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Chronik der Scharfschützenkompanie Wildschönau Teil 1

Published by h.hoerbiger, 2023-01-07 21:22:08

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Chronik der Scharfschützenkompanie Wildschönau Teil 1



Chronih to IBilbrdlönauür 5chorf|£hüljcn ßompagntß Seit i2.OhtolJsri745 nach Or iginalurüuni'en ütrtüljt UMl 1969-1974 von iBmdnihÄÄ fians Hlayr

2 Von der Entstehung und dem Weiterbestand der W i 1 d = schönauer Scharfschützenkompagnie . Über die Gründung der meisten Tiroler Schützenkompagnien sind keine Aufzeichnungen vorhanden. Auch auf das Bestehen der Wild= schönauer Scharfschützenkompagnie kann man nur aus verschiedenen Urkunden schließen. Schon seit der Erlassung des Tiroler Landlibells im Jahre 1511 und früher wurden in den Gemeinden bei Feindbedrohung Abwehrein= heiten (Fähnlein, Haufen usw. ) im Sinne einer allgemeinen Wehr= pflicht aufgestellt. Im Jahre 1741 wurden durch die Kaiserin Maria Theresia zwei Regimenter Scharf- und Scheibenschützen im Ober- und Unterinntal aufgestellt. Jedes Gericht bildete eine oder mehrere Gerichts^ kompagnien, In den einzelnen Gemeinden wurden hiezu nur Korporal^ schäften aufgestellt, die ein Teil dieser Gerichtskompagnie waren. Die Schützen der Wildschönau gehörten der Gerichtskompagnie Ratten= berg an. Der erste nachweisliche Schützenkorporal war im Jahre 1745 Sebastian Loy, der Erbauer der Oberauer Pfarrkirche. Er unterstand mit seiner Mannschaft dem Rattenberger Schützenhauptmann Joseph Feigenputz. Im Jahre 1796 ist Anton Füll, Bauer und Gerichtsausschuß zu Obing in Bernau Schützenkorporal. Er unterstand mit seiner Korpo= ralschaft dem Rattenberger Schützenhauptmann und Landrichter Johann Georg Kolbschmied. Im Sommer 1796 rückten 19 Wildschönauer Schützen im Verbände der 2. Rattenbergischen Scharfschützenkompagnie an die Bayerische Grenze in Brandenberg und nach Welschtirol aus. Die Tapferkeitsmedaillen dieser Männer sind im Bergbauernmuseum in Wildschönau erhalten. In Rattenberg wurden ja je nach Bedarf mehrere Gerichtskompagnien ge= bildet, zu welchen die Ortschaften des Gerichtes die Korporalschaf = ten stellen mußten, so auch inT Jähre 1796 gegen den jungen Napoleon.

3 Die Schützenkompagnie des Landgerichtes Rattenberg wurde im Zuge einer allgemeinen kaiserlichen Verordnung im Jahre 1741 auf= gestellt und damit auch die dazugehörigen Korporalschaf ten in der Wildschönau. Das Gründungsjahr der Wildschönauer Schützen ist daher das Jahr 1741. Erst im Jahre 1809 wurden in der Wildschönau selbständige Schützenkompagnien aufgestellt. Seit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1867 besteht die Schützenkompagnie Wildschönau als Traditionskörper weiter. Nach den Niedergängen des Tiroler Schützenwesens in den beiden Weltkriegen von 1914 - 1918 und 1939 - 1945 wurde die Wildschönauer Kompagnie im Jahre 1964 vom Wildschönauer Sprengeiarzt Medizinalrat Doktor Bruno Bachmann als S charfschützenkompagnie Wildschönau wiedergegründet . Bor go i m Vals uga na be i T ri ent Hier verdienten sich die Wildschönauer Scharfschützen im Kampf gegen Napoleon im Oktober 1796 9 silberne Tapferkeitsmedaillen, die im Bergbauernmuseum in Oberau aufbewahrt werden.

4 Wappen und Landesfarben von Tirol Der ” Rote Adler ” als Tiroler Wappen scheint schon um das Jahr 1200 herum auf. ’ ’ Ich haus der alte Adler von Tirol Ein jeder der mich erkhennen thuet, hat selten gueten Mueth. ” Im Jahre 1416 wurden dem roten Adler ein drei ­ zackiges Krönlein aufgesetzt. Kaiser Maximilian setzte um das Jahr 1520 dem roten Tiroler Adler ein ’ ’ immergrünendes Ehren- kräntzel aus Lorbeer ” auf. Zu den Landesfarben weiß-rot traten im 18. Jahr ­ hundert die besonderen Schützenfarben weiß-grün hinzu.

5 Tiroler &dler von Schloß Tirol um das Jahr 1570

6 Bas Landlibell Originaltext des Landlibe11s Kaiser Maximilians vom 23. Juni 1511 (erste Seite) Wir Maximilian, von Gottes genaden erwelter römischer kayser, zu allentzeiten merer des reichs, in Germanien, zu Hungeren, Dalmatien, Croatien etc., kunig, erthertzog zu Öster= reich, hertzog zu Burgundi, zu Lotterrickh, zu Brabant, zu Steyr, zu Kerndthen, zu Crain, zu Lymburg, zu Lutzemburg und zu Ghell= deren, Lanntgraue im Elsaß, fürst zu Swaben, phaltzgraue zu Habspurg und zu Hönigew, gefürsteter graue zu Burgundi, zu Flannderen, zu Tirol, zu Görtz, zu Athoys, zu Tusburg, zu Hollannd, zu Seelannd, zu Phiert, zu Khyburg, zu Namur und zu Zutphen, argraue des heiligen römischen reichs der Enns und zu Burgaw, herre zu Friesland, auf der Wynndischen Marich, zu Mechelen, zu Portnaw unnd zu Salins etc. be= kennen für uns, all unnser Erben und nachkommen, regierunden Herren und landsfürsten, unseres lannds, unserer fürstlichen Grafschafft Tirol, und thuen kundt lffenlichen allermenniglichen mit diesem brief: Nachdem wir in eingang unnser regierung bemelts unnsers lannds derselben unnser fürstlichen graffschaaft Tirol, allen stenn= den darinnen gnediglich bewilligt und zugesagt haben, sy bey ihren freyhaitten, priulegien, gerechtigkaiten, gebreuchen, guten allten gewonhaitten, herkumen beleihen zu lassen, inen auch dieselben datzu® mal gnediglichen als angeender herr und landsfürst confimiert und bestett und wiewol in iren freyhaitten, so sy von unns und unnseren vorfahren, fürsten und herren zu Österreich und grauen zu Tirol be= griffen und ausgedruckht ist, daz sy unns in kriegsleuffen nicht weiter verphlicht noch schuldig sein, dann ain monatlang in unnser lyfrung und irem sold in dem lannd an die confin zu dienen; und wo wir sy weitter brauchen wollten, daz wir sy dann mit sold und lyfrung wie ander dienstleut hallten sallten; so haben doch die erwirdigen, ersamen, geystlichen, andechtigen, edlen und unnser lieben getrewen n. unsere fürsten die bischoue zu Trienndt und Brichsen, auch die von prelaten, adl, stetten und gerichten bemelter unnser landt = schafft unnserer fürstlichen grafschafft Tirol mitsambt den unnder= thanen und lewten in der herrschafft Luentz auch den Pustertal und den dreyen Stetten und lanndtgerichten Ratemberg, Kuef stain und Kitzpuchl, sich aus sonderm untertenigen genaigten und guten willen den sy zu unns als irem rechten

