinge nicht zu mir auch noch mal eine aufklärende Ohr- wissen, ist nicht schlimm. Schlimm ist, zu feige verpasst, vielen Dank dafür.‘ Der ignorieren, wenn Menschen einen darauf Kommentar wurde von 7000 Menschen aufmerksam machen, warum etwas ver- gelikt.“ letzend war. Nehmen wir die Diskussion über das Gendern, für viele eine leidige Als Künstlerin thematisiert ENISSA AMANI Sache, aber dann erkläre ich gern, was es in ihren Shows, Reden und Stand-ups von Ras- im Kopf eines kleinen Mädchens auslösen sismus bis zum Patriarchat alles, was der Ge- kann, wenn es nicht nur das Wort ‚Pilot‘ sellschaft wehtut. hört, sondern ebenso häufig das Wort ‚Pi- lotin‘.Wie sehr das seine Fantasie beflügeln 181

TITELTHEMA FOTO: CHRISTOPH KASSETTE BALBINA „Haben wir vor lauter Kommunikation verlernt, miteinander zu kommunizieren? Wir sollten sprechen lernen … Wir sind hier, um miteinander zu sein. Um miteinander zu kommunizieren.Wir haben uns Tau- sende Jahre lang darauf spezialisiert und erleben jetzt den Superlativ der globalen Echtzeitkommunika- tion. Wir sprechen durchs Smartphone, wir texten, wir posten, wir taggen. Wir facetimen, whatsappen, wir googeln und liken über jegliche Grenzen. Wir spiegeln unsere Realität über ein unsichtbares Kom- munikationsnetz. Das ganz nebenbei, während wir eigentlich leben. Ist unser Kontakt eine wahrhaftige Verbindung, schaffen wir zu sprechen im Dialog? Wir reden, oh- ne miteinander zu reden. Es stehen Abermillionen Monologe nebeneinander und versuchen, sich zu berühren. Wir haben uns in der globalen Illusion verloren, miteinander verbunden zu sein, uns re- volutioniert zu haben in einer Gemeinsamkeit. Wir betrachten Bombeneinschläge auf LED-Displays und sind eben nicht in der Nähe. Im Gegenteil, wir sind gefühlt noch weiter weg als je zuvor. Ich fühle, ich sehe, und ich sehe, ich fühle viel mehr, doch ich spreche mit niemandem. Ich schieße meine Meinung in einen Äther, der doch keine Verantwortung für Wahrheit und Liebe trägt. Vielleicht muss ich endlich begreifen, dass die- ses Netz um mich herum nur ein Vehikel sein kann. Eine Autobahn zur Wahrheit, die Verantwortung der Richtung und Fahrt liegt doch allein bei mir. Wenn ich lese, muss ich versuchen zu prüfen. Wenn ich werte, sollte ich meine Perspektive vorab spiegeln. Wenn ich Gruppen an Meinungen sehe, sollte ich niemals vergessen, hinter ihnen stehen einzelne Menschen. Hinter Nationen stehen Schicksale und Grenzen. Und wenn ich schreibe und lese, sollte ich bereit sein, hinauszutreten in die Realität und zu handeln. Ich sollte bereit sein, Ressourcen zu teilen. Und wenn es auch nur darum geht, mir die Zeit zu nehmen für die Suche nach Wahr- haftigkeit. Ich denke, ich muss versuchen, in einer Zeit der vermeintlichen Überkommu- nikation wieder sprechen zu lernen. Wie ein Kind dem Gegenüber in die Augen zu sehen und wahrhaftig zu fragen: ‚Wie geht es dir, wie kann ich dir helfen?‘“ BALBINA ist Sängerin, Komponistin und Liedtexterin. In ihrer Arbeit reflektiert sie Gesellschaftsthemen und -defizite. 182

LEYLA Piedayesh „Verbindungen sind naturgegeben. Die erste Ver- bindung entsteht über die Nabelschnur zu unserer Mutter. Sie lässt uns wachsen. Und so läuft es mit Verbindungen das ganze Leben lang. Sie lassen uns wachsen. Mein ganzer Job, meine Karriere, mein Leben – alles, was ich getan habe und tue, besteht aus Verbindungen. Und damit meine ich nicht die Ver- bindungen in Form von Vitamin B, sondern Verbindungen zu Menschen. Bei Verbindungen geht es ums Spüren. Ums Zulassen. Es geht um Mitgefühl, Verständnis und Respekt. Nur damit kann man sie aufbauen und aufrechterhalten. Aber man kann auch andere Ver- bindungen haben als menschliche. Bis heute ist die Verbindung zu meinem Heimatland Iran so stark, dass sie alles prägt, was ich mit Lala Berlin schaf- fe. Verbindungen sind auch Erinnerungen. Und die verliert man nie.“ LEYLA PIEDAYESH ist Gründerin und Kreativ- chefin des Modelabels Lala Berlin. Durch ihre Geschich- te und iranischen Wurzeln ist sie immer wieder Botschafterin für Integration und Toleranz. FOTOS: LOTTERMANN & FUENTES (1), HAZEL THOMPSON (1) BRITA Fernandez Schmidt „Verbindungen fangen bei uns an. Wie sehr sind wir mit uns selbst verbunden? Wie viel Zeit geben wir uns,die Dinge,die uns an uns nicht gefallen,zu akzeptieren? Selbstakzeptanz ist für mich die Basis, die uns erlaubt, uns mit anderen Menschen zu verbinden. Andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. In ihrer Diversität und mit den Dingen, die sie tun und mögen, sowie den Meinungen, die sie vertreten. Ich meine Verbinden auf einem Niveau, das nicht oberflächlich ist. Das tiefer geht, als demselben Fußballklub zuzujubeln. Wir dürfen uns nicht davon verunsichern lassen, wenn Menschen andere Meinun- gen haben. Unsicher werden wir, wenn wir es persönlich nehmen. Dann verschließen wir uns, nabeln uns ab, kappen die Verbindung. Viel spannender ist es doch zu sagen: Okay, das sind Unterschiede. Lasst uns gemeinsam richtig hingucken und schauen, was es für Unterschiede sind, wo- her sie kommen. Lasst uns Verständnis aufbringen und Interesse und Neugierde. Lasst uns mehr wissen wollen, statt gleich zuzumachen. Lasst uns offen bleiben. Und das geht nur, wenn man sich selbst gegenüber offen ist.“ Nach 13 Jahren als Executive Director bei Women for Women International UK ist BRITA FERNANDEZ SCHMIDT heute Ambassador und arbeitet als Transformational Coachin und Autorin. 183

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ZURÜCKGELASSEN Eigentlich sollte PAVLO MAKOV die Ukraine mit seiner Installation „Fountain of Exhaustion. Acqua Alta“ auf der BIENNALE in VENEDIG vertreten. Doch dann kam der Krieg. Ein Porträt des Künstlers, übernommen vom ukrainischen VOGUE-Team, das seine Ausgabe nicht drucken konnte Text SVITLANA STAROSTENKO Fotos DIMA HONCHAROV P avlo Makov, ein renommierter ukrainischer Grafik­ künstler, und ich freundeten uns im letzten Sommer während der Ausstellung „Vogue UA Futurespective“ an, in die wir beide involviert waren und die ein Treffpunkt vieler großartiger Talente aus verschie­ denen kreativen Disziplinen war. Ich erkannte sofort, dass seine Arbeit etwas Besonderes war. Als ich meinen Eindruck mit einem anderen Teilnehmer, dem Bildhauer Ilia Novgorodov, mit den Worten teilte: „In diesen Künstler könnte ich mich verlieben“, lachte dieser und erwiderte: „Ja, ich auch!“ Es ist schwer zu sagen, welche von Makovs Mohnreihen mich an diesem Tag am meisten beeindruckt haben: Sie sind wie Blumen, jede ist auf ihre Weise einzig­ artig. Makovs Technik besteht darin, viele unter­ schiedliche Grafiken zu einer Komposition zusam­ menzufügen, wobei botanische Enzyklopädien, Landkarten oder Kalender entstehen können. Makov wurde 1958 im damaligen Leningrad geboren. Es folgten viele Umzüge der Familie, bis er sich als Jugendlicher in Simferopol auf der Krim wiederfand, wo er seine künstlerische Ausbildung am Institut für Malerei der dortigen Kunstakademie begann. Später setzte er seine Ausbildung am In­ stitut für Grafik an der Staatlichen Akademie für 185

FEATURE Design und Kunst in Charkiw fort. Eine Entschei­ waren für seine Karriere wichtiger als Kolleg:innen. dung, die wegweisend für seine künstlerische Kar­ Eines seiner Werke aus dieser Zeit wurde vom Lon­ riere sein würde und die er so begründet: „Die doner V&A­Museum erworben – eine frühe Be­ Malerei ist ein gewisses Statement, und das Bild stätigung von großem Wert. ist noch eine Studie. Ich beschloss, das Zeichnen und den Druck zu meiner wesentlichen Sprache Im vergangenen Jahr sprach ich mit Makov über zu machen.“ die Installation seines Werkes „Fountain of Exhaus­ tion. Acqua Alta“ auf der bevorstehenden Biennale Makov fühlte sich zum Tiefdruck hingezogen. in Venedig. Der ukrainische Pavillon dort wird von Besonders beeindruckten ihn die Radierungen von der Galerie „The Naked Room“ in Kyjiw kuratiert. Giorgio Morandi, dem italienischen Meister des „Es macht mich ungeheuer glücklich“, so Makov. Stilllebens aus dem 20. Jahrhundert, die er 1991 auf „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals an einer sol­ einer Ausstellung in Glasgow entdeckte.Er beschloss, chen Veranstaltung teilnehmen würde. Können Sie diese Technik zu seinem künstlerischen Instrument sich vorstellen, wie weit entfernt mir die Biennale zu machen.„Morandi hat ein ganzes Universum der 1995 vorkam?