7 Vöift tS ‘ „«U'ywxm V - ■ VJ *r* . v <vx»<u, ‘ {ttM ?r4ww<<». <tx40-w'<i» yr^Avvvcr s . * rV*' < i „Svrx 6 ama '\" f- yA O^YVV'y •> n Y yvxW ’ ’ A Y a ^ ! '«n vd.Vn^yx^ fcvi&wvi xrv»wi^'pf«*vMt ‘ .w^ <JX° ‘ '«A ’ yx Y«> V$i h T ‘ fcjöiv-ixjYW y Civol yv^O^ti^y« Av^<MoV>yvi v.vy&V'Vyyx y-'x 1*^1 • ♦< / y t v: vtYy ■ yx & äw < v k>vt^ y* ywrp^v» tl V v< <rty^v ^^A^vy^vr yi-frl iVv* ’ -'-«Mryf »>A\"y« x*xrt| yv% tV A y ^. v ^' ’ * y i'^vA-\"\" ■*• Am-K-w Mv W yt / vv fcr* '<* ’ ^w A W^A« ‘ -A vv > /yv«^ A - 1 j R<4 V*?' •(< wt4 ' VwwWtihMm« vvm/tVrf<p'V* M -* i^- V k ^ av U j ypfM < — . Z 7 / __ - • ■ -V«. - 1. .Jl --- ■ — - - X-^l -*■■ c <kvt/tfy*vi&t y*i iM^V ’ SvTtÄ'Wti V d^VTA-VW ?H?^YT^vy v ’ f-tftivW ’ i «vir- 3v a X '< v X^ < < vm^w, VvJ' ; f'/ wv4-^r/v»M «<* vfA — v <<A* i**> ^* y * «K. ' \" ' i7 ’ ’ ‘ 4jr^ny''^T<w^>; * , ^«vtv«0v yvAv» ö>ft^'4v-« fv> 'X-v»5 <A /^ii w ^ vwiä r AVi.M tvvufrvV y?ytv*vw»^** yrrM-' ’ -' > X^4^/xWV*14W^/Wil ^V*A'.Vrf\"Vv - 1-■ ^ : </V ' > V\" VYxt^ Vv^QA'xvxxYVjyi ‘ 'v.McdT -^«4>V>V t^-o^ tov»^ovy<v i ‘ <r'»».t^ 4 v . > - <5 % m trvyy /wtf&M ••♦ * r^l <X»(>r ftvrWrpy vuny*i ‘ <Ax? ^ vvh W w . x ÄW iW tw^rtvxAvv V'Avy-hfv/rvvvM£ *vit -rvYö-f5vU<wvvi3 A'» v A a ‘ i W0 Z ,V r,v Vv W-'fr /4r:> waCf*. VyvV *• \" ÖA5A^7 <-V»7, ^><14^ Svt^^ ’ vA- 'VVMj'V^V«XVt^VYbvvv*/Vv /* ^ v * 1 ÄV ’ >rt>-ey > v> , (^v4a'/vt'v<**)V^< 1 'yZ^4*'^^y ‘ ktom/rr i < ‘ 4^ <; 5t>Af^v*5- » v» ktwyr^4vt vr( f^ eYM,x t UvTVm »/ ♦/*#*.. i >v4y^ fVyJtvrÄ^ ‘ A i^YTT^X'itVV) VVvJ ÜP^vf^ ’ v.-A ’ <' „. / / '; ’ '. *> A yv ^M K* A #< «'»** ’ J *rtA{ < TT^nnxt^iP7x tty < xa bl^y^WT^\" vt^v ^xCi^.^ZSVyx Vwv««; *4^? r V^YVvrtfN'^ O^WtlitVY Uyv «v,v < vwvAmUf A-;v f 'Utvi>rt ^ rV **/^5 < /7 vwpvkvv >*vmj yAr-hU a VA* v »^ v <| yvi^/^n^ Wt. ‘ -J

8 Originaltext des Landlibells Kaiser Maximilians vom 23« Juni 1511 für die Grafschaft Ti rol (letzte Seite) mewten und zollen kainen zol zugeben schuldig sein sollen, doch sliesen wir herinn aus, die so ynnerhalb dreydreyssig jaren zu den adl kumen sein. Auf das, so haben wir die vorgemelten Ordnungen und artikel, so unnser lanndtschafft fürgenommen und sich mitainander veraint und und vertragen zu gnedigem wolgeuallen, angenommen und für unns, unnser erben und nachkommen regierenden herren und lanndsfursten unnser grafschafft Tirol, mit allen irm innhaltungen und begreife fungen confiermiert und bestett, auch dabey inen und ihren erben und nachkomen zugesagt und bewilligt, alles das, so unns, unnseren erben und nachkomen, wie obsteet, hier inn gepurt steet und vest zu hallten, confiermieren, bestetten, sagen inen solichs zue und bewilligen unns des alles hiemit wissentlich in craft dits briefs, maynen, ordnen, setzen und wellen auch, das dem genntzlich und volkomenlich in allen und yeden artigkeln gelebt, nachgegangen und voltziehung gethan werde; doch so sol solich Ordnung, gesatz, bewilligung und vertrag unns, unnseren erben und nachkomen regie= renden herren und lanndtsfursten der graffschafft Tirol, baiden stifften Triendt und Brichsen, den vier stennden von prelaten und adl bemelter unnser lanndtschafft , der grafschafft Tirol, der herrschafft Luentz und dem Pustertal, auch den drey stetten und lanndtgerichten Ratemberg, Kuefstain und Kitzpuchl in all annder weg unnsern unnd ihren obrigkaiten, freyhaitten, priulegien, ge= breuchen, guten alten herkomen und gewonhaitten unuergriffen und onschaden sein sol, alles getrewlich und onguerede. Des zu warem Urkhundt, so haben wir unnser innsigel an disen brief lassen henngen, der geben ist zu Innsprugg am dreyundzwaintzisten tag des monats Juny, als man zellet nach Cristi gepurde fünffzehen= hundert und im aindlifften, unnserer reiche des römischen im sechsundzwainzigsten und des hungrischen im zwayundzwainzigsten jaren. per regem Commissio domini pro se imperatoris propria Serntheiner (m.p.) (Die Originalurkunde des Landlibells ist aus Pergament, 27 cm mal 36 cm groß, zusammengeheftet durch eine dicke schwarzgelbe Seiden ­ schnur, insgesamt 8 Blätter mit angehängtem großen Siegel.)

9 I' yi (|VbVM $9 unwell b W fovS30llfVlViVf4vM0i£ * j vT»^ vwv<^yw«<»fi)p vm / ot » wwrp >*<v< V a - vv tZ^Vu*r^/vv^^ f jv t^öp6vv> WvV v m w**SXv v /|- i V* H vi4& V/ VvwvtfV vujvm Av V f V vi i ^2 W1 ^^ v > fl ’ vj 4v^i\\r^yvvv%d^xV>AVivßx^iyiv^/^ A ’ 1 ^ VO* } 5j WA VV| x -^ - t > )-7 V » V (' ■'' -

10 Landesverteidigungsordnung nach dem Landlibell von 1511 Durch den Landlibell wurde eigentlich nur die schon bestehende bis ­ herige Wehrverfassung des Landes Tirol bestätigt. Damit wurde für die Tiroler die gesetzliche Grundlage für die Selbstverteidigung des Landes geschaffen. Es wird von den Geschichtsschreibern als das beste Muster eines Landwehrsystems, das bis in die Jetztzeit herauf nach ­ wirkte, bezeichnet. Diese Verordnung des Landesfürsten hat also den Tiroler nicht erst die Fähigkeit zur Selbstverteidigung gegeben, son ­ dern diese Fähigkeit war schon in der Wesensart unseres Volkes be ­ gründet. Der Tiroler ist verpflichtet ein Monat dem Land zu dienen. Durch das Landlibell waren die Tiroler in der Lage, auch ohne höhere staatliche Führung gegen äußere Feinde und reguläres Militär aufsehen ­ erregende Erfolge zu erzielen, wie etwa 1705, 1796, 1797 und 1809» Im Jahre 1504 kamen die unterinntalischen Gerichte Rattenberg, Kufstein und Kitzbühel zu Tirol und damit auch die Wildschönau und sind unter die ” 5 Herrschaften ” im Landlibell eingegliedert und eigens erwähnt. Die Alarmierung bei drängender Feindesnot Auf ein gewisses Feuerzeichen (Kreidenfeuer) soll in allen Dörfern des Landes der ’ ’ Glockenstreich ” gegeben werden, das heißt die Sturm ­ glocken geläutet werden und daraufhin haben sich alle Untertanen des Landes vom 15. bis zum 60. Lebensjahr mit ihren Waffen so eilig wie möglich auf dem Sammelplatz einzufinden. Wenn an den gefährdeten Stellen einzelne Pässe und Klausen vom Feinde erobert würden, soll dieses allgemeine Aufgebot beim Rückzüge die Straßen zerstören und die Brücken abtragen. Wenn der Feind nachdrängt soll dieser ungan ­ gen und in die Mitte genommen werden und es soll ihm mit Waffen und Ablassen von Steinen zugesetzt werden und versucht werden ihn zu er ­ legen. Es war das das bewährte Rezept von 1809. Um diesen ’ ’ Gemeinen Landalarm ” geben zu können, sollen auf bestimm ­ ten Punkten des Landes ’ ’ Kreien- oder Schlachtfeuer\" angezündet werden durch alle Hauptstraßen des Landes (inntal, Eschtal, Pustertal, sowie über den Brenner-, Reschen- und Fernpaß und zwar so, daß man die Feu ­ er von einem zum anderen Punkt sieht und so die Feuerzeichen, die auf hohen Stangen ausgesteckt sind, rasch weitergegeben werden können. Der im Jahre 1552 vorgesehene Alarm durch reitende Boten und Alarm ­ schüsse wurde wieder aufgegeben, da er sich nicht bewährt hatte.