“ Stillleben geschaffen. Nach meiner Rückkehr nach Charkiw veränderten sich meine Arbeiten“, erinnert Tatsächlich reicht der Ursprung des Werkes sich der Künstler. In diesem Jahr entstand sein letz­ zurück ins Jahr 1995, als Makov erstmalig ein Opus tes Gemälde. schuf, das eine Gießkanne zeigte. Es folgte sein ers­ tes Bild eines kompletten Brunnens, eine kaska­ Bei der Radierung handelt es sich um eine Tief­ denartige symbolische Komposition aus Trichtern. drucktechnik, bei der das Bild zunächst in eine Mit den Jahren entwickelten sich seine Brunnen Druckplatte aus Kupfer oder Zink eingeritzt wird, weiter.Trotzdem könne er sein Publikum mit dieser sodass Vertiefungen entstehen, die anschließend Fixierung weiterhin überraschen. Sie alle wünschten durch ein Säurebad freigelegt werden – ein äußerst sich etwas Positives: „Ich wurde gefragt, warum es aufwendiges Verfahren. Mithilfe einer Druckpresse ein Brunnen der Erschöpfung sei und nicht der wird das Bild anschließend auf Papier übertragen. Sättigung.“ I Doch Makov ist ein Mann der Überzeugungen. In den 1990er­Jahren bat ihn die amerikanische ch arbeite schon mein ganzes Leben lang mit Dru­ Lyrikerin Beth Jocelow, einen ihrer Gedichtbände cken. Sie sind für mich ein philosophisches Konzept. zu illustrieren. Makov jedoch illustriert grundsätzlich Der Druck ist das, was man zurücklässt“, so der keine Texte anderer Personen. Sein Gegenvorschlag Künstler. Trotz der Komplexität des Verfahrens er­ war ein gemeinsames Buch, das ihre Lyrik und sei­ stellt Makov keine Serie von identischen Drucken. ne Radierungen enthielt: „April Wars.The Fountain Stattdessen arbeitet er über mehrere Monate hinweg of Exhaustion“, gedruckt mit einer Auflage von nur an der Erstellung verschieden großer Radierungen, zwölf Exemplaren. Im Jahr 2020 erschien das lite­ die er schließlich zu einem Werk, einer Radierkom­ rarische Projekt „Permanent Residence“ mit Makovs position zusammenfügt. Er druckt dabei nicht nur Zeichnungen und Gedichten von Serhij Zhadan. auf speziellem Radierpapier, sondern auch auf den Der Band ist eine poetische und visuelle Erzählung Seiten alter Bücher, auf Belegen, Landkarten oder über das Leben der beiden Künstler in Charkiw, die Zetteln. Für Makov ist jeder Druck ein „Brief“. Zu­ fast 30 Jahre abdeckt. „Makovs Gefühl für Zeit, für sammengefügt werden aus diesen Briefen Texte und Raum und für urbane Landschaften deckt sich weit­ schlussendlich Geschichten. gehend mit meiner eigenen Vision“, erklärt Serhij Zhadan. „Ich verfolge mit meiner Literatur etwas Makov gehörte der „Ukrainian New Wave“ an Ähnliches, nur das Format ist anders.“ und machte zunächst mit großformatigen, leuchten­ den Gemälden von sich reden. Doch er bewahrte Für Makov passt sein Brunnen der Erschöpfung sich auch eine gewisse Distanz zu dieser Kunstbe­ zu Venedig, zu einer Stadt, die im Wasser zu ver­ wegung. In den späten 1980er­Jahren lernte er auf sinken droht. Ginge es nach ihm, würde der Brunnen Veranstaltungen für Freilichtmalerei in Sedniw nahe an einer Ziegelwand hängen, damit das Wasser direkt Kyjiw Pavlo Kerestey,Oleksandr Rojtburd,Oleksandr in den Kanal laufen könnte. Es wäre die perfekte Hnylytskyi, Oleh Holosiy und weitere Kreative ken­ Inszenierung seines Werkes, doch diese Möglichkeit nen. Sie freundeten sich an, wenngleich sich Makov bietet das Arsenal, der tatsächliche Ausstellungsort, nicht der kreativen Szene anschloss. Sammlungen nicht. Dafür wurde für die Biennale „Acqua Alta“ zum Namen der Installation hinzugefügt, eine An­ spielung auf das winterliche Hochwasser in Venedig. Für Makov ist es nicht die Stadt, die hier verschwin­ det, sondern das Wasser, ein Symbol der Zeit. „Es ist kein Brunnen im buchstäblichen Sinne, sondern eine Metapher. Lassen wir es fließen, lassen wir es “Ich wollte keine Fortsetzung der SOWJETUNION. Ihr Zerfall hat mir nichts als FREUDE bereitet“ 186

Sein Zufluchtsort: der Keller Bis zum 24. Februar war es geplant, dass eines Kunstzentrums in der Stadt PAVLO MAKOV die Ukraine mit seiner Installation „FOUNTAIN OF EXHAUS­ CHARKIW im Nordosten der TION. ACQUA ALTA“ auf der Biennale in Ukraine, 40 Kilometer von der Venedig vertreten würde. Das Interview mit dem Künstler für diesen Artikel fand vor der russischen Grenze entfernt. Invasion seines Heimatlandes statt. Zu diesem Doch seine Kunst konnte allen Zeitpunkt schien es der ukrainischen VOGUE- Redaktion unvorstellbar, dass Makov später Widrigkeiten trotzen. Dem aufgrund des täglichen Beschusses durch Kuratoriumsteam ist es gelungen, die russische Armee aus einem Bunker mit ihnen sprechen würde. 78 Bronzeskulpturen, das Herzstück seines Projekts, über 187 Polen aus dem Land zu schaffen. Präsentiert werden muss seine Installation in Venedig aber wohl ohne ihn.

FEATURE 188

ÜBERSETZUNG: ANNA AHLERS; STYLING: ANNA HONCHAROVA; STYLING­ASSISTENZ: ANYA MATVIIUK; GROOMING: ANASTASIA SILEVKO; ADAPTATION: MARIA HUNSTIG tropfen, wie es ist. Lassen wir den Dingen ihren na­ schaffende müssten im Chaos leben“, sagt er, „aber Diese Seite: „The Fountain of türlichen Lauf.“ Venedig hat für Makov schon lan­ meine Buntstifte sind alle ordentlich sortiert.“ Exhaustion“, 1996. Sketch. ge eine besondere Bedeutung. Es war die erste ita­ lienische Stadt, die er gegen Ende der 1990er­Jahre Als das Leben noch unbeschwerter war,verbrach­ Linke Seite: „Morning, besuchte. „Bei meiner zweiten Reise habe ich mich te er mit seiner Familie viel Zeit in der Natur. Im ficus, swallows“, 2018– dann ein für alle Mal in Italien verliebt.“ Garten seines Hauses auf dem Land stehen Apfel­ 2019. Paper, intaglio, bäume und hochgewachsene Fichten. Hier hat er acrylic, pencil. K auch eine private Sammlung von Werken zeitge­ nössischer Künstler und Künstlerinnen: ein zwei artografie ist ein weiterer wichtiger Bestandteil sei­ Meter großes Gemälde von Pavlo Kerestey, Werke ner Arbeit. Makov erstellt persönliche Karten mit von Elena Kudinova, mit der er über viele Jahre eng realen und für ihn signifikanten Orten. Immer geht befreundet war, Gemälde von Oleksandr Rojtburd, es dabei um Charkiw. Als er damit in den frühen Vlada Ralko und Hamlet Zinkovsky sowie Kerami­ 1990er­Jahren begann, war es für ihn eine Möglich­ ken von Olena Blank. Das soziale Leben vor Ort keit, das Leben in dem neu gegründeten Land zu reizt ihn wenig, lieber beschäftigt er sich mit sei­ verarbeiten und quasi eine neue Welt zu schaffen. ner Kunst. Im letzten Jahr hatte er eine Einzelaus­ „Ich wollte keine Fortsetzung der Sowjetunion. Ihr stellung in einem Privatmuseum für Gegenwarts­ Zerfall hat mir nichts als Freude bereitet“, erzählt kunst in Lutsk, und erst im Januar wurden seine er. „Die Karten haben mir geholfen, meinen Platz Werke im Kunstmuseum von Odessa ausgestellt, an diesem Ort zu finden.“ Jede der Karten ist eine wenn auch nur kurz. Biografie: „Wenn man sich eine Karte ansieht, ist es, als würde man sich einen Film über sich selbst und Normalerweise reisen Makov und seine Frau über seinen Weg ansehen.“ Marina zweimal im Jahr für einige Wochen nach Italien. Mit immer besser werdenden Italienisch­ Makov lebt nach wie vor in Charkiw. Vor dem kenntnissen werden auch ihre Reisen spannender Krieg gab es auf seiner persönlichen Karte vier Orte, und bereichernder. „Was für uns früher klang wie an denen er den Großteil seiner Zeit verbrachte: sein Vogelgezwitscher, hat jetzt eine Bedeutung“, sagt er. Haus, sein Studio, das gemeinsam mit befreundeten Am Ende des Winters zieht es sie oft zu den Ther­ Kunstschaffenden gegründete Designstudio 3Z so­ malquellen nahe der Stadt Padua. Im September geht wie ein Haus 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Sein es immer in den Süden der Toskana, ans Meer. Dort Studio wirkt überaus geordnet.„Viele denken, Kunst­ in Porto Santo Stefano liebt es der Künstler, in einem Café am zentralen Platz des Ortes zu sitzen, Spritz zu trinken und das Treiben der Einheimischen zu beobachten. In diesem Jahr lässt sich wohl keine Reise nach Italien planen. Seine Arbeit aber wird in Venedig zu sehen sein. Gehen Sie hin. Sie können. Viele Ukrainer:innen nicht. 189

OSKAR-VON-MILLER-RING 20, 80333 MÜNCHEN „ICH BIN LAUT“ Fortsetzung von Seite 166 PUBLISHED BY CONDÉ NAST auffällige Outfits hat sie schon als Kind, verbringt Tage damit, den Kleiderschrank ihrer Mutter auszuräumen und alles anzu- Chief Executive Officer Roger Lynch probieren. Am liebsten Glitzer, am liebsten so viel wie möglich. Global Chief Revenue Officer & President, U.S. Revenue Pamela Drucker Mann Auch heute spielt sie mit Looks – nimmt in ihren Videos ver- schiedene Rollen ein, wechselt zwischen Baggy Pants und La- Global Chief Content Officer Anna Wintour tex-Suit, überrascht, provoziert. President, Conde Nast Entertainment Agnes Chu „Ich bin als Mensch sehr provokant und sehr viel, und genau Chief Financial Officer Jackie Marks so sehe ich auch aus. Mein Look spiegelt wider, wie ich mich füh- Chief Marketing Officer Deirdre Findlay le. Mode ist Kommunikation. Wenn ich Sonnenbrille und Kapu- ze trage, ist das nicht der Tag, an dem ich mit Leuten reden will.