11 Auszug aus dem Verzeichnis der Kreidefeu erplätze der gefürsteten Grafschaft Tyrol vom Jahre 1647: Gegen das Ober Ynthal: Bei dem Hochgericht Ymbst - Kärer Piechl - Rietz -. Auf dem Kapff gegen Telffs - Flaurling - Schloß Fragenstein zu Zirl - Velenberg der orth Nasen genandt - Schloß Ambras. Gegen das Under Ynthal: Schloß Thaur - Schloß Friedberg - Vollandseck auf den Gnadenwald - Freundsberg - Tratzberg - Rotenburg - Eben - Matzen - Minßter - Fuldepp - Rattenberg - Kundel - Angerberg - Wergei - Kirchpichei - Lang= kämpfen - Kuefstein. Wie die Kreidenfeuer einzurichten sind (Verordnung vom 12. Feber 1647) i * Entweder soll man einen Baum r oder dicke Latten von 15 bis 18 Schuh (cirka.5 Meter) hoch nehmen, Stroh darum winden, dar= nach um und um, so weit das Stroh gehet, gute gehackte Scheiter darauf nageln, viele Pechkränze daran hängen und das ganze wie= der mit Stroh umwicklen. Kienspäne, dürre Reiser und dürre Spä= ne sollen auch angehefet und alles wieder mit Kienspänen über und über in Stroh zu stecken, wonach alles mit Weidenruten zu= sammengebunden werden soll. Zu oberst an der Stange soll ein guter Hut von Stroh darüber gemacht werden, daß der Regen nicht sobald einschlagen kann. Das Feuer soll wenigstens 4 Stunden lang brennen. Es sollen danben auch noch kleine Kano= nen abgeschossen werden, die Sturmglocken geläutet werden und Boten abgeschickt werden.

12 Die Zuzugsordnung (Mobilisierungsplan) von 1605 (Einteilung des Landes in ’ ’ Viertel ” ) Reichte die Mannschaft eines Viertels zur Bekämpfung des Feindes nicht aus, so mußte das benachbarte Viertel zu Hilfe kommen. Bei großer Feindesgefahr sollte ihm die ganze Landesstreitmacht ent= gegentreten. Das Landesaufgebot sollte 5000, 10.000, 15.000 oder 20.000 Mann betragen. In den Schlössern und Amtshäusern sollten Waffen bereitgehalten werden. Bei einem Aufgebot von 10.000 Mann (das ist jeder 10. wehrfähige Tiroler) hatten zu stellen: 1. Viertel Unterinnatal; Stadt Innsbruck ............................ 73 Mann Gericht Sonnenburg ................ 119 Amras ...................................... 34 Stubaital ................................... 70 Axams ................ 50 Hall ....................................... 79 Gericht Thaur .............................. 107 Rettenberg ( Volders/Wattens) .............. 61 Freundsberg und Schwaz ..................... 116 Rottenburg (Umgebung Jenbach) ............... 91 Hofmark Lichtenwert ............ 5 _ Summe ....... 805 Mann 2, Viertel der 3 Herrschaften Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein: Landgericht Rattenberg (mit Wildschönau) ... 238 Mann Kitzbühel ....... 322 Kufstein .................................... 301 Bergwerksleute und andere ...... 120 _____ Summe .. 7777.987 Mann 3. Viertel Wippta l (Brenner Nord und Süd) Landgericht Steinach ....................... 109 Mann Sterzing ................................... 217 Matrei ..................................... 24 Summe ...... 350 Mann 4. Erstes Viertel Oberinntal Gericht Ernberg (Reutte) ................... 305 Mann Imst ....................................... 163 Laudegg (Ried) ............................ 95 Pfunds .................................... 51 Summe ....... 594 Mann 5. \"das andere ” (2.) Viertel Oberinntal Gericht Landeck ................ 1 91 Mann Petersberg (Silz) ........................... 199 Hertenberg (Telfs) .......................... 136 Stams ....................................... 15 Summe ....... 540 Mann

13 6, Viertel oberes Pustertal ....................... 510 Mann 7. Viertel unteres Pustertal ...................... 788 Mann 8. Viertel Brixen (am Eisack ) ........................ 572 Mann 9, Viertel Eisack .................................. 115 Mann 10. Viertel Oberetsch ................................ 427 Mann 11. Viertel Unteretsch .................. 428 Mann 12. Viertel Burggrafenamt ........................... 604 Mann 15. Viertel Vintschgau .............................. 505 Mann 14. Viertel Valsugan ....... 504 Mann 15. Viertel Stift Trient ............................. 596 Mann 16. Viertel Welsche Confinen (Gebiete) .............. 861 Mann 17. Viertel Lagertal ................................ 601 Mann 18. Viertel Nons- und Sulzberg ...................... 678 Mann Kompagnieeinteilung Bas Landvolk soll durch die Viertelhauptleute und durch die unte ­ ren Hauptleute exerziert und abgerichtet, zur Wehr tauglich und geschickt gemacht werden sowie nach den einzelnen Gerichten in unterschiedliche Fähnlein (Kompagnien) eingeteilt werden. In jeder Kompagnie soll sein: 1 Hauptmann 1 tapferer, ansehnlicher Fähnrich 1 Leutnant 1 Feldweibel 1 Feldschreiber 1 Fierer (Unteroffizier) 1 Furier (Wirtschaftsführer) 2 Trommler 2 Pfeifer 4/10 der Mannschaft Muskatierer (mit langen Musketen) 4/10 der Mannschaft Schützen (mit kürzeren Hakenbüchsen) 1/10 der Mannschaft mit Spießen,Hellebarden u.kurzen Wehren eine Anzahl Schanzleute (mit Pickeln und Schaufeln, etc.) eine Anzahl Fuhrleute (mit Rössern und Wagen) Bie Aushebung Biese geschah durch das Los. Von den in einem Borf ansässigen Wehrpflichtigen wurde durch das Los \"ausgespielt ” , wer zum Bei ­ spiel von den 55 Wehrpflichtigen ziehen mußte, wenn 7 Mann zu stellen waren. Bie Ausrückenden mußten von den Baheimgebliebenen verpflegt werden. (Liefergeld). Bie Bestimmung der Mannschaft durch das Los war auch noch im 19. Jahrhundert bei den Schützen ­ kompanien und beim stehenden Heer üblich \"Leassn\" .