“ Chief People Officer Stan Duncan Chief Communications Officer Danielle Carrig BITCH, ich bin RAP, und ich bleibe Rap Kein Insta-Bitch-aus-Langeweile-Rap Chief of Staff Elizabeth Minshaw – aus „HAHAHA“* Chief Product & Technology Officer Sanjay Bhakta Am Valentinstag dieses Jahres postet sie auf Instagram ein Chief Data Officer Karthic Bala Foto von sich in roten Spitzendessous und markiert damit einen Chief Client Officer Jamie Jouning wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung, setzt ein weiteres State- Chief Content Operations Officer Christiane Mack ment für Selbstliebe, für Akzeptanz, für Vielfalt. „Ich bin fertig damit, mich anders hinzustellen, um besser auszusehen. Ich kom- CHAIRMAN OF THE BOARD me inzwischen mit meinem Körper klar, bin cool damit, dass ich Jonathan Newhouse mich gewichtsmäßig verändere. Ein Körper ist einfach ein Kör- per.“ WORLDWIDE EDITIONS DEUTSCHLAND: AD, GLAMOUR, GQ, GQ STYLE, VOGUE Und das merkt man auch beim Shooting. Sie kritisiert sich FRANKREICH: AD, AD COLLECTOR, GQ, VANITY FAIR, VOGUE, nicht, fummelt nicht an den Outfits herum, freut sich über die Tipps der Profis. Den ganzen Tag über zeigt sie sich souverän, gut VOGUE COLLECTIONS, VOGUE HOMMES gelaunt und dankbar. Lediglich die vom Stylisten ausgesuchten GROSSBRITANNIEN: LONDON: HQ, CONDÉ NAST COLLEGE OF FASHION AND DESIGN, High Heels wirft Jordy abends erleichtert in die Ecke. Ihren Kampf für das Gute kämpft die junge Frau lieber mit Bodenhaftung. In VOGUE BUSINESS; Sneakers. CONDÉ NAST JOHANSENS, CONDÉ NAST TRAVELLER, GLAMOUR, GQ, GQ STYLE, HOUSE & GARDEN, TATLER, THE WORLD OF INTERIORS, VANITY FAIR, VOGUE, WIRED *Alles Lyrics aus dem Album „badmómz.“ INDIEN: AD, CONDÉ NAST TRAVELLER, GQ, VOGUE 190 ITALIEN: AD, CONDÉ NAST TRAVELLER, EXPERIENCE IS, GQ, LA CUCINA ITALIANA, L’UOMO VOGUE, VANITY FAIR, VOGUE, WIRED JAPAN: GQ, RUMOR ME, VOGUE, VOGUE GIRL, VOGUE WEDDING, WIRED MEXIKO UND LATEINAMERIKA: AD MEXICO AND LATIN AMERICA, CONDÉ NAST COLLEGE AMÉRICAS, GLAMOUR MEXICO AND LATIN AMERICA, GQ MEXICO AND LATIN AMERICA, VOGUE MEXICO AND LATIN AMERICA SPANIEN: AD, CONDÉ NAST COLLEGE SPAIN, CONDÉ NAST TRAVELER, GLAMOUR, GQ, VANITY FAIR, VOGUE, VOGUE NIÑOS, VOGUE NOVIAS TAIWAN: GQ, VOGUE USA: ALLURE, ARCHITECTURAL DIGEST, ARS TECHNICA, BASICALLY, BON APPÉTIT, CLEVER, CONDÉ NAST TRAVELER, EPICURIOUS, GLAMOUR, GQ, GQ STYLE, HEALTHYISH, HIVE, LA CUCINA ITALIANA, LOVE, PITCHFORK, SELF, TEEN VOGUE, THEM., THE NEW YORKER, THE SCENE, VANITY FAIR, VOGUE, WIRED PUBLISHED UNDER JOINT VENTURE BRASILIEN: CASA VOGUE, GLAMOUR, GQ, VOGUE RUSSLAND: AD, GLAMOUR, GLAMOUR STYLE BOOK, GQ, GQ STYLE, TATLER, VOGUE PUBLISHED UNDER LICENSE OR COPYRIGHT COOPERATION AUSTRALIEN: GQ, VOGUE, VOGUE LIVING BULGARIEN: GLAMOUR CHINA: AD, CONDÉ NAST TRAVELER, GQ, GQ LAB, GQ STYLE, VOGUE, VOGUE CAFÉ BEIJING, VOGUE FILM, VOGUE+, VOGUE BUSINESS IN CHINA, DEUTSCHLAND: GQ BAR BERLIN GRIECHENLAND: VOGUE HONGKONG: VOGUE, VOGUE MAN KOREA: ALLURE, GQ, VOGUE, WIRED MALAYSIA: VOGUE LOUNGE KUALA LUMPUR MITTLERER OSTEN: AD, CONDÉ NAST TRAVELLER, GQ, VOGUE, VOGUE CAFÉ RIYADH, WIRED NIEDERLANDE: VOGUE, VOGUE LIVING, VOGUE MAN POLEN: GLAMOUR, VOGUE PORTUGAL: GQ, VOGUE, VOGUE CAFÉ PORTO RUMÄNIEN: GLAMOUR SERBIEN: LA CUCINA ITALIANA SINGAPUR: VOGUE SKANDINAVIEN: VOGUE SLOWAKEI UND TSCHECHIEN: VOGUE SÜDAFRIKA: GLAMOUR, GQ, GQ STYLE, HOUSE & GARDEN THAILAND: GQ, VOGUE TÜRKEI: GQ, GQ BAR BODRUM, VOGUE, VOGUE RESTAURANT ISTANBUL UKRAINE: VOGUE, VOGUE MAN UNGARN: GLAMOUR Condé Nast is a global media company producing premium content with a footprint of more than 1 billion consumers in 32 markets. condenast.com Abonnenten-Betreuung Deutschland und Ausland: Vogue Leserservice, Condé Nast Kundenservice, 20080 Hamburg, Telefon: +49 (0) 89-12140820, E-Mail: [email protected]. 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HOROSKOP WIDDER 21. MÄRZ BIS 20. APRIL Dieser MONAT ist voller WIDERSPRÜCHE W ild und unberechenbar, stür­ Abenteuerreise losgeht. Um misch bis aufregend rast er rein, Rätsel zu lösen, Ungeheuer zu der neue Monat. Er startet mit besiegen oder jemanden zu einem Neumond im ersten retten. In allen von uns steckt Zeichen des Tierkreises, dem schließlich zum richtigen Zeit­ Widder. Für all jene, die in den punkt ein:e Held:in. Und der ersten Tagen des Aprils Ge­ April bietet sich für die Ge­ burtstag haben, wird sich die­ burtstagskönig:innen nun an, se stürmische Aufbruchstim­ diese:n in sich zu finden. Denn mung auch in sämtlichen ab Mai geht die wirkliche Rei­ Verbindungen und Beziehun­ se für Widder erst los. Bevor gen ausbreiten. Nicht nur jetzt. dieses Kapitel aufgeschlagen Mitten in einem Epochenwan­ wird, kann sich das Sternzei­ del, der mehr als sonst unser chen zurücklehnen und ent­ Bewusstsein fordert, stürmt spannen. Eventuell Fasten­ diese Power des ersten Feuer­ retreats besuchen, sich in zeichens los, bereit dazu, Feh­ Yin­Yoga­Stunden wiederfin­ ler zu machen, Dinge auszu­ den, auf weichen Kissen medi­ probieren, Eroberungen tieren oder bedingungslos all anzupeilen, sich schnell und jenen zur Verfügung stellen, die abrupt immer wieder anderen Unterstützung brauchen. Der Themen zuzuwenden. Widder April ist die Ruhe vor dem ist nicht für Stabilisierung zu­ Sturm. Und alles, was jetzt ständig. Und das zeigt sich in nicht klappt, ist nicht zu be­ diesem Monat ganz besonders. dauern, denn es wartet etwas Dem eigenen ungeduldigen Besseres und Größeres auf Temperament entsprechend immer ein bisschen zu früh, dreht es Widder. Doch für die Liebe und Hingabe ist dieser Monat glit­ sich jetzt jedoch wenig um Eroberungen. Sondern eher darum, zernd und schön. Verlieben und lieben. Manchmal geht das im Handlungsspielräume abzusichern und sich in eine Art kosmisches sonstigen Rush des Lebens vollkommen unter. Erstaunlicher­ Vorbereitungsretreat zu begeben. Widersprüche dürfen zugelassen weise zeigt Eros seine stärkste Kraft, je weniger Widder rumflippt werden. In vielen Märchen und Mythen schlafen die Held:innen oder initiiert. So könnte dieser Monat in erotischer Hinsicht einem lange oder sind verzaubert und verflucht, bevor es zur wahren genussvollen Dauerrausch gleichen. STIER (21. April bis 20. Mai) Vieles läuft momentan vielleicht und verführend. Und sei es nur in der Fantasie. Es lohnt sich, sie TEXT: KIRSTEN HANSER; ILLUSTRATION: EKATERINA KOROLEVA nicht wirklich rund. Doch genau in diesen anstrengenden, nicht im Alltagstrott zu verwischen. verwirrenden und frustrierenden Phasen geht es darum, auf sich zu vertrauen. Stier wird spüren, wie sich durch eine entspannte KREBS (22. Juni bis 22. Juli) Krebs spürt im April schon sehr innere Haltung einiges auflöst, was momentan noch das deutlich, welche Menschen in seinem Umfeld auf dem Holzweg Nervensystem alarmiert. Rund um den 11./12.4. wird auch klarer, sind. Das Schöne daran: Er hat keinen Auftrag mehr, zu welche Traumvorstellungen reif für die Realität sind. missionieren, und auch nicht den Job, sich darum zu kümmern. Der eigene Rhythmus ist wieder da. Venus und Mars bewegen ZWILLINGE (21. Mai bis 21. Juni) Endlich kann sich neu sich in ein Wasserzeichen, und Krebs kann sich neu verlieben, in Dazugelerntes entfalten und etablieren. Und endlich ist der die eigenen Träume und alles Romantische natürlich sowieso. Frühling da. Zwillinge befeuert diese Power sehr, und der Hunger nach allem, was vermisst wurde, ist groß. Sie werden im Verlauf LÖWE (23. Juli bis 23. August) Der Frühling kommt knallbunt des Monats mehr und mehr zu Traumtanzenden. Leicht verführbar reingetanzt ins Leben der Löwen. Wahre und ehrliche Worte sind 192