14 Ladschreiben des Schützenhauptmannes Josef Feigenputz von Rattenberg an den Schützenkorporal Sebastian Loy, dem Erbauer der Oberauer Kirche, zu Ebersleith in Oberau, vom 12. Oktober 1745. Übertragung in die heutige Schreibart; Dem Schützenkorporal Sebastian Loy in der Oberau zu bestellen. Oberau Oberwildschönau So Gott will wird am nächsten kommenden Sonntag, den 17. dieses Monats, um 9 Uhr der übliche Schützenjahrtagsgottesdienst im hiesi gen Vikariatsgotteshause gehalten werden und nach Schluß desselben auf der hiesigen Schießstatt ein kleines Übungsschießen um 6 Gul= den das Best und 1 Gulden 50 Kreuzer in dem besten Kranz neben einem gemachten Kränzel gegeben werden. Man hat also den Schützenkorporalen Sebastian Loy in der Ebersleithen in der Wildschönau zu benachrichtigen , daß derselbe mit seinen unterstehenden Schützen bei den oben angeführten Gottes dienst und sodann, wer Lust und Lieb hat, sich hier bei den ange= führten Schießen sich einfinden möge. Ebersleithof 1975 Gegeben zu Rattenberg den 12. Oktober 1745 Josef Feigenputz Schützenhauptmann

15 vt » t «iM4$ y*- >1 t V VVt * ' »114. / ' V't ■ 1

16 Tirol in Gefahr! Die nap oleonischen Truppen bedrohen das Land Im Jahre 1796 wandten sich die französischen Heerscharen gegen die Grenzen des österreichischen Tirols. In Süddeutschland konn ­ ten sie abgewehrt werden. Im Süden drang der junge Napoleon von Sieg zu Sieg und hatte bald die ganze Poebene in seinem Besitz. Für Tirol bestand höchste Gefahr. In seiner Bedrängnis wandte sich das Land mit einem Bund an Herz Jesu. Tirol war auf die Landesverteidigung nicht vorbereitet. Die Zuzugsordnung (Mobilisierungsplan) wurde nach dem alten Land ­ libell von 1511 genau bestimmt mit der Bestimmung und Verpflich ­ tung, daß alle waffenfähige Mannschaft vom 18. bis zum 60. Lebens ­ jahre auf das Abbrennen der Kreidefeuer und den Ruf der Sturm ­ glocken zu den Waffen zu greifen habe. Besonders aber richtete sich dieser Aufruf an die Schützenkompa ­ nien, die als lebendiger Ausdruck der Volkskraft, durchdrungen vom Gefühl engster Heimatverbundenheit zwar bereits bestanden, jedoch in keinem verteidigungsbereiten Zustand waren. Auszüge aus alten Urkunden dieser Zeit 1796: .... unsere Aufmerksamkeit müssen wir vor allem unseren Landesgränzen zuwenden, wo die Frankreicher in das Land eindringen könnten ..... Aus Ausrufen und Berichten von tirolischen Bezirkshauptleuten in jener bedrängten Zeit: \"Es ist besser, 10 Freiwillige Kämpfer zu bekommen als 20 Angeworbene. ” ’ ’ Die Schützen wollen unter keinem Militär-Offizier stehen, sondern wollen sich ihre Hauptleute sel ­ ber wählen, nach altem Recht. ” ” Zum Segen Gottes ist auch die Selbstverteidigung notwendig, beten allein ist zuwenig ” . 21. März 1797 ’ ’ Der Geistlichkeit werden die nötigen Abdrücke einer Landes ­ verordnung unverweilt zugestellt werden zum Verkünden von der Kanzel und zur anbefohlenen Bitt- und Bußandacht mittelst Aus ­ setzung des Allerheiligsten Hochwürdigen Guthes und Abhaltung ’ ’ Beten allein ist zuwenig ” mahnte der Pfleger der Llichelsburg in St. Lorenzen bei Bruneck. Er war ein glühender Verfechter der wirk= samen Landesverteidigung . einer passenden Predigt ” .

17 Alle Gemeinden und Schlösser mußten der Landesregierung im Mai 1796 den Stand der Waffen melden. Ein Südtiroler Bezirkshaupt ­ mann schreibt aus diesem Anlasse an die Landesregierung: ’ 'her Muth und die Bereitwilligkeit der Unterthanen zur Ergreifung der meist noch nicht vorhandenen Waffen ist lobenswerth, es mögen doch baldigst Waffen geschickt werden. ” Die Stadt (Festung) Rattenberg meldet den Waffenbestand: 21 brauchbare Militärflinten 21 detto, sind nur nach äußeren Ansehen brauchbar 16 Flinten, theils ohne, theils mit unbrauchbaren Schlössern 36 ganze Patronentaschen und Bajonetten, doch sind die letz ­ teren ganz verrottet, 1 Catusche 7 alte Hellebarten Waffenbestandsmeldung des Schlosses Maria Stein: ” ... und was die vorhandenen brauchbaren Gewehre anbetrifft, muß Unterzeichneter gehörig anzeigen, daß nur 3 brauchbare Gewehre vorhanden sind. (20. März 1796) Waffenbestandsmeldung der Rüstkammer Kitzbühel: 27 Musketen 302 Pulvertaschen 31 Hellebarten 250 Pickelhauben 38 Pantzer 3 große SChlachtschwerd , ohne den beigehörigen Scheiden Das ganze Gericht Rattenberg (einschließlich Wildschönau) hat; 154 rostige Musketen 134 Patronentaschen 126 Bajonettkuppeln 234 Musketenkugeln 1 zerrissene Fahne 1 durchlöcherte Trommel, ohne Schlägel In diesem traurigen Verteidigungszustand war also das Land. Wie aus anderen Berichten hervorgeht, hatten jedoch die Schützen ­ kompanien bereits die meiste Ausrüstung. Bald kam der Aufruf an die Wildschönauer Scharfschützenkompanie zum Grenzschutz nach Achental und Brandenberg und zur Feindabwehr in das welschtirolische Valsugana ....

18 Dem Haptmann (Ortsvorsteher) zu Kirchen -j-n norulpaoh zu bestellen. Oberau Derselbe hat sich sogleich zu dem in seiner Haptmannschaft befindlichen Miliziekompagnie=Korporalen zu begeben, dessen Nahmen sowohl, als Alter aufzuschreiben, und ihm auch um seine untergeordneten noch lebende Milizioten (Wehrpflichtigen) zu befragen, und zugleich derselben Namen und Alter aufzuschreiben, und solche Beschreibung dem betreffenden Gerichtsausschuße läng ­ stens den nächsten Donnerstag, oder 26. ten dies Monats unfehlbar einzuhändigen. Sollte der Korporal bereits schon verstorben seyn, so ist solches in obiger Beschreibung anzumerken, und in selben doch die Nähmen (Namen) , und das Alter der noch übrigen lebenden Milizioten aufzuführen. Derselbe hat sich auch untereinst zu erkundigen, ob die Korporalen, und Milizioten mit dem ordentlichen Milizgewehr nebst Untergewehr, und Pulverhorn versehen sind; und bei wem allenfalls was abgehen sollte, solches in der obigen Beschrei ­ bung, welche dem Ausschüße (Bürgermeister) zu übergeben ist, anzumerken. Rattenberg den 18. ten März 1796. Joh.Georg Kolbschmied Stadt- und Landrichter

19 r .A t Z 7 <*|k ■<«>'; t <£ t + :-?Z i v^l If-'lf'f> X/- tt tyt » ''^ > % . . C*.< / A vt / t <r << < / t / n . y . -<., / ■ >t/' 'i'n ^- h r i $ h / o t y . n fr * t n / t »v. ’ Jfcv hi ntt V *- n ' n 4^' . f i . L / i -»1 / » . ■ t i L t t/i '/ . V* > ■.*<?' Q <p i l L * iS “ * X / 0 i?\"-7ä i/ ■ * £ z -7 < > t ^ uh < - '2 6, ***\" \"b- 1 1 1 1 fit o - ■ >t n v) « ' z ' 7 . <* v /V' TV A*/ /> f tA f H 't z -' ' ' •• \" ' • // tt* iS*h i t -t.''i ,- > ’ >' n « i « j ■> € t l t t* n i f t-/ i r « ■L^.- • /, ’ z » T x :/^- f » i . i t t . - i*i */ <r t tt t ' / /i ■/■ ■' .. f x t-iXo^-'w n t »■ / fl j i h 1 : / /? -l V l> / ' ■ -..» <ä r 1 M-<

20 Dem Haptmann (Ortsvorsteher) in Thierbach Derselbe hat sich sogleich zu dem in seiner Haptmannschaft befindlichen Milizinkorporalen zu begeben, dessen Nahmen sowohl, als alter aufzuschreiben, und ihm auch um seine untergeordnete noch lebende Milizioten (Wehrpflichtigen) zu befragen, und auch zugleich derselben Nähmen, und alter aufzuschreiben und solche Beschreibung dem betreffenden Gerichtsausschuße (Gerichtsbeauf ­ tragten) längstens dem nächsten Donnerstag, oder 8. ten dies Mo ­ nats unfehlbar einzuhändigen. Sollte der Korporal bereits schon verstorben sein, so ist solcher in obiger Beschreibung anzumerken, unden, denselben doch die Nähmen, und das Alter der der noch übrigen Lebenden Militioten aufzuführen. Derselbe hat sich auch untereinst zu erkundigen, ob die Kor ­ poralen, und Milizioten mit dem ordentlichen Milizgewehr nebst Untergewehr, und Pulverhorn versehen sind; und beim wem allen ­ falls was abgehen sollte, solches in der obigen Beschreibung, welche dem Ausschüsse (Bürgermeister) zu übergeben ist, anzu ­ merken. Rattenberg den 18. ten May 1796 Joh.Georg Kolbschmied Stadt- und Landrichter. Dem Haptmann in Thierbach zu bestellen

21 W\" ‘

22 Beim ’ ’ Salitterer\" in Niederau in welchem Hause Salitter für die Erzeugung von Schwarzpulver hergestellt wurde.

23 SBornacb fleh bann gu benehmen fff. •V ■ ’ ■■ (£aaW; ©tfcnfion 9lro. S3 6 «) ! 3nn«brutf ben 9ten 3uno 1796. 3n bfefen Anbetracht wfrb bemna$ verorbnet ba§ toe* bet Saftterfieber t noch $ufoerma$er gu ben Scbarffchüoen Äompagnteti/Unb ber ßanbmifig etnverletbt werben faden. grang Xaver greuberr von SHauerburg gu ßilienberg. ineS ber tvefentfichen Bebürfhtffe be5 ßanbeJ • ©e» fenffon fff bie ununterbrochene ©rgeugnifi bei ©chiefl« pulveti SRarMan ffbriftopb grtpbtrr v. SBaibmantöM ©oiwtrntur. Seopolb granj ©raf von tiniöl Sigeor&ffbent. V

Wildschönau Korporal Anton Fill, Gerichtsausschuß und Bauer zu Obing untergeordnete Mannschaft. 1. Johann Seißl , lediger Bauernsohn zu Bichling 2. Sebastian Unterberger , lediger Bauernsohn zu Dembla 3. Peter Gföller auf der Me Ichstatt 4T-Jeeef-StaiHeF T -ledige3?-Baue3?H6ehR-gH-gwetela 4. Thomas Braitenlechner , Sohn zu Unterberg ^T-Miehael-SekalleFH-'fsj-KHeeht-bei-Geef ’ g-Heklriedes?, Verleben 3. Kristian Klingler am Stain 6. Johann Hollrieder , lediger Ingehäus auf der Schwenta 7. Joseph Sanbichle r, ledig im Schainbergerhäusl 8. Kaspar Hörbringer , lediger Bauernsohn zu Weisbach 9T-AHten-May3?--Me6Hea?-iH-de3?-9be£ ’ au 9. Joseph Orgler , Bauer im Stainhäusl lÖT-Peter-Weiebaehery-lediger-BauerneehH-SH-PaffigarteH 10. Johann Haberl , Bauernsohn beim Stölln zu Unterberg 44--Kaspa3?-Wibffie£ , T -led-igep-BaHe3?H6ehn-0H-Paffigaa?teH 11. Johann Kostenzer , ledig beim Klingler in Thierbach 42v-Matthias-Ma3?g3?eitte3? -BaHe3?-beiffi-Berauer-0u-Haue T 12. Georg Haas, Bauernknecht zu Hollried 1/ Derselbe hat sich nebst der vorstehend gemeinen Mannschaft in allen so bereit zu halten, daß auf seinzeit erfolgenden Ruf ohne Anstand und Abgang ausmarschiert werden kann. 2/ Hat derselbe zu vorläufiger EXERCIERUNG im Schiessen, worin hauptsächlich auf Geschwindigkeit, und unterschiedliche Schuß= weite sich geübet werden solle, bei Herrn Bichler, Handelsmann zu Rattenberg für sich, und seine Mannschaft 2 Pfund Schieß= pulver abzuhohlen, welches unentgeltlich ausgetheilet wird. 3/ Sind die Radschlösser der ausmarschierenden Mannschaft ganz untersagt, weil dieselben im Felde nur zur Hinderniß und Ver ­ mehrung der Gefahr dienen würden.

25 5 i » *<< ■ F. - F, $ ” ’ •i t y ) $ S' *4*w~ « *♦< < ? <F <4F<-<€y'y izi t (*u r -> /Z', - --- — rfbr&örcrf ------------------ j — rr Y- A,^)z/f J • *• <4» a uf *7 h ** o /? ~ x z , Z / / >%*»/»»*<* gltwww JT* y fl i* I II > ■ tf I M M pi lli l » // / ' / &•// ~ /* Z . S ■ /? Z Z I |R« i */■ i * iT Ii (> W>U1 1JI» t « 41 1*44*7* -♦ A- M 1 ****^ t t / p a ' J * .*>* J */*+* * **%*4^t *t f /nu^ t ti T*< «<

4/ Muß jeder Schitz äusser dem regulären Gewehre auch die ordent= liehe Ladung, Pullverhorn, dann Kugelmodel, und Kugelzieher haben auch mit vorräthigen Einschlagn versehen sein. 5/ Hat der Korporal seine Mannschaft über obige Gegenstände zu Mustern, die wahrgenommenen Mängel auf der Stelle, wenn thun= lieh zu verbessern oder zur Verbesserung anher anzuzeigen. Rattenberg den 13. ten Junius 1796 Joh.Georg Kolbschmied Schützenhauptmann Bem Anton Fill als Schützenkorporal in der Wildschönau Der Obinghof in Bernau ( 1973 ) Zu Obing ist Erbhof seit 1669. Anton Fill war in den Frei= heitskriegen Gerichtsbeauf = tragter,Scharfschützen korporal und Bürgermeister

27 »7X ‘ 4*, F 9

28 Weihe des Landes Tirol an das Herz Jesu Als die Gefahr der Eroberung des Landes durch Napoleon zur schrecklichen Gewißheit wurde, nahmen die Stände Tirols die Landesverteidigung in ihre Hand und beriefen in ihrer Not einen Kongreß nach Bozen ein, der vom 30. Mai bis 3. Juni 1796 tagte. Es wurden in dieser Landesversammlung verschiedene Maßnahmen zur Verteidigung der Grenzen beschlossen. Auf Vorschlag des Abtes Stöckl von Stams gelobte der Kongreß außerdem, das Herz-Jesu-Fest alljährlich feierlich zu begehen , um den Beistand Gottes in Feindesnot zu erlangen. das Protokoll zu diesem Gelöbnis wurde am 1. Juni 1796 abgefaßt. Nach der siegreichen Schlacht am Berg Isel am 29. Mai 1809 hat Andreas Hofer dieses Gelöbnis feierlich erneuert und das Fest zu einem ständi= gen Feiertag erhoben. Er verordnete hiezu: \"Der Tag soll in allen Tiroler Kalendern roth eingedruckt werden. \"

29 Historisches Herz-Jesu-Bild vom l.Juni 1796 in der Probsteipfarrkirche in Bozen

30 Bem Gerichts=Ausschuß Anton Füll Derselbe hat den freywilligen Korporalen der hiesi ­ gen Flintenschützen, oder Milizin=Kompanie Sebastian Haas von der Oberau oder Kirchenteil, weil er noch nie erschie ­ nen und bemelte Kompagnie nun ohne weiteres zu Stande zu bringen ist längstens bis nächsten Samstag, oder 3. ten September zum Empfange des Gewehres, der Patrontasche, und Kuppel bei schwerer Verantwortung sicher anher zu ver ­ schaffen. Rattenberg, den 31. August 1796 Andreas Endberger k.k.Rathtsmann Bem Anton Fül , Gerichtsausschuß in der Oberau

31 ■■.IM*** Hu ..... « um — r 1-t vt-M I f/ ,V

32 Korporal Fill 31 .August 1796 :1 : Unter&erger Sebastian zu Demla, :2: G-föller Peter auf der Melchstatt, :3: Seisl Johann zu Pichling, :4: Stainer Joseph zu Zweckla, :5: Riedmann Matäus zu Prä (geht anjetzo vor dem Schallner) :6: Hollrieder Johann auf der Schwenta, :7: Sandbichler zu Schainberg, :8: Mayr Anton, Mößner, :9: Weißbacher Peter zu unter Pämgarten, :10: Wibmer Kaspar zu Ober Pämgarten, :11: Margreitter Matthäus zu Haus, : 12: Hörbiger Kaspar zu Weißbach (gefunden zu Obing)

33 -'.« ‘ I I ( r i I« 4U f *> - -1^ ‘

34 Hohlöbl. Tyrol. Landschaft! La gemäß des neuerflosssenen allerhöchsten Patents alle Tirolische Landesvertheidiger mit der Denkmünze betheilet werden, welche eine längere Zeit vor dem Feinde gestanden sind; so bittet der Unterzeichnete für seine untergehabte zwote Rattenbergische Scharfschützen ­ kompagnie um Unterstützung, womit auch den bei selber gedienten, in der nebenstendigen Lista verzeichneten Induviduen diese Denkmünze allergnädigst verliehen werden wollen, weil dieselbe Kompanie vom 30. August bis 4. Oktober 1796 an der bayrisch Gränze und vom 9. Oktober bis 20. November 1796 an den welschen Konfinen (Gebieten) gegen den

35 l n ' ‘ 7 n ** n 1 » A «- I // a ; r / \" t ) I I *^*1 4 ♦ ft \" . il t i i i I «. t X n < i 11 > r i n .., P k ' h.// n tnt tin < • i / * r * / 7 • 9 # tfx^ i f • * * f C 19-1 t I V •n «> ll i f t tK p\" S. ant/ , .) \" • / ) 'tf-ck ly; Z, y/V 7 I , i i / i t' 1 * 1 l)

36 Feind gedienet, und beim letztem Auszuge zween feindliche Angriffen, nämlich den 31. Oktobris bei Borgo in Valsugana, und den 4. November zu Levico beigewohnet hat. Rattenberg den 13. Oktober 1797 gez. Hoffingott der 2. ten Rattenbergischen Scharfschützenkompanie gewester Hauptmann. \" xroi i oi buxw nn Gl- m KM ISSIMO ii;i l ‘ (> is oi l'Mx cask || (, x| I I I MIUU 17 9 G Die Wildschönauer Scharf = schützen sind in Borgo in Valsugana bei Trient direkt dem jungen Napoleon gegenüber= gestanden. Napoleon kam gegen die große Tiroler Schützen= mässe damals nicht durch. Gedenktafel in Bo rgo ’ ’ Napoleon Bonaparte, Generalissimus wohnte in diesem Hause am It.Sept. 1796 ” Uh

37 i « /I lt •U ■>, • 1 / >■ ; l < L l 4 t i fi ’ t. l * f » F * 'i ’ ? i . * 1 I» / A « A/ Q i < tic 4. .Sn f? C 'S, x* i < G K S Jt ft ♦-« < 4 t^l ty h t t O < i i * ° 9 1 11 i < 7 /IT I <? \"Z ” X? 7 i i t*f v* xyh 1 'n 1 1 J7. l^a a na , Sl ) a- £ »*- < '■ <- h. t * ** / 9 '6~tl Hl V 71 1 l / / ’ /'/ // / “ / n “ /■ r

38 Standes Lista Der bei der zweiten Rattenbergischen Scharfschützenkompanie vom 30. August bis 4. Oktober an der bayrischen Gränze im Brandenberg und vom 9. Oktober bis 20. November 1796 zur Deckung des Etschviertels ge ­ dienten Mannschaft. Nr. , Chargen Nähmen ZivilCharakter gedient Brandenberg Etsch 1 Hauptmann Ober= lietnant Alois von Hoffingott Stadtschreiber= adjunkt / / 2 Alois Hußl Handelsschmied am Achenrain / / 3 Unter= Franz Bichelmayer Schullehrer in / / leitn. (ist geblieben) Brixlegg 4 Fähnrich Johann Ascher Lendamtsgegen= Schreiber / / 5 Oberjäger Franz von Pfeiffersberg Reichsritter zu Matzen / / 6 Fourier Joseph Weinold Bauernsohn zu Brixlegg / / 7 dtto Albert Bouthiller Gerichtsverwalter= sohn zu Stumm / 8 Chyrurg Thomas Reiserer Wundarzt zu Rattenberg / / 9 Trompeter Joseph Schweigl Stadtschreibersohn zu Rattenberg / / 10 Trompeter Anton Diechtl Tischlermeister zu Rattenberg / 11 Zimmermann Joseph Seißl Zimmerer in der / / Wildschönau 12 Zimmermann Michael Weisbacher Zimmerer in der / Wildschönau 13 Zimmermann Georg Werlberger Zimmerer in der / Wildschönau 14 Gemeiner Johann Dinkel Bäckermeister in Rattenberg / / 15 Gemeiner Joseph Gagg Kupferschmiedmeister in Rattenberg / / 16 Gemeiner Johann Hofmann Schlossermeister Rattenberg / 17 Gemeiner Joseph Allram Metzgermeister Rattenberg / 18 Gemeiner Leopold Thaler Bauernknecht Moserthal / / 19 Gemeiner Johann Altenburger Hüttarbeiter Brixlegg / 20 Gemeiner Anton Glutsch Schneidermeister zu Brixlegg /

39 X lin i X' jt . 'i/ 4 > » i ‘ I 2 f 0 t/ S o »** •» i> t** < < ‘ * ? / 7 C) C* ) ' *-** ‘ /■ .t *■ | k <y*>» 7 tJ! / ‘ ••' ” '■ * f^t ^4 /iA f 7 - /Z,- ? Z« < « ^4T«> < .9 a < < /^A3r </ •♦ • ■* t ff •3/' 1 4 » <<<**« i f ' tXzV t i' « *-* * i »yS 1 »*-< *> «> * A 7 (/ \" . »n t r fi. t 7 7 X t V * , /c nd ni t\" Z«/ 44 £f3c (7 0 fi'' . /• J ......... 7 ;> ti d/n tyruZ-f > y^ir t*ui / 1/ /, / / / r tir r • . wt */*• /* f ^Zb, r J 7 7 *7 *<■*< * n<' * 1 * ' •/.?. .• ’ / ä /; ■/. i ’ 7- */ *« t* x r*^ e, f' ’ ^7 r 7 .■- 7 ; 4 /, // 77\" *- ‘ 7 <y J dy/ *♦<«/« v„> /y n Q / .-• < fi < i 111 4 *.*) n l * /4~ ft >-f » 4 t * 7 7 .*• 4 « * n V'ii* y if^t' 1 ‘ 1 ^t> i • jfyUrv ZyTv. >f b ~£ K 7? » 7// n <» 7 r '■ ’ M 'l (> Jf 7f • J y,i* «*4?t n *r /* *</,/- 7 • .7*0 A* 7 '^ ' \"\"\" “ “ J >* c 1 f v «i « < fi v i/f t • . 7 / . y / •7 7 .** ’ -*/'• Z 7 - / l * A» / V r* • • f f > < f 1 ' * 4' l' * X^*« r / 77/^^ 7 ■ ■ f J 111 i* -' - - i ff ' — . --------- .\"/■<■ ’ ----------------- ------- 7 ' ” »*< i ' rt * 7'> //^ • i «» / 7 4 q ^r ri * ■ 7 .... 7\" ’ ---------- 7~ 5 ----------------------------- 7 7 cf ' 7 /■ ; 7J,» *' ff n ** 7 7 77 — --------- Z r - ? / . c 3. . 7/p 4,/v i i v- t* t t i. ’ lf» 4 1 f l. ■ ■ * ” • /) < * A < ’ • • • - '■* ■« / / • • • 77 n fr'< ' , 11 ii t * J t ’ * «» a *- ’ * * • / 7 /'Z / 1/3 ,A* /7 <? ■/ y i r/Ai ‘ 4 1 ^ f f *■**■ <-d> n n tr* i — . 7 ^' ■ '■' \" - ’ •:' :>.! 1 Z/ // • V* ’ ’ • >* * ' ‘ « * n '^^nr n ]t ---------------- , ’ 7) x ; * ♦ « «Tw# « » < n c/dfu. // /' 9 f * • tt /4Att b / — iS Jo Z - 7^- t/ 3..-X acfi z/X»' <^ ‘ $ / n 7 7 tö A? ^«yt < ZW Q 7 17 ,9\" 4 <7 /? (7 /?/> / y n.*it( /f\" t't t / 1 ^73 4y n tf> «< z/iryjj^ Z^4A /<« / ]$ 9< ’ 4 f l <^<1* '7 ft tr ^f* t n * tu//(i^ Ti / 4» 7 fc) K * 3 i / 'f *7 j fty * a < < * t fh 11 / t, ty n. 41 1 / l/ct a 14 't »r .7* '/*V ’ 7Z'4r 7 'Z0 1 t 7*7yAZi^rt ‘ m^J 3 rS^f/L 7 1 ' . ■n ’ i.> •• ■ : ■ ►

40 Nr. Charger Nähmen Civilcharakter Bran< gedient in lenberg Etsch 65 Gemeiner Johann Hofman Schlossersohn zu Wörgl / 66 Gemeiner Michael Prühlinger Bauersknecht zu Wörgl / 67 Korporal Balthasar Pletzacher . Bauer in Wild= / / schönau (Moosen) 68 Gemeiner Johann Riedmann Bauer in Wild= / / schönau (Tiefental) 69 Gemeiner Johann Holzer Bauer in Wild= schönau / ■■ /. 70 Gemeiner Michael Schonner Wirt in Wildscönau / / (Dorferwirt ) 71 Gemeiner Kaspar Laner Bauerssohn in / / Wildschönau 72 Gemeiner Anton Hörhager Bauerssohn in / / Wildschönau .73 Joseph Riedmann, Gemeiner Bauer in / / Wildschönau 74 Gemeiner Thomas Gwiggner Bauerssohn in Wildschönau / / 75 Gemeiner Georg Schwarzenmoser Bauer. / Wildschönau .16 Gemeiner Mathias Riedmann Bauerssohn in / / Wildschönau 77 Gemeiner Johann Koch Bauerssohn in / / Wildschönau 78 Gemeiner Kaspar Seißl Bauerssohn / / in Wildschönau 79 Gemeiner Georg Weisbacher Bauerssohn in Wildschönau / 80 Gemeiner Andrä Schwarzenmoser Bauerssohn in / Wildschönau 81 Gemeiner Johann Klingler Bauer in / Wildschönau 82 Gemeiner Johann Pechriggl Bauerssohn in / Wildschönau 83 Korporal Andreas Margreiter Bauer von Reith / 84 Gemeiner Michael Lechner Bergknappe von Reith / / 85 Gemeiner Bartlmä Ruprechter Bauer am Brunnerberg / / 86 Gemeiner Bartlmä Winkler Bergknappe am Zimmermoos / /

41 * - <// \"p ' ! V l l*rf t l «- n t t AZ? ’ 1 J > ” ’ 4! [/* ’ « 7 >« «\"> » ö < »^» < */*• A. V. z f ’ ■ : . 1 c c 0 ■ ■< 7\"/\"G ?ü “ '-0' ................ ,. ^hyy^n </>/*< — Qv t 4 > ‘ JV* ’ . , n r' A 1 ( Ü 8/ 3 s y • c n fp^-/ * • ” ‘ J < /'v y z .> ( ........... 1 — P7 I II -<> l + fpp, »** ‘ ML - / r \" \" C-{Jh /»«>♦' / r> /b <>< y'\" | 7^ 9 *4 / / n. tf \" 11 * V i C 1 f l p 11 th ». » / 1 Ad 9 * * ly yi / t l A » »Ul / i C n 1 1 **t / ‘ t i ' | TiefeuÜ / i. < ’ 9 / » * i 7/ <*/^ /> Ü 1 / Z y' • / f. 7c ’ Af Z ä ZZT ä ^ZZZT | itt, yfjiL^j'S **1 Ih / 9 7/ lA ;; ........................ ? ...... ;■■ ..... .. v ** T x *\"* f * | yj^t^ l k n tf-^r f • lAZ^ / ? i zr Ctf \" V \" t llw rf* y * ü 1 < 0 < . / i 7J ’ b? < '/ /-7(Z?» 4 L • //•^/ f ” *-\"\"'*■ | / - ■7. A A ~?7 -r 7 ~ r , / / //' '■ v-\"* 1 ,. ' 0 ^ / i t 1 n t L 1 1 i L € t ff T / 1 ■7 C a/» 1 v * A t ♦ z /j #<'*/<' > *7^ >t- 1 [ i ' i ' l ’ t\" « i n lr~ tl /z < > ~ 7Ö p< t r^i b |A*/ 14 a 4 ? t c 1 ‘ n / 7 — 77 bf //* .... 1 it »** n »r Z 14 V< * ** 1 Z« 4 ^ tf-/ / v / 7 7 7V l? 7 a “ * ‘ 1 Qv 1 - 7 y 7 r i < /? <7 / ’ ’ z 7 P j J n z ‘ » x p 1 h 1 1' &- i Y i / n | 1 / / 80 p — p j d / < ?V<v < y />r<* * > ” 1 * ' I » « < <y i eO +- 1 Pt • t »v »f- V } 1 *7 4 V <A 09- P^' P~tf ‘ l / u - 1 / $ /' 1 *11/1* \" 'JV «* 7 * /r ' | /* •6 4*» lz*r^r* * » • X ei f ( i p J VI t 1 l ’ t t ! ... . / r ' n v j x l p x 1 » xZC t<V 7 • b 1 J' |c' / i a iq *' 11 7 \" z z + hf/lfff i/ 7 1^ A < %) Z*z^ <« n lü 1 / 1 1 ............... ...... r/ n * “ ^s Z z 9 / vnr^Ztc 4 ^ Jf-Ptt «rir* / / a c I & “ ■ ~/p ------------- 77 — ] ' / *7 < Z '' ^-- p xrt H » > n i 1« < « « 6 4 V ‘ • “ * ff V 1 7 p / •» ^/Z Z ’ i tf-t-i c 11 n l v i i i /<- » -. et tf- 1 * > f 1 1 i e ty t i u 7 ' . . J

42 Dem Anton Fill zu Obing in der Wildschönau als Scharfschützenkorporalen Da nächsten Erchtag, oder den 2. ten Oktober 1798 früh um ” 8 ” Uhr auf hiesiger Schießstadt die Vertheilung der kaiserlichen Ehren Medaillen und Geldbelohnungen vorgenohmen werden wird, so wird ihm Korporalen hievon mit dem Auftrage Nachricht gegeben, daß er nicht nur seine unterhabende Mannschaft sogleich zu verständigen sondern auch mit selber feyertäglich gekleidet, und mit dem Schießgewehr versehen an den oben gemeldeten Tage oder 2. ten Oktober frühe um 7 Uhr auf hiesigen Stadtplatze sich persönlich einfinde. Rattenberg, den 29. September 1798 Johann Georg Kolbschmied Stadt- und Ländrichter Zur Geschichte aus dieser Zeit In der welschen Vasugana (Trient) waren auch Wildschönauer zum Schutze der tirolischen Südgrenze eingesetzt. Die Medaillen, welche sie am obigen Tage erhielten wurden der Muttergottesstatue in der Pfarrkirche Oberau als Dank für glückliche Heimkehr umgehängt. Die ­ se Medaillen wurden vom Pfarrer Josef Jesacher 1971 dem Heimatmuseum Wildschönau übergeben. Graf Lercenfeld im Jahre 1797 an die Völker außerhalb Deutschlands: \"Spiegelt euch am Beispiele der tapferen Tyroler.\" Tapferkeitsmedaillen der Wildschönauer Scharfschützen,verliehen für die Abwehr= kämpfe in Welschtirol 1796



44 Dem Scharfschützen Korporalen Anton Fill Die hochlöbliche Tyrolische Landschaft hat, weil sich die angezeigte Feindesgefahr schnell und stark vermehret hat mittelst Dekretes vom 3. ten dies Monats vom Landgericht Rattenberg eine zweite Kompagnie zum unverweiltem Ausmarsch aufgefordert. Da es nun mehrere Schützen giebt, welche 1. bisher oder gar nie, oder 2. nur ein einzigesmal ausmarschiert sind: so wird ihm Korporal aufgetragen ad 1) jene Schützen, welche noch gar nie ausgezogen, und ad 2) auch jene Schützen, welche nur ein einzigesmal aus- marschiret sind, sogleich aufzuschreiben, und diese AufSchreibung in 3 Tagen bei strenger Verantwortung anher zu überreichen. Rattenberg, den 7. September 1799 Johann Georg Kolbschmied Stadt- und Landrichter NB: Es ist auch anzumerken, in welcher Hauptmannschaft obige Schützen sind. Dem Scharfschützenkorporalen Anton Fill zu Obing in der Oberau Aus der Geschichte dieser Zeit Obwohl sich Napoleon 1797 vom Felsenland Tirol vorläufig abge ­ wandt hatte, bestand doch noch immer höchste Gefahr und die Tiroler Landesregierung verfügte 1799 eine Neuordnung der Landes ­ verteidigung.

45 i A ♦ '• / .} <s , : ' f ■/-r>-»-»-'7'*- 9 < * 7 z? tf- t iL'm &i / 7. x^> > y y-*~ ■Af ■■**-:* J-V.. 'X ■'< ;■• ’ Y'\" rrTr Ip&Z yYffl, ■ h ..- ö WJ .\". 1 ; ' V>

46 Bem Scharfschützenkorporal Anton Bill Ba nachdem - an die bevollmächtigte Hofkommission wieder ­ holt eingelangten offiziellen Nachrichten sich die mißliche Kriegslage in der Scharnitz in einem solchen Brade zeiget, daß für das Land Tirol allerdings eine neue Beindesgefahr zu besor ­ gen sey, so hat die hochlöbliche Tirolische Landschaft mittelst Bekretes vom 12. ten und 15. ten Oktober 1799 anher aufgetragen, nicht nur den vierfachen Zuzug, sondern auch die Sturmmasse solcher gestalten in Bereitschaft zu setzen, damit bei steigen ­ der Gefahr mit der aufgefordert werdenden Mannschaft unverzüglich ausgerücket werden kann. Es wird daher er Korporal hievon mit dem Auftrage ver ­ ständigt, daß sowohl er selbst sich zum allfälligen Ausmarsche bereit halte, als auch seine untergebene gemeine Mannschaft zur gleichmässigen Bereithaltung unverweilt erinnern, und bei einem Mangel, oder Abgang an Mannschaft sich dieß kommen lasse. Rattenberg, den 16. Oktober 1799 * Johann Georg Kolbschmied, Stadt- und Landrichter Bem Scharfschützenkorporalen Anton Bill, Bauer aufm Obinggut zu Bernau in der Oberau Aus der Geschichte dieser Zeit Ber obige Aufruf bedeutet die Vorbereitung zur Generalmobil ­ machung, bei welcher nicht nur die Schützen, sondern auch der allgemeine Landsturm ausrücken mußte. Bie Scharfschützen galten als eine Art Landesgarde, zumal bei ihnen auch auf die ganze innere Haltung und patriotische Ge ­ sinnung besonders gesehen wurde. Geübt wurde besonders sicheres Schießen auf weite. Bistanz (1799). Als Schützenoffiziere konnten nur angesehene Männer mit un ­ bescholtenem Ruf und der nötigen Einsicht von der Mannschaft ge ­ wählt werden.

J 44i H. w 1**^ 1 t £*-<■ i U* \" / * . ’ ' ! r** i HtH» 1 < «M * » * Erbhof Obing/Bernau 1973 4- K P€ •' /* tt M Z /Z k* itf i / m */* M W t t l *r ’ rr+O i * <r««% H + H t 1 ' ’ Z'* /- M

48 Die Ursachen des Tiroler VolksaufStandes 1809 Da Tirol 1805 an Bayern kam, wurde der Name Tirol durch ” Süd- bayern\" ersetzt. Sogar Kaiserbirnen mußten in Königsbirnen umbenannt werden. Zur Erhaltung des bayrischen Militärs in Tirol mußte für Män ­ ner, Frauen und Kinder alle Monate die sogenannte ’ ’ Kopfsteuer ” be ­ zahlt werden. Die Steuern waren doppelt so hoch wie unter Österreich (1806). Der Wert des österreichischen Geldes wurde um 1/5 vermindert. Der Umwechselkurs war noch schlechter. Dem Tiroler wurde zu viel re ­ giert. Die meisten Klöster wurden aufgehoben. Die beim Volk beliebten Patres vielfach versetzt und auf Leiterwagen abtransportiert. Aus einem Geheimbericht eines Spitzels an die bayr. Regierung: ’ ’ Die Tiro ­ ler, Ausnahmen abgerechnet, gehören unter die unkultiviertesten Völ ­ ker Deutschlands, ja Europas. Groß und herrlich wären die Anlagen ihres Geistes, aber es fehlt an Ausbildung. Kopf und Herz stehen nicht am rechten Fleck. Die Religion des Tirolers ist im wesentlichen die des jüdischen Pharisäers. Brav Rosenkränze schnattern, sich von allen Seiten mit Heiligenbilder bepanzern, Kreuze schlagen und Eier ­ kuchen essen, das sind die herrlichen Werke, mit denen der Tiroler seinen Glauben bekunden will. ” Ein Bischof schrieb mutig an den König: \"Selbst heidnische Kaiser hätten der Kirche mehr Sicherheit und Rech ­ te gewährt! ” Die Predigt durfte nicht mehr unter dem Gottesdienste ge ­ halten werden, die Mädchen durften bei den Prozessionen nicht allzu schöne Kleider tragen, die Aufstellung eines zweiten Opfertellers in der Kirche wurde nicht statthaft befunden. Das Herumtragen von Figu ­ ren und das Schießen bei der Prozession sei unstatthaft, weil es vom Gebete ablenke. Am 17.12.1806 wurden die Mitternachtsmetten in der heiligen Nacht verboten, obwohl sie schon verkündet waren. Diesen jahrhunderte alten Brauch, hat die bayrische Regierung, obwohl sie noch kein Jahr im Lande war, verboten. Diese Verbote wurden in den Tälern einfach nicht eingehalten. Es gab viele Strafen. Für das Kö ­ nigspaar mußte in den Kirchen ein eigenes Gebet gebetet werden, das den Tirolern unsittlich vorkam, da darin der Wunsch nach den ’ ’ süßen häuslichen Freuden des Königspaares ” zum Ausdruck kam. Viele Geist ­ liche weigerten sich das Gebet zu beten oder änderten es ab. Das ewige Licht durfte im Jahr nur ein gewisses Quantum Öl verzehren. Den Rosenkranz wollte man durch die Allerheiligenlitanei ersetzen. Das heilige Grab durfte mit keinen Kugeln und Statuen geschmückt werden. Das Ziborium durfte nur einen weißen Flor als Mantel tragen. Die Fastenordnungen sollten abgeschafft werden und mußten zuerst der Regierung vorgelegt werden. Die Predigt durfte nur eine halbe Stunde


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