nun gefragt. Im Unterschied zu vielen anderen scheut sich das Oberhaupt des Tierkreises EIN JAHR nicht, klare Ansagen zu machen, ohne dass die Stimme zittert. Und so schaffen sich Löwen Zeit für das, was sie momentan wirklich anmacht. Rauschzustände zu zweit, ohne ® Kater, körperlich und sinnlich. Knallbunt und grenzenlos. DEUTSCH JUNGFRAU (24. August bis 23. September) In welchen Bereichen des Lebens gibt es noch + Widerstand? In welchen dagegen einen Flow? Der April kocht Jungfrau regelrecht weich. CHAMPAGNE Weniger durch Temperaturen als vielmehr durch große Gefühle, die keine Analyse oder TAITTINGER Vorsicht brauchen. Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Das Leben ist jetzt. Jungfrau kann sich nun gönnen, was zu anderen Zeiten undenkbar gewesen wäre. Brut Réserve 0,75 l Keine Versandkosten! WAAGE (24. September bis 23. Oktober) Nein zu sagen kann in den ersten Tagen des Aprils genau das Richtige sein. Und überhaupt, trotz Frühling hat Waage so viel Lust, sich in Bequem bestellen: Mußestunden zu verlieren. Lust darauf, Tage zu verleben, die nicht an Uhrzeiten und To­dos gebunden sind. Mit einem Menschen gibt es ein Thema der Vergangenheit, das 089/12140820 genauso gut unter den Tisch fallen gelassen werden kann. Waage bleibt autonom. shop.condenast.de/ SKORPION (24. Oktober bis 22. November) Der Aprilstart fühlt sich an, als wäre Skorpion vogue-jahresabo mit dem Fuß auf dem Gaspedal, doch die Handbremse ist gezogen. Jetzt bloß nicht ausflippen, der Schaden wäre größer als jeglicher Benefit. Geduld ist momentan keine VOGUE erscheint in der Condé Nast Germany GmbH, besonders ausgeprägte Eigenschaft des Tieftauchers im Tierkreis. Skorpion ist jetzt einfach Oskar-von-Miller-Ring 20, D-80333 München; nur urlaubsreif, und genau das wäre aus kosmischer Sicht auch das Schlaueste. Ein asketischer Monat in Sachen Action, ein erfüllender Monat für die Liebe. Jahresabonnementpreis nur 74 § (A: 74 §, Ch: 117 sFr.): Amtsgericht München HRB 56733, USt-IdNr.: DE 129 318 186; SCHÜTZE (23. November bis 21. Dezember) In den ersten Tagen des Aprils liebt es Schütze, genau das zu tun, was er:sie will. Es waren genug Einschränkungen und Beschränkungen, Managing Director Europe: Natalia Gamero del Castillo das Kontingent an Anpassungsfähigkeit ist aufgebraucht. Wahrscheinlich gibt es auch niemanden, der etwas dagegen einzuwenden hätte. Mal abgesehen vom eigenen schlechten Gewissen. In den ersten Tagen ist es umso wichtiger, keine Projektionen zu starten. Sondern den eigenen Rhythmus zu leben, so gut es geht. Weniger ist mehr. STEINBOCK (22. Dezember bis 20. Januar) Für Steinbock ist es besonders wichtig, im April heiße Themen zu umschiffen. Denn es führt zu nichts. Loszulassen hat Steinbock im letzten Winter ganz gut gelernt. Mit einer Menge Widerstand, doch dafür umso gründlicher. Die Klarheit, die Steinbock liebt und oft anstrebt, findet schließlich nicht nur über Aussprachen und Analyse statt. Stattdessen können sich die Bodenständigen eine große Portion Träume und Wünsche gönnen und vieles mit sich allein klären. WASSERMANN (21. Januar bis 19. Februar) Durchsetzen lohnt sich jetzt, nachgeben eher nicht – aufzugeben wäre wirklich Quatsch. Die ersten Tage des Aprils sind kein leichter Spaziergang für Wassermann. Doch dafür umso wichtiger, dranzubleiben und eine Pause anzupeilen. Spätestens kurz vor Ostern. Falls gemeinsame Urlaubspläne da sind, dann bitte etwas zum Relaxen. Nach den letzten Wochen nur Dinge unternehmen, die Ressourcen aufladen. Die eigenen Reserven sind runtergerockt und brauchen Befüllung. FISCHE (20. Februar bis 20. März) Was für ein Monat: Venus, Mars, Jupiter und Neptun im eigenen Zeichen – das bedeutet Reichtum, es ähnelt dem Paradies. Let love rule! Seit Ende letzten Jahres konnte Fisch wieder in diese Kraft kommen, die für andere wie unbegründeter Optimismus anrühren kann. Doch von wegen! Es hat sich nun allgemein herumgesprochen, dass Glück letztlich von unserer inneren Einstellung abhängt. Mit diesem Wissen kann man umso euphorischer in den langersehnten Frühling starten.

BUSINESS Was würde SOPHIE DELAFONTAINE tun? Erfahrungen werden noch wertvoller, wenn man sie teilt: Die Kreativdirektorin und Miteigentümerin von LONGCHAMP im Interview über persönliche LEARNINGS, BUSINESSANSICHTEN und die richtige Art von MOTIVATION W elche Eigenschaft macht stimmt. Dieses Bewusstsein hilft mir, in „Ich weiß, was ich kann, Sie erfolgreich? solchen Situationen schlagfertig mit FOTO: SAMUEL KIRSZENBAUM; INTERVIEW: KERSTIN WENG und lasse SEXISTISCHE Meine Energie. Ich gebe Kommentaren umzugehen. Das finde ich nicht auf, lasse nicht auch wichtig. Nur nichts hinnehmen! Man ÄUSSERUNGEN nach. Und vor allem: Ich sollte immer kontern. an mir abprallen. Das liebe meinen Job. finde ich auch wichtig. Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich IhrTipp für ein gutes raten – oder anderen Unternehmerinnen, NUR NICHTS Zeitmanagement? die gerade ihre Karriere starten? HINNEHMEN! Man Ein sehr gutes Team. Man sollte mutig sein und sich Fehler Man kann in gewissen zugestehen. Wenn etwas nicht so gut läuft sollte immer kontern“ Positionen nicht alles wie geplant, ist das nicht schlimm, man selbst machen, und es ist sollte nur daraus lernen. Mein Vater sagte die Mühe wert, ein Top- immer: Mache einmal einen Fehler und Team aufzubauen, um lerne daraus. Machst du den Fehler zwei- danach effizient arbeiten mal, ist es Dummheit. Ich habe das oft im zu können. Kopf, wenn ich Kollektionen designe. Man hat ja gewisse Faibles, aber nicht alles funk- Was tun Sie, wenn tioniert auch. der Stress zu viel wird? Ich telefoniere mit mei- Welcher Spruch entspricht Ihrer Ein­ ner Familie. Das erdet stellung mehr: „Fake it till you make it“ mich sehr. Sie schicken oder „Mut zur Lücke“? mir kleine Nachrichten, Definitiv Letzteres. Wenn ich etwas nicht wenn etwas Wichtiges weiß, gebe ich es offen zu und frage jeman- ansteht, das entspannt den, der sich auskennt, um Rat. Ich bin und motiviert mich. Sie sehr transparent in allem und fahre immer sind die Letzten, mit gut damit. denen ich zum Beispiel vor einer Show oder Was tragen Sie am liebsten im Büro? einem sehr wichtigen Generell kleide ich mich eher dezent: eine Termin spreche – auch gut sitzende, schmal geschnittene Hose, wenn es nur kurz ist. einen edlen Sweater und Blazer. Mit diesen Wie motiviert man sich an Tagen, an drei Basics spiele ich in unterschiedlichen denen man vom Job eher genervt ist? Varianten. Ich halte mich mit morgens mit Mit Cherry Picking! An grauen Tagen hilft der Outfitfrage nicht lange auf. Mit ent- es mir, wenn ich vor allem das tue, was mir sprechenden Accessoires wandle ich den besonders viel Spaß macht: das Kreative, Look je nach Anlass ab, tausche also die das Entwerfen. Alles mit Zahlen steht dann Sneakers abends gegen Heels. Ich liebe erst mal hinten an. Accessoires, für mich verändern sie das Die meisten Fashionbrands und Mode­ ganze Erscheinungsbild. konzerne werden von Männern geführt. Wie gehen Sie mit unangebrachten, No­Gos im Zoom­Meeting? sexistischen Äußerungen um? Nasse Haare! Diesem „Out of the shower“- Ich weiß, was ich kann, und lasse so was Look kann ich nichts abgewinnen. Wenn an mir abprallen. Meine Großmutter und man Menschen ansieht, dass sie quasi un- meine Mutter haben mir beigebracht, dass vorbereitet ins Meeting gehen, finde ich das Geschlecht egal ist, wenn die Leistung das respektlos.Weniger wegen der Ästhetik, vielmehr durch die Attitüde, die das in meinen Augen vermittelt. 